Russlands neue Raketenschiffe: Klein, aber sehr bissig

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© Sputnik / Max Wetrow

Es ist allgemein bekannt, welches Aufsehen der Einsatz der auf Schiffen installierten Raketen „Kalibr-NK“ gegen IS-Terroristen in Syrien im Oktober 2015 ausgelöst hatte. Die Raketen wurden damals von drei kleinen Raketenschiffen des Projekts 21 631 „Bujan-M“ der Kaspischen Flottille abgefeuert.

Es war kein Zufall, dass das russische Marinekommando zuvor beschlossen hatte, diese Klasse der Schiffe für küstennahe Gefechtsführung zu entwickeln. Das Internetportal armystandard.ru hat etwas über die Perspektiven der russischen „kleinen Raketenflotte“ erfahren.

Einige Monate vor dem erwähnten Einsatz im Kaspischen Meer hatte das St. Petersburger Konstruktionsbüro „Almas“ auf dem internationalen militärtechnischen Forum „Army 2015“  das Projekt 22 800 präsentiert. Das war der erste Schritt zur Entwicklung des einmaligen (selbst im globalen Maßstab) Schiffes.

Skeptiker zweifelten damals: Von der Entwicklung der Konstruktion bis zur praktischen Umsetzung des Projekts ist es normalerweise ein enorm langer Weg. Außerdem spürte die russische Schiffbaubranche schon damals den Druck der westlichen Wirtschaftssanktionen.

Aber schon am 25. Dezember 2015 wurde im Schiffsbauwerk „Pella“ im Gebiet Leningrad das Flaggschiff des Schiffes 22 800 auf Kiel gelegt, das den Namen „Uragan“ bekam. Aktuell werden solche Schiffe zugleich in zwei anderen Werften gebaut (in Feodossija auf der Krim und in Selenodolsk in der Teilrepublik Tatarstan).

Seit der Kiellegung sind nur drei Jahre vergangen, aber Ende September begannen die staatlichen Tests der „Uragan“. Das ist ein Rekord: Bisher war in Russland kein einziges Kriegsschiff so schnell gebaut worden.

Übrigens lief auch das dritte Schiff dieser Serie, die „Burja“, weniger als zwei Jahre nach der Kiellegung vom Stapel. Das passierte im Oktober 2018.Was ist das Besondere am Projekt 22 800? Nach den ersten Tests der „Uragan“ im Weißen Meer kann man schon über reale – und nicht vermutliche – Vorteile des Schiffes reden.

„Das Projekt wurde von uns binnen einer ziemlich kurzen Zeit umgesetzt. Damit wurde die Entwicklung von kleinen Raketenschiffen des Projektes 1234 ‚Owod‘ fortgesetzt“, erzählte der Chefingenieur des Konstruktionsbüros „Almas“, Konstantin Golubew. „Im Laufe der Arbeit wurde es ständig vervollkommnet – beispielsweise bekam das Schiff den Fla-Raketen- und Artillerie-Komplex ‚Panzyr-ME‘. Was die Novationen des Projekts 22 800 im Allgemeinen angeht, so geht es vor allem um die hydrodynamischen Schiffsformen, dank denen das Schiff sehr stabil über dem Wasser bleibt, so dass es Raketen selbst bei einem Seegang fünf einsetzen kann. Der zweite Faktor ist seine hohe Geschwindigkeit: bis 30 Knoten. Und schließlich ist sein Waffenkomplex gut ausbalanciert, so dass es ganz verschiedene Aufgaben erfüllen kann“, so der Ingenieur.

Die von den Konstrukteuren entwickelte hydrodynamische Plattform ist weltweit einmalig. Die Schiffe dieser Serie können, wie bereits gesagt, „Kalibr“-Raketen bei einem Seegang fünf abfeuern und sind dabei sehr seetüchtig und enorm manövrierfähig. Das ist sehr wichtig für den Fall eines Seegefechts.

Hinzu kommt, dass die Schiffe des Projekts 22 800 ein sehr geringes Rückstrahlvermögen haben und für gegnerische Radaranlagen kaum zu orten sind.

Ein Schiff des Projekts 22 800 ist 67 Meter lang, elf Meter breit, hat eine Wasserverdrängung von 800 Tonnen, kann eine Geschwindigkeit von maximal 30 Knoten erreichen und eine Fahrtweite von 2500 Meilen haben. Zu seinen Waffen gehören der Raketenkomplex „Kalibr-NK“, die Artillerieanlage AK-176MA, der Fla-Raketen- und Artillerie-Komplex „Panzyr-ME“.

Der Vizeleiter der Verwaltung für Schiffsbau der russischen Marine, Kapitän zur See Michail Krasnopejew, sagte zu den Ergebnissen der staatlichen Tests der „Uragan“, dass sie die bei der Entwicklung bestimmten taktischen und technischen Charakteristiken nicht nur bestätigt, sondern auch übertroffen hätten. So sei die Höchstgeschwindigkeit höher als erwartet gewesen: 35 Knoten.

Und noch ein wichtiger Moment: Die neuen Schiffe sind relativ billig – bei enorm hoher Effizienz. Dabei werden im Rahmen des Projekts 22 800 ausschließlich russische Technologien und Baustoffe verwendet.Russlands Vizeverteidigungsminister Juri Borissow, der inzwischen zum Vizepremier ernannt wurde, hatte am 5. Mai die Werft „Pella“ besucht und dem Stapellauf des Schiffes „Schkwal“ (des zweiten dieser Serie) beigewohnt. Damals bezeichnete er das Schiff wie folgt: „Es ist ein sehr ‚bissiges‘ Schiff entstanden!“ Das ist auch wahr: Dieses relativ kleine Schiff ist tatsächlich gefährlich für Schiffe mit einer wesentlich größeren Wasserverdrängung. In der Perspektive werden die russischen Seestreitkräfte viele solche Schiffe bekommen. Michail Krasnopejew zufolge wurden Verträge für den Bau von insgesamt 18 Schiffen dieses Projekts abgeschlossen.

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