Juden am Holocaust schuld? Polens Regierungschef empört Netanjahu

0
226
© AFP 2018/ ODD ANDERSEN

Der israelische Ministerpräsident, Benjamin Netanjahu, hat die Aussage des polnischen Regierungschefs, Mateusz Morawiecki, über „jüdische Täter“ im Holocaust als empörend bezeichnet.

Netanjahu bezog sich dabei auf Morawieckis Interview vom Samstag am Rande der Sicherheitskonferenz in München. Ein Journalist fragte damals, ob er nun in Polen als kriminell angesehen würde, nachdem er berichtet hatte, dass polnische Nachbarn einst seine Mutter bei der Gestapo verraten wollten.

„Natürlich wird es nicht strafbar und kriminell sein, wenn man sagt, dass es polnische Täter gab, so wie es jüdische Täter gab, so wie es russische Täter gab, so wie es Ukrainer gab, nicht nur deutsche Täter“, antwortete Morawiecki laut AFP.

Diese Aussage trug zu bereits bestehenden Kontroversen zwischen Israel und Polen wegen eines Gesetzes bei, laut dem Zuschreibungen bestraft werden, die das polnische Volk oder den Staat für die Verbrechen von Nazi-Deutschland verantwortlich machen.

„Die Worte, die der polnische Ministerpräsident hier, in München, geäußert hat, sind empörend. Das Problem liegt in der Unfähigkeit, Geschichte zu verstehen, sowie im fehlenden Gefühl für die Tragödie unseres Volkes“, teilte Netanjahu auf Twitter mit.

Er wolle unverzüglich mit Morawiecki sprechen.

Warschau hatte ein Gesetz verabschiedet, das für heftige und kontroverse Diskussionen gesorgt hatte. Unter Androhung von Geldstrafen sowie Haftstrafen von bis zu drei Jahren verbietet es, „öffentlich und entgegen den Fakten“ über die Beteiligung Polens an Kriegsverbrechen der Wehrmacht und am Holocaust zu sprechen. Verboten sind Äußerungen wie „polnisches Todeslager“ und andere Sätze, die darauf hinweisen, dass Polen eine Verantwortung für die Verbrechen von Nazi-Deutschland gegen die Menschheit in Polen trägt. In Israel wird befürchtet, das Gesetz könnte für die Leugnung der Rolle Polens bei den Verbrechen gegen die Juden während des Holocaust missbraucht werden.