Egon von Greyerz: Warum es so wichtig ist Gold zu besitzen

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Es herrscht ein totales Missverständnis über die Rolle von Gold und warum es so wichtig ist, Gold zu besitzen. Gold sollte nicht basierend auf Gerüchten oder Ereignissen gekauft oder verkauft werden. In der vergangenen Woche bewegte sich der Goldkurs aus den vollkommen falschen Gründen.

Die ganze westliche Welt hatte einen Clinton-Sieg vorausgesagt. Die westlichen Medien, welche keine Analyse betreiben sondern nur berichten was ihnen vorgesetzt wird, investierte keinerlei Zeit in den Versuch zu verstehen, wie die Stimmung unter den Menschen war. Beim Brexit war es exakt dasselbe. Die Eliten in London, New York und den großen Metropolgegenden haben vollkommen andere Zielsetzungen, als die ganz normalen Leute.

Die jetzt sichtbar gewordene Trendänderung bei der Reaktion der Öffentlichkeit ist nicht einfach nur ein temporäres Phänomen. Die normalen Leute sind es leid, dass eine kleine Bankerelite, die Industriellen und die Politiker sich gegenseitig zu unbegrenzter Macht und Vermögen verhelfen, während die normalen Leute immer ärmer werden, mit niedrigeren Einkommen und immer mehr Schulden.

Exponentiell wachsende Schulden

Und es sind die Massen, welche letztendlich für die Rückzahlung der Schulden zur Verantwortung gezogen werden. Diese steigen in den meisten Ländern exponentiell. Sie werden diese Schulden natürlich nicht zurückzahlen, denn sie können es gar nicht. Stattdessen werden sie unfassbar leiden, sobald die globalen Schulden in Höhe von grob $ 250 Billionen implodieren und dies zu einer akuten Depression führt.

Die Lücke zwischen den Reichen und den Armen im Westen ist größer als jemals zuvor. In den USA besitzen die obersten 0,1 % insgesamt 22 % der Vermögen. Und Top-Kräfte in den USA hatten seit 1973 einen Einkommenszuwachs von 51 % zu verzeichnen, während der durchschnittliche Arbeiter zusehen musste, wie sein Einkommen um 4,6 % sank. Dies ist ein sehr gefährlicher Trend und wenn der wirtschaftliche Abschwung kommt, dann wird er wahrscheinlich zu gewalttätigen Protesten und sozialen Unruhen führen.

Für die USA und auch andere Länder kam der Trump-Sieg vollkommen unerwartet. Die meisten Politiker in Europa und im Rest der Welt haben Trump verlacht und angenommen, dass er niemals gewählt werden würde. Die müssen gewiss jetzt alle kleine Brötchen backen.

Volatilität und Spekulation

Zurück zu Gold. Wir haben im Verlauf der vergangenen Woche die unvorstellbarste Volatilität erlebt. Als klar war, dass Trump gewinnt, stieg Gold innerhalb von 4 Stunden von $ 1.270 auf $ 1.335. Am Freitag wurde es auf $ 1.225 gedrückt, ganze $ 110 unter dem Höchststand im Zuge der Euphorie der Wahl.

Eingangs kam es auf der ganzen Welt zu erheblichen Spekulationskäufen von Papiergold, aber nur zu sehr geringen Mengen an physischen Käufen. Einige Goldexperten sagten voraus, dass Gold um mindestens $ 100 steigen würde, sollte Trump gewinnen. Nun, es waren $ 65, aber von dort fiel es dann um $ 100.

Einem Händler in London gingen aufgrund panischer Einzelhandelskäufe die physischen Bestände aus. Aber als die Aktienmärkte sich von Minus 4-5 % nach oben drehten, wurden die Papiergold-Longs liquidiert und spekulative Gelder flossen stattdessen in die Aktienmärkte. Eine Goldproduktion von zwei Jahren wurde nach der Wahl gehandelt – alles im Papiermarkt.

Kommt es zu einem Engpass bei physischem Gold?

Wenn Gold in den Futuresmärkten abgestoßen wird, gibt es üblicherweise nur sehr wenig physische Verkäufe. Folglich ist der Papierpreis des Goldes vollkommen unecht und spiegelt in keiner Form das wider, was in den physischen Märkten passiert. Der Papiermarkt hat maximal 1 Unze physisches für je 100 Unzen Papiergold zu bieten. Sobald die Bullionbanken zu diesen künstlich niedrigen Preisen zukaufen, wird es wahrscheinlich zu einem erheblichen Engpass kommen.

Goldinvestoren sollten diese kurzfristigen Bewegungen vollkommen ignorieren, wie auch irgendwelche Nachrichten oder Ereignisse, welche den Goldpreis zeitweise in Bewegung versetzen. Leider kaufen die meisten Investoren dann, wenn der Goldpreis steigt und verkaufen wenn er fällt. Dieses Verhalten zeigt eine totale Ignoranz gegenüber der Rolle des Goldes und warum es so wichtig ist physisches Gold zu halten.

Denn Gold ist kein Investment und sollte definitiv auch nicht als spekulativer Rohstoff angesehen werden. Futures-Händler und die Bullionbanken haben aber kein Interesse daran, in Gold als Vermögensabsicherung zu investieren. Für sie ist es einfach nur ein in den Papiermärkten gehandelter Rohstoff und sie haben keinerlei Intention jemals die Auslieferung zu verlangen.

Wenn Gold sich aufgrund von Ereignissen stark bewegt, dann hält diese Bewegung nur selten an. Diese Bewegungen sind meistens spekulativer Natur und finden in den Papiermärkten statt. Anhaltende Bewegungen beim Gold gibt es nur aufgrund der Abwertung von Papiergeld und sonst nichts.

