Stimme aus Israel: Trump gefährdet den Friedensprozess – nicht jene, die zu Terror-Taten gegen Unschuldige aufrufen?

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„Überall lese ich, Trump hätte durch die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels dem Friedensprozess ein Ende gesetzt. Angesichts der Reaktionen muss man sich allerdings fragen, ob unter diesen Umständen Frieden überhaupt möglich und gewollt ist“, schreibt die Auslandsstudentin Cornelia de Ambrosia aus Israel.

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und angekündigt, die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen. Dies führte zu Empörung in der arabischen Welt und scharfen Protesten auf palästinensischer Seite. Die radikalislamische Hamas und der Islamische Dschihad erneuerten am Samstag ihre Aufrufe zu einer neuen Intifada.

Weltweit demonstrierten aufgebracht Muslime gegen die Entscheidung. Im schwedischen Göteborg warfen Unbekannte am Samstagabend sogar einen brennenden Gegenstand auf eine Synagoge. Die örtliche jüdische Gemeinde brachte den Vorfall mit der Kontroverse um die Trump-Entscheidung in Verbindung.

Bei einer Kundgebung vor der US-Botschaft in Berlin mit bis zu 1200 Demonstranten wurden nach Polizeiangaben am Freitagabend zwei israelische Fahnen verbrannt. Am Samstagabend teilte die Polizei im Kurzbotschaftendienst Twitter mit, die Demonstration sei „keinesfalls störungsfrei“ verlaufen. Es habe „zehn Freiheitsentziehungen und zwölf Strafanzeigen“ gegeben, unter anderem wegen des Verbrennens von Israel-Fahnen

Die israelische Armee teilte am Samstag mit, es habe an rund 20 Orten im Westjordanland und im Gazastreifen „gewaltsame Ausschreitungen“ gegeben. Am Samstag starben zwei Palästinenser bei israelischen Luftangriffen auf eine Stellung des bewaffneten Hamas-Arms im Gazastreifen. Die israelische Armee erklärte, die Luftangriffe seien die Vergeltung für Raketenangriffe auf Israel aus dem von der Hamas kontrollierten Gebiet.

Unterdessen forderte die Arabische Liga die USA zur Rücknahme ihrer Entscheidung auf. Die USA müssten die Entscheidung zurücknehmen, zugleich müsse die internationale Gemeinschaft einen Palästinenserstaat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt anerkennen, hieß es in einer am frühen Sonntagmorgen veröffentlichten Resolution der Liga, die nach einer Dringlichkeitssitzung in Kairo verabschiedet wurde.

Auch die UN berief eine Dringlichkeitssitzung ein und mehrere westliche Politiker zeigten sich empört über Trumps Entscheidung.

Eine Stimme aus Israel

Doch wie sehen die Menschen vor Ort die Situation?

Die Auslandsstudentin Cornelia de Ambrosia gibt einen Einblick. Auf der Webseite „Tapfer im Nirgendwo“ schreibt sie:

„Da ich schon eine Weile vor Ort die Situation verfolge und die deutschsprachige Berichterstattung leider wichtige Zusammenhänge unerwähnt lässt, sehe ich es als meine Pflicht, zumindest hier einen Teil der weniger erwähnten Realität preiszugeben.

Überall lese ich, Trump hätte durch die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels dem Friedensprozess ein Ende gesetzt. Angesichts der Reaktionen muss man sich allerdings fragen, ob unter diesen Umständen Frieden überhaupt möglich und gewollt ist.

Wie kann man Gewalttaten gegen Unschuldige in Israel dulden, gar in Schutz nehmen und als legitime Form des Protests sehen, aber sich dann wundern und ärgern, wenn Menschen auf die gleiche brutale Weise in Frankreich, Deutschland, England und anderswo ermordet werden?“

„Terror ist überall Terror“, schreibt Cornelia de Ambrosia weiter. Es scheine aber so, „als ob der Terror in Israel in den Augen vieler westlichen und arabischen Medien gerechtfertigt wäre. Vierundzwanzig Stunden sind vergangen, seitdem der amerikanische Präsident die Hauptstadt des Staates Israel anerkannt hat; Jerusalem, die Stadt in der ich zur Zeit ein Auslandssemester verbringe.“

Sämtliche internationale Staatsoberhäupter halten in der Knesset in Jerusalem ihre Reden. Bis 1981 war die US amerikanische Botschaft in Jerusalem.

Doch nun, wegen ein paar Worten, die einfach nur das bestätigen, was schon lange so ist, sind Leib und Leben in Gefahr. Denn auch wenn jüdische Israelis das bevorzugte Opfer sind, kann es jeden treffen, egal, ob Touristen, Israelis, Araber, Christen, Juden, Muslime, Beduine, Atheisten, Väter, Mütter oder Kinder,“ schreibt de Ambrosia.

Menschen, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort seien, könnten „einfach so“, auf offener Straße, erstochen, angefahren, gesteinigt oder erschossen werden.

Schon oft seien „israelisch-arabische Busfahrer, europäische Touristen und Andere“, die eigentlich nicht zur Zielgruppe der Terrorangriffe gehörten, ermordet worden. „Ein Terrorist fragt nicht, bevor er sticht.“

Gewalt sei kein entschuldbares Verhalten. „Nirgendwo“, so de Ambrosia. Doch die deutschen Medien würden suggerieren, dass Präsident Trump den Friedensprozess gefährde.

„Der amerikanische Präsident, der in seiner Rede das Recht der Muslime in Al Aqsa zu beten und die Zwei-Staaten-Lösung verteidigte, gefährdet den Friedensprozess? Nicht diejenigen, die hier, vor Ort, zu Terror-Taten gegen Unschuldige aufrufen und diese begehen? Weil die USA nun die Botschaft nach Jerusalem verlegt, werden sich die Angriffe in Israel häufen? Es scheint fast, als würde nach Gründen gesucht, um gewalttätig zu werden und Medienaufmerksamkeit zu wecken,“ so die Studentin.

Cornelia de Ambrosia schreibt weiter:

„Im Juli, nachdem zwei israelisch-drusische Polizisten ermordet wurden, wurden am Tempelberg an den Eingängen für Muslime Metalldetektoren positioniert, so wie es beim einzigen Eingang für Nicht-Muslime schon lange üblich ist. Doch der Großmufti von Jerusalem verlautbarte, die Metalldetektoren würden die Gebete ungültig machen und so beteten Hunderte Menschen Tagelang auf den Straßen, auch als es keinerlei Sperrungen oder Restriktionen gab. Vierundzwanzig Stunden lang war der Tempelberg daraufhin gesperrt, man fand einige Dutzende Messer, einige Schusswaffen und Schlagstöcke in Wänden, Bänken und Büchern versteckt. Übrigens ist es allen anderen Religion verboten, dort zu beten, was strengstens kontrolliert wird.

An diesem Beispiel sieht man, wie irrational und desinformierend gehandelt wird. Wir haben es hier nicht mit westlichen Standards zu tun, bei denen ein Mindestmaß an kritischem Denken und Wahrheit üblich sind, sondern mit einer Politik, die Ihre Bevölkerung arm, ignorant und desinformiert hält. Warum? Weil es funktioniert.“

Menschen werden protestieren, Journalisten werden berichten und Gelder werden fließen.

Regierungsvertreter in Gaza und in der West Bank würden sich bereichern und dabei „die Bevölkerung misshandeln“. Die West Bank und Gaza würden pro Kopf den mit Abstand höchsten Beitrag an humanitärer Hilfe erhalten. Auch die Dichte von Nichtregierungsorganisationen in der Region sei „beeindruckend“, so de Ambrosia. Doch das Geld komme nicht an. Es werde für Waffen und Raketen verwendet, „von den korrupten Regierungsmitgliedern einbehalten oder an die Familien der groß gefeierten Martyrer (Attentäter) ausgezahlt.“

Es schockiert mich, dass viele Medien diese Propagandamaschinerie unterstützen, denn bei ihren Berichten fließen mehr Spenden in die falschen Taschen. Vielleicht hat Europa das Bedürfnis, den einzigen jüdischen Staat zu dämonisieren, um die eigene Vergangenheit relativieren zu können. Anders kann ich mir die Obsession der vielen europäischen NGOs, Touristen, Journalisten und Spender nicht erklären,“ schreibt de Ambrosia.

Sie beklagt auch, dass kaum über die tagtäglichen Angriffe berichtet werde – „die Versuche, beim Laubhüttenfest die Hütten, in denen Menschen schlafen, anzuzünden, dass in vielen Gegenden Juden nur unter Lebensgefahr mit Sicherheitsschutz unterwegs sein können, dass die arabischen Christen fast alle die Gebiete in der Autonomiebehörde verlassen haben, Meinungsfreiheit in Gaza wegen der Hamas problematisch ist, Frauen in den Autonomiegebieten wesentlich benachteiligt sind und einige so sehr unter Druck stehen, dass sie Anschlagsversuche begehen, um einen Ausweg aus häuslicher Gewalt und familiärem Druck zu finden.“

„Ich bin keine Siedlerin. Ich bin keine Israelin“, so de Ambrosia. Doch auch sie könne, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort wäre, „von einem schweren Stein am Kopf erschlagen, in den Gassen der Altstadt, auf dem Weg zur Klagemauer, erstochen, in der Straßenbahn angegriffen, beim Warten auf den Bus überfahren oder von einem arabischen Mitarbeiter im Büro ermordet werden, der von Terrororganisationen erpresst wird. Solche grauenvollen Taten sind hier leider Teil des Alltags, auch wenn es nicht in den Medien berichtet wird.“

Es gebe ständig Aufrufe zur Gewalt. Es würden im Land ständig Brandsätze und Steine geworfen, Fallen für Autos vorbereitet, Messerattacken verübt, Bussprengungen und Angriffe auf Autoinsassen versucht.

Die Studentin berichtet auch von ihrer Mitbewohnerin. Diese hätte beinahe ihren Vater und ihre Schwester während jeweils der ersten und zweiten Intifada verloren. Viele der Freunde ihrer Mitbewohnerin seien bereits verletzt worden, ein halbes Dutzend sogar umgebracht. Die Angriffe seien nicht nur während der Intifadas und nach politischen Ereignissen passiert, sondern es gebe sie ständig.

In Israel kenne jeder jemanden, der in einem Terrorangriff verletzt oder getötet worden sei. „Das ist die Realität hier. Doch die meisten reden nicht darüber, sie wollen sich in ruhigeren Augenblicken nicht an diese schmerzhaften Erlebnisse erinnern, sondern sich auf die guten Dinge des Lebens konzentrieren,“ so Cornelia de Ambrosia.

Vielleicht sei dieses Land deswegen „so lebendig, so lebensfroh, so optimistisch und solidarisch“, schreibt sie. Die Menschen in Israel würden sich von diesem Grauen nicht aufhalten lassen. Stets versuchten sie, „das Gute zu finden und zu erschaffen, sich nicht auf den Tod zu fokussieren, sondern auf das Leben.“(so/afp)

Beitragsbild: MUSA AL SHAER/AFP/Getty Images

Quelle: http://www.epochtimes.de/politik/welt/stimme-aus-israel-trump-gefaehrdet-den-friedensprozess-nicht-jene-die-zu-terror-taten-gegen-unschuldige-aufrufen-a2291211.html