Nazijäger schnüffeln immer öfter in Sportvereinen

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Bild: CCO

Potsdam – Dass es in Sporthallen nach Schweißfüßen und verschwitzten Hemden riecht, ist ein offenes Geheimnis. Weniger bekannt: Seit 2011 haben linksgrüne Nazijäger ihre Nase in die Sportvereine gesteckt und festgestellt, dass auch Rechte dort ihre teutonischen Duftmarken hinterlassen haben. Zu diesem Ergebnis kommt ein reißerisch aufgemacht Videobericht des Focus, der Bürgerkriegsstimmung verbreiten soll. Als gäb´s die nicht täglich in Neukölln außerhalb der Sporthallen. Und so lautet die Gefahrenwarnung vor einer neuen Kampfsport-Bewegung:    

„Kampfsport ist in der rechten Szene beliebt. Recherchen haben gezeigt, wie sich Rechtsextreme in geschlossenen Clubs in Sachsen für den Straßenkampf rüsten. Doch das Problem gibt auch in anderen Bundesländern, etwa in Brandenburg.“

Diese Sätze stammen von Frank Nürnberger, der Leiter des Landes-Verfassungsschutzes. In einem Interview mit dem Sender „rbb“. Alt sei diese Erkenntnis allerdings nicht. Bereits 2011 habe man die Sportvereine unter die Lupe genommen und im Bericht der Behörde erwähnt.

Neu dagegen sei, wie viele Veranstaltungen es gebe und wie offen die Veranstalter vorgehen.

Weiter meint der brandenburgische Verfassungsschutz-Chef, Rechtsextremisten würden versuchen, Sportvereine zu unterwandern, „um so ihre Ideologie subkutan zu verbreiten.“

„Der Kampfsport ist da eben auch eine wunderbare Geschichte, weil man quasi den starken germanischen Mann kultivieren und propagieren will. Und das zieht natürlich“, versucht Nürnberger die Motive der Rechten zu interpretieren.

Statt Turnvater Jahn „Kampf der Nibelungen“

Doch mit den Germanenmythen ist das so eine Sache und offenbart auch die geistigen Schwächen der Turnhallenhelden. Anstatt sich an der patriotischen preußischen Bewegung samt Lützowschen Freicorps von 1813 zu orientieren, die immerhin Napoleon in die Knie zwang, orientieren sich die Rechten mancherorts an fragwürdigen nicht gerade erfolgversprechenden Modellen. So fand Mitte Oktober im sächsischen Ostritz eine Kampfsportveranstaltung mit dem Titel „Kampf der Nibelungen“ statt. Wahrscheinlich in vollkommener Unkenntnis, dass die Nibelungen am Hof des Hunnenkönigs Etzel bis auf den letzten Mann aufgerieben wurden. Manchmal ist es also ratsam, neben Muskeln auch noch das Gehirn zu trainieren und statt rechten Schmuddelheftchen lieber Sunzi und Clausewitz zu lesen. Beides keine Nazis und in jeder guten Bibliothek erhältlich.

Auch Identitäre im Visier – Boxlehrer denunziert

Nicht nur komplette Rechtausleger mit tätowierten Germanenglatzen geraten zunehmend ins Visier der Nazijäger. Auch die Identitären – beliebtes Ziel von Antifa-Attacken – werden mit Sportvereinen in Verbindung gebracht. Aufsehen erregte ein Fall Anfang Oktober in Halle, als die selbsternannten Nazijäger vom „Bündnis Halle gegen rechts“, einen Box-Trainer in Halle öffentlich denunzierten und an den Pranger stellten. Die Hobby-Verfassungsschützer hatten zwei Boxer, die sie der Identitären Bewegung zuordneten, auf einem Foto erkannt und daraufhin einen 17seitigen regelrechten Stasi-Bericht über den Boxlehrer verfasst, der im Sportverein Halle sowie an der Martin-Luther-Universität unterrichtet.

In dem im Internet veröffentlichten Machwerk forderten sie den Sportverein auf, den Trainer zu schassen und faselten davon, dass Rechtsextreme die Sporthallen genutzt hätten. Die Reaktion: Der Boxtrainer stellte Strafanzeige und das Präsidium des Sportvereins stellte sich hinter den beliebten Mitarbeiter: „Die Anschuldigungen gegen den Trainer gleichen einem Rufmord“, war von der Vereinsspitze zu hören. Über den Fall hat damals die Mitteldeutsche Zeitungund Jouwatch berichtet. (KL)

@jouwatch

Quelle!: #zaronews