IS schickt SMS an Brüsseler Jugendliche: "Kämpfe auch du gegen den Westen!"

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Polizisten in Molenbeek am Tag der Verhaftung des Paris-Attentäters Abdeslam (18. März).

Junge Männer aus Molenbeek erhielten dieses Wochenende Propaganda-Sms, die zeigen: Dschihadisten suchen in dem Viertel neue Error, group does not exist! Check your syntax! (ID: 3)Selbstmord-Attentäter. Der IS versucht dabei, die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen auszunutzen. Der Guardian berichtete, wie

perfide dies geschieht.

Eine Woche nach den Selbstmordattentaten betreiben Dschihadisten in Molenbeek unverhohlen Rekrutierung für neue Selbstmord-Attentate: Junger Männer erhielten am Osterwochenende Propaganda-Sms mit eindeutigem Inhalt: „Mein Bruder, warum folgst Du uns nicht in den Kampf gegen die Westler? Triff' die richtige Wahl in Deinem Leben.“

 

 

Die Sms kamen von einem Prepaid-Account, der nicht rückrufbar oder verfolgbar war. Sie kamen nur kurz nachdem auf Facebook ein Video die Runde machte, auf dem scheinbar Molenbeeker Jugendliche die Brüsseler Terroranschläge feierten.

Es gibt aus Belgien viele junge Menschen, die zum IS gegangen sind – fast wöchentlich höre man von einem getöteten Belgier, so die Mutter eines verstorbenen 19-jährigen laut Guardian.

Aktivisten vermuten nun, dass die Telefon-Nummern aus Handys belgischer IS-Rekruten downgeloaded wurden. Sie wurden gezielt an junge Männer nordafrikanischer Abstammung verschickt.

Der Brüsseler Kommunalpolitiker Jamal Ikazban forderte die Polizei auf, gegen solche Rekrutierungsversuche vorzugehen. Gegenüber dem Guardian sagte er, dass die Sms-Aktion Spannungen innerhalb der Community von Molenbeek erhöht habe. „Diese Leute versuchen unsere Jugend im Sturm zu erobern“, so Ikazban. „Das ist, wie wenn ein großer Drogen-Dealer direkt vor der Schultür steht. So fühlen wir uns gerade. Man muss sie von den Straßen entfernen. Sie sind wie Raubtiere und unsere Jugendlichen die Opfer.“

50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit

Molenbeek ist ein sozialer Brennpunkt und eines der stigmatisiertesten Viertel Belgiens. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt 50 Prozent und manche Betriebe sortieren Bewerber schon anhand der Molenbeeker-Postleitzahl aus, wird gesagt.

„Sich dem Daesh anzuschließen ist eine Form von Selbstmord“, erklärt Ikazban das Phänomen. Die Terroristen haben kapiert, dass es in Molenbeek „einen Level der Verzweiflung unter Jugendlichen gibt“, der gute Voraussetzungen für Indoktrinierung und Rekrutierung schaffe.

In ganz Brüssel erhielten junge Muslime ähnliche Facebook-Botschaften und Emails, die meisten wollten damit jedoch nicht an die Öffentlichkeit.Jamal Zaria, der Imam der Molenbeeker Arafat-Moschee sagt, dass unter belgisch-marrokkanischen Eltern nun die Angst wächst. „Sie sind dem wie Krebsmetastasen ausgeliefert“, sagt er. „Es verbreitet sich wirklich sehr schnell. Wir befinden uns im Wettlauf gegen die Zeit, um ein Abwehrsystem für unsere Kinder und Jugendlichen entwickeln, damit sie dem Ruf des Daesh [IS] wiederstehen.“

Belgien steht wegen seines laschen Umgangs mit den IS-Aktivitäten in der Kritik. Ikazban zum Beispiel sagt, dass er örtliche Verwaltung und Sicherheitskräfte auf dschihadistische Gruppierungen und deren Treffpunkte hingewiesen habe und diese gar nicht reagiert hätten.

IS-Opfer aus bürgerlicher Familie

Ähnlich schildert es dem Guardian die Französin Geraldine, 50 Jahre, Finanzfachwirtin und Mutter eines 19-jährigen IS-Opfers aus Molenbeek. Sie selbst konvertierte zum Islam als sie vor 25 Jahren ihren marokkanischen Mann heiratete. Als sie die Polizei informierten, ihr Sohn sei dabei zum IS abzuhauen und sie wüssten sich nicht zu helfen – da unternahmen die Behörden nichts, weil er über 18 war.

Der Sohn war ein unauffälliger Junge mit gutem Schulabschluss, der fließen belgisch, französisch und arabisch sprach. Die Familie war weder arm noch radikal. Er habe niemals eine Moschee besucht und sich auch nicht um die religiösen Ansichten seiner Eltern gekümmert, sagt Geraldine. Als er nach seinem Schulabschluss nicht gleich einen Job fand, habe er sich innerhalb weniger Monate radikalisiert, so die Mutter – wohl durch Bekanntschaften mit Radikalen. Dann sei er nach Syrien abgereist, weil er es als seine „Pflicht“ empfand. Von dort aus habe er noch öfter angerufen und sich entweder liebevoll erkundigt, ob es ihnen gut gehe – oder wütend-fanatisch seinen Vater als daheimgebliebenen Feigling und schlechten Moslem beschimpft. Per Sms erfuhren sie dann eines Tages, dass ihr Sohn „als Märtyrer“ gestorben sei.

„Muslimische Intellektuelle müssten viel stärker Position beziehen und den Mund aufmachen“, fordert Geraldine, die nun als „Terroristen-Mutter“ beschimpft wird. „Die Leute haben keine Ahnung, was Radikalisierung bedeutet“, sagt sie.

Belgiens Plan gegen die Radikalisierung: Mehr Sicherheitskräfte und mehr Überwachungskameras.

(rf)