Abwertung der Währungen

Seit der Gründung der FED im Jahr 1913 sind alle großen Währungen gegen Gold um 97 bis 99 % gefallen. Die USA haben seit 1960 keinen Haushaltsüberschuss mehr vorzuweisen und so ist der Trend sehr klar und es ist unwahrscheinlich, dass er sich in nächster Zukunft wieder umkehren wird.

Seit Nixon im Jahr 1971 die Golddeckung des US-Dollar aufgehoben hat, sind die US-Schulden im Schnitt um 9 % im Jahr gestiegen. Dies bedeutet, dass sich die Schulden des Bundes alle acht Jahre verdoppelt haben.

Obama ist dabei keine Ausnahme. Er hat sich pflichtgemäß diesem Trend exponentiell wachsender Schulden unterworfen und die US-Schulden von $ 10 auf $ 20 Billionen verdoppelt. Die USA benötigten 200 Jahre, um von keinen Schulden auf $ 10 Billionen zu kommen und Obama hat diese innerhalb von nur 8 Jahren verdoppelt. Was für eine Leistung!

Weder Clinton noch Trump haben irgendeine Intention den Trend massiver Schuldenausweitung zu brechen. Trumps angekündigte Steuererleichterungen und die großen Investitionen in die Infrastruktur werden über $ 5 Billionen zusätzlicher Schulden generieren. Mit dieser expansiven Politik gibt es keinerlei Grund anzunehmen, dass die Schulden in den kommenden vier Jahren um weniger als die jährlich durchschnittlichen 9 % wachsen werden. Dies würde die US-Schulden bis zum Jahr 2021 auf mindestens $ 28 Billionen bringen.

Wahrscheinlich wird es aber noch viel schlimmer kommen. Steigende Zinsen, höhere Arbeitslosigkeit, Stress in den Kreditmärkten und massive Probleme im globalen Finanzsystem werden wahrscheinlich zu substanziell höheren Schulden und massiver Geldschöpfung führen.

Zinserhöhungen wahrscheinlich

Die langfristigen US-Zinsen sind Anfang des Jahren bei den 10-jährigen Treasuries von 1,4 % um 50 % auf 2,1 % gestiegen. Der 35-Jahreszyklus beim Zins hat sich nun gedreht und es wird wahrscheinlich zurück auf mindestens die 16 % gehen, welche wir im Jahr 1980 hatten, vermutlich jedoch noch viel höher, sobald die größte Bondblase der Geschichte platzt. Aufgrund der massiven Größenordnung dieser Blase im globalen Maßstab kann es sehr schnell zu Zinserhöhungen kommen.

Diese werden nicht nur die Kreditmärkte und die Fähigkeit der Regierungen die Zinsen zu bezahlen betreffen, sondern auch den Derivatemarkt. Die $ 1,5 Billiarden an globalen Derivaten sind sehr empfindlich gegenüber Zinserhöhungen und dieser Markt wird deutlich höhere Zinsen nicht überleben.

Und wenn wir uns auf der Welt umschauen, dann finden wir noch nie dagewesene Risiken vor. Japan ist vollkommen bankrott, China hat ein großes Schuldenproblem und das europäische Bankensystem wird in seiner jetzigen Form kaum überleben. Und was mit dem Brexit begonnen hat, wird sich wahrscheinlich in vielen europäischen Ländern fortsetzen.

Genau wie in den USA, sind viele Europäer es leid, dass eine Elite in Brüssel über 500 Millionen Menschen herrscht und dabei nur wenig Verständnis für den Unmut hat, den diese nicht in die Verantwortung nehmbare und ungewählte Elite verursacht.

Als nächstes findet im Dezember die Wahl in Italien statt und danach kommen Frankreich und Deutschland 2017. Die Auflösung der EU und das Ende des Euros ist nur eine Frage der Zeit und es könnte viel schneller dazu kommen, als von irgendwem erwartet wird.

Trumps schwieriger Weg

Angesicht all dieser Probleme auf der Welt wird Trump erhebliche Schwierigkeiten haben, die Trends von Schulden, Defiziten und nicht vorhandenem Wachstum der US-Wirtschaft umzudrehen. Der weltweite Handel geht bereits zurück und wird sich in den nächsten paar Jahren substanziell verschlechtern. Bei den globalen beispiellosen Problemen und denen in den USA, ist es nicht der beste Zeitpunkt Präsident der größten und verschuldetsten Volkswirtschaft der Welt zu werden. Trump hat sich klar vorgenommen seine Ziele zu erreichen, wird aber eine insolvente Volkswirtschaft in einer praktisch bankrotten Welt übernehmen, was viel schwieriger werden wird, als ein Immobilienimperium aufzubauen.

Da die Welt in eine Periode eintritt, welche exponentiell größere Risiken birgt als noch 2006, werden die Gründe physisches Gold als Absicherung und Vermögensschutz zu halten, zwingender als jemals zuvor. Die fortlaufende Abwertung der Währungen wird einen höheren Goldpreis garantieren.

Zusätzlich dazu kann es jederzeit zu einem Versagen der Papiergold-Märkte kommen. Wenn dies geschieht, dann wird zu keinem Preis mehr physisches Gold verfügbar sein, bis es zum Gleichgewicht im physischen Markt kommt. Zu welchem Preis dies dann sein wird, ist unmöglich vorauszusagen, aber es wird sicher ein Vielfaches des heutigen Preises sein.

Egon von GreyerzVon Egon von Greyerz

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