Das Öl geht aus – und dann?

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Die Zahl der weltweit entdeckten Öl- und Gasvorkommen ist auf den niedrigsten Stand seit 52 Jahren gefallen, wie die „Rossijskaja Gaseta“ am Mittwoch schreibt. Dies könne vielfältige Folgen haben.

Experten vermuten, dass dies in etwa fünf Jahren zu einem Preisanstieg des „flüssigen Goldes“ führen könnte – allerdings unter mehreren entscheidenden Bedingungen.

Vor einer möglichen Ölkrise warnte neulich die US-Bank Morgan Stanley, der zufolge 2015 außerhalb der USA nur 2,8 Milliarden Barrel Öl entdeckt worden wären – wenig, wenn man bedenkt, dass eine solche Menge dem weltweiten Verbrauch nur eines Monats entspricht. Sollte das in den kommenden Jahren zur Tendenz werden, dann könnte es der Welt bereits 2035 an etwa 4,5 Milliarden Barrel täglich mangeln.Der Experte des Russischen Öl- und Gasindustriellenverbandes, Rustam Tankajew, sieht die Situation allerdings weniger skeptisch. „Vor allem weil die globalen Ölvorräte auf die kolossale Menge von 300 Milliarden Tonnen, 2200 Milliarden Barrel, geschätzt werden“, erläuterte er.

Das bedeute, dass bei dem aktuellen Entwicklungstempo der Weltwirtschaft diese Ölreserven für etwa 65 Jahre genügen würden. Und angesichts des globalen BIP-Wachstums und der Entwicklung im Bereich der alternativen Energiequellen gehen die meisten Analytiker davon aus, dass sich die Menschheit im kommenden halben Jahrhundert keine großen Sorgen machen müsste, so Tankajew.Beunruhigend sei ein anderer Aspekt, betonte er aber: „Da etwa 20 Prozent der erschlossenen Vorräte schwer zu gewinnen sind – im Grunde geht es bei dem Ölsand in Kanada, bei dem brennbaren Schiefer im Orinoco-Tal usw. gar nicht um Öl — könnte sich die Zeit, für die die aktuellen Reserven reichen werden, verkürzen“, warnte der Experte.

Es seien in letzter Zeit auf der ganzen Welt, darunter im Roten Meer und am Alaska-Schelf, riesige Erschließungsprojekte gestartet worden. Tankajew erklärt: „Dabei haben zwei Länder, Russland und der Iran, ihre Erschließung nicht gekürzt, und zwar weil die Selbstkosten unseres Öls in den Gebieten weltweit am niedrigsten sind. Wir machen weiterhin Profite und investieren sie in die Erschließung.“Allerdings werde es in den kommenden fünf Jahren tatsächlich zu einem Ölmangel kommen, vermutet der Branchenkenner, aber wohl ohne großen Anstieg der Ölpreise. „Man muss eines verstehen: Wenn wir keine Ölquellen mit geringen Selbstkosten hätten, dann wären die Ölpreise wesentlich gestiegen. Aber wir haben solche Quellen, und deshalb wird es keinen Preisaufschwung geben, und die Preise werden auf einem solchen Niveau bleiben, das für die Vorbeugung der Schieferölerschließung nötig ist“, so Tankajew weiter. „Und das wäre bei etwa 50 bis 60 Dollar pro Barrel.“

Diese Situation wäre günstig für Russland, zeigte er sich überzeugt. „Unser Land ist durchaus imstande, seinen Anteil am globalen Markt schnell zu vergrößern, darunter dank der partnerschaftlichen Beziehungen mit Ländern wie China, Indien, Vietnam.“ Das größte Problem Russlands sieht der Experte in der mangelhaften Infrastruktur: „In Westsibirien könnten wir jedes Jahr 30 bis 40 Ölfelder erschließen, erschließen aber nur drei bis vier, weil es dort kaum Infrastruktur gibt. Die Situation verbessert sich erst seit kurzem.“

Quelle: Sputnik Deutschland