Studie: So würde der Weltuntergang verlaufen

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Wie würde sich die Menschheit im Angesicht des Weltunter- gangs verhalten? In Panik geraten und sich gegenseitig umbringen? Forscher haben einen virtuellen Weltuntergang mit dem Ende der Welt gleichgesetzt – und interessante Erkennt- nisse gewonnen.

Alle Jahre wieder