83-Jähriger muss wegen G-7-Gipfel ins Altersheim umziehen

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Gerhard Haase wohnt seit 50 Jahren direkt neben Schloss Elmau. Er genießt lebenslanges Wohnrecht in seiner Hütte.

Während des G7-Gipfels gilt dieses allerdings nicht: Haase muss sein Haus, das in der Hochsicherheitszone liegt, zu dieser Zeit verlassen.

Gerhard Haase hätte kein Problem mit Barack Obama. Er hat schon viele Prominente erlebt, sie spazieren praktisch vor seiner Haustüre herum, wenn sie aus ihrem Hotel auf die Grünanlage hinaustreten. An schönen Tagen genießt er dort den gleichen Blick wie die Gäste auf Schloss Elmau, hinter dem nahen Bach ragen die Wände und Gipfel des Wettersteingebirges in die Höhe. Der 83 Jahre alte Mann sitzt dann gerne vor seinem Häuschen ein paar Meter neben der Error, group does not exist! Check your syntax! (ID: 3)Hotelterrasse und hört Radio. Gerhard Haase wird Barack Obama aber nicht treffen, obwohl der US-Präsident am 7. und 8. Juni in einem der Nachbarhäuser wohnen wird. Denn der Rentner muss wegen des G-7-Gipfels für ein paar

Wochen ausziehen.

Nun könnte man meinen, dass ein 83 Jahre alter Mann froh ist, dass er aus dem Hochsicherheitsbereich entkommen kann, den das Bundeskriminalamt für mehrere Wochen um Schloss Elmau einrichten wird. Aber Gerhard Haase hat dazu überhaupt keine Lust. “Warum soll ich weggehen? Seit 50 Jahren wohne ich hier, und jetzt soll ich ins Altenheim.”

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(Gerhard Haases Häuschen liegt an dem Schotterweg, der hinter Schloss Elmau hinüber zum Neubau führt – am oberen Bildrand etwas rechts von der Mitte)

Haase hofft, dass er wiederkommen kann

Das ist eine Perspektive, die bei ihm Unbehagen auslöst, auch wenn er weiß, dass er dort nur für ein paar Wochen wohnen soll. Er sei schon mal für ein paar Tage in einem Heim gewesen, sagt Gerhard Haase, und da habe es ihm gar nicht gefallen. Im Hinterkopf sitzt zudem die Angst, dass sein geliebtes Leben in Elmau zu Ende gehen könnte. “Ich hoffe, ich kann danach wiederkommen”, sagt Haase. “Nicht, dass die Hütte dann weggerissen ist.”

Die Schindelhütte, wie er sein Häuschen auch nennt, ist wohl einer der ungewöhnlichsten Wohnorte in Deutschland. Sie liegt direkt am Fußweg zwischen den zwei Häusern des Fünf-Sterne-Resorts in Elmau. Wenn Obama in einer der kürzlich eröffneten Suiten des Neubaus wohnt und zum größten Saal hinüberschlendert, könnte ihm Gerhard Haase vom Platz vor seiner Haustür die Hand reichen. Seit etwa 50 Jahren wohne er hier, erzählt er.

Einst diente das kleine Gebäude als Baubüro, später als Volksschule. Haase selbst hat Jahrzehnte als Techniker und Elektriker für das Hotel gearbeitet. Seine Frau war lange Sekretärin des früheren Direktors. Als Anerkennung für ihre Dienste erhielten die beiden lebenslanges Wohnrecht in ihrem Haus, das sie gleich nach der Hochzeit bezogen und immer wieder ausbauten.

Die Töchter sind während der Ferien nicht da

Seit dem Tod seiner Frau wohnt Gerhard Haase alleine hier. Er ist nicht mehr so beweglich mittlerweile, deshalb kommt eine Betreuerin mehrmals in der Woche. Das warme Mittagessen erhält er aus der Hotelküche. All das wäre vor und während des Gipfels wohl schwierig, sagt Haases Tochter Katja Brunhofer. Ihr Vater hätte auch bei ihr oder der anderen Tochter wohnen können, doch während der Pfingstferien seien beide nicht da.

Nun habe sie ein Apartment in einem Seniorenheim gebucht, weil ihr Vater dort auch pflegerisch bestens betreut sei. Dass er nicht mehr aufs Hotelgelände zurückkehren dürfe, glaubt sie nicht. “Das geht schon alles in Ordnung. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch mit der Direktion.” Dorthin könne sie auch die Rechnung für den Wohnungswechsel ihres Vaters schicken. Von wem Gerhard Haases Auszug gewünscht worden ist, das bleibt unklar.

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Aus einsatztaktischen Gründen keine Auskünfte zum Sicherheitsbereich

Die Tochter meint herausgehört zu haben, dass die Initiative von der Polizei ausging. Hotelier Dietmar Müller-Elmau will sich nicht äußern. Er sagt nur, seines Wissens sei wegen des Gipfels kein Bürger zu irgendwas gezwungen worden. Die bayerische Polizei verweist auf das Bundeskriminalamt, das für die Sicherheit des Hotels verantwortlich ist. Dort heißt es nur, dass aus einsatztaktischen Gründen keine Auskünfte zum Sicherheitsbereich gegeben würden. Das gelte grundsätzlich, also auch für den Umzug eines älteren Herrn.

Gerhard Haase weiß es auch nicht. “Vielleicht fürchtet jemand, dass ich wen blöd anrede”, sagt er. Er spreche aber Hotelgäste nicht an, höchstens umgekehrt komme das vor. “Manche sind froh, dass sie mit jemand ganz Normalem reden können.” Dass er ein Sicherheitsrisiko sei, glaubt Haase auch nicht. Obwohl Polizisten sein Haus kontrolliert hätten und bei ihm Pistolen gefunden hätten. Doch keiner der Staatsgäste hätte von ihm etwas zu befürchten gehabt, sagte Haase “Die Pistolen habe ich als Sportschütze registriert.”

Quellen: Reuters/sueddeutsche.de vom 10.05.2015