Netanjahu zitiert Bibel als Rechtfertigung für Hauptstadtverlegung und fordert Anerkennung durch EU

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Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu billigte während seines Besuchs in Paris Donald Trumps Jerusalem-Vorstoß mit einem Verweis auf die Bibel. Im weiteren Verlauf der Proteste forderte er die Palästinenser auf, „die Realität zu akzeptieren“.

Während seines Besuchs in Brüssel am Montag lobte Netanjahu die jüngste Entscheidung des US-Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft dorthin zu verlegen. Diese basiere auf der Anerkennung der Realität. Die umstrittene Entscheidung löste nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit Proteste aus und wurde international von mehreren Staaten verurteilt. Dennoch erklärt der israelische Premierminister, die Entscheidung fördere den Frieden und er forderte sowohl die EU-Staaten als auch die Palästinenser auf, diesem Beispiel zu folgen.

Es macht Frieden möglich, denn die Anerkennung der Realität ist die Substanz des Friedens, die Grundlage des Friedens“, sagte Netanjahu vor einem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel gegenüber der Presse.

„Es ist an der Zeit, dass die Palästinenser den jüdischen Staat anerkennen und auch die Tatsache akzeptieren, dass dieser eine Hauptstadt hat. Sie heißt Jerusalem“, sagte er. Der Premierminister fügte hinzu, er erwarte, dass in weiterer Folge „alle oder die meisten“ EU-Staaten „ihre Botschaften nach Jerusalem verlegen werden“.

Netanjahu wird im Zusammenhang mit seinem Besuchsprogramm voraussichtlich ein informelles Treffen mit EU-Diplomaten abhalten, um bilaterale Beziehungen und regionale Fragen am Rande der Tagung des Rates für auswärtige Angelegenheiten in Brüssel zu erörtern. Es wird auch ein Treffen mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, erwartet. Vor dem Treffen erklärte EU-Außenpolitik-Chefin Federica Mogherini der Presse, dass die Union den „internationalen Konsens“ über Jerusalem weiterhin anerkennen werde.

Inzwischen hat sich die Mehrheit der Weltmächte zu der Ankündigung Trumps geäußert und dessen Schritt nicht begrüßt. Russland äußerte sich besorgt über mögliche Folgen für die krisengebeutelte Region.

Am Sonntag traf Netanjahu den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der seinen amerikanischen Amtskollegen noch dazu aufgefordert hatte, den Status quo der Stadt zu bewahren, bevor Trump seine Entscheidung bekanntgab. Netanjahu bezeichnete die mangelnde Bereitschaft in der Welt, die „mehrtausendjährige Verbindung des jüdischen Volkes mit Jerusalem“ anzuerkennen, auf der gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Treffen als „absurd“.

Netanjahu: „Jerusalem nie Hauptstadt einer anderen Nation“

Er betonte auch, dass die Bibel, im Umfang des Alten Testaments das heilige Buch sowohl für Juden als auch für Christen, diesen Schritt rechtfertige.

Man kann es in einem sehr schönen Buch lesen – es heißt Bibel“, sagte der israelische Premierminister israelischen Medien zufolge. „Man kann es in der Bibel nachlesen. Man kann es in den Geschichten der jüdischen Gemeinden in unserer Diaspora hören…“

Der israelische Regierungschef erklärte zudem, dass Jerusalem nie die Hauptstadt einer anderen Nation gewesen sei, und forderte die Palästinenser auf, sich der Realität zu stellen, um Frieden zu erreichen.

Es war schon immer unsere Hauptstadt. Jerusalem war nie die Hauptstadt eines anderen Volkes. Ich denke, je eher sich die Palästinenser mit dieser Realität auseinandersetzen, desto eher werden wir uns auf den Frieden zubewegen, und deshalb denke ich, dass die Ankündigung von Präsident Trump so historisch und so wichtig für den Frieden war“

Netanjahu fragte: „Wo sonst ist die Hauptstadt Israels, wenn nicht in Jerusalem?“, und fügte hinzu, dass sich alle wichtigen Regierungsstellen in der Stadt befinden.

Mehrfache Herrschaftswechsel durch die Geschichte

Während das Zitieren von religiösen Texten für die israelische Regierung gängige Praxis ist, akzeptieren moderne Historiker und Archäologen die in der Tora und der Bibel dargestellte Geschichte nicht als Tatsache.

Das Land, auf dem die Stadt steht, hat im Laufe der Menschheitsgeschichte mehrmals seine Besitzer gewechselt. So zählten verschiedene semitische Stämme, Ägypter, Römer sowie das Osmanische Reich bislang zu den Herrschern. Die moderne Geschichte des jüdischen Staates begann 1947, als die UNO einen Teilungsplan der als Palästina bekannten Region – damals unter britischer Herrschaft – in zwei souveräne Staaten billigte, einen jüdischen und einen arabischen. Jerusalem solle dieser Entscheidung zufolge einen besonderen internationalen Status bekommen. Die Araber lehnten diesen Schritt ab und forderten die Schaffung eines „einheitlichen Staates Palästina“.

Seither herrschen zwischen dem jungen jüdischen Staat und der arabischen Welt große Spannungen, wobei die bedeutendsten bewaffneten Konflikte zwischen 1948 und 1967 stattfanden. Der Krieg im letztgenannten Jahr dauerte nur sechs Tage und führte zur israelischen Kontrolle über den zuvor von Jordanien annektierten Teil Jerusalems einschließlich der Altstadt, wo sich der Felsendom und die al-Aqsa-Moschee – zwei der heiligsten Stätten für Muslime – befinden. Die Moschee verwaltet bis heute die Waqf-Stiftung.

Am Samstag bezeichnete der tschechische Präsident Milos Zeman die EU-Länder als „Feiglinge“ in Bezug auf ihre Reaktion auf die Anerkennung Jerusalems durch Donald Trump und sagte, dass er mit dessen Erklärung „wahrhaft glücklich“ sei. Auch der philippinische Präsident Rodrigo Duterte und Ghanas Präsident Aaron Mike Ocquaye brachten ihre Sympathie mit dem Schritt zum Ausdruck. Die Mehrheit der Staats- und Regierungschefs bleibt jedoch abwartend oder kritisch.

Beitragsbild: Reuters

Quelle: https://deutsch.rt.com/international/61993-netanyahu-zitiert-bibel-als-rechtfertigung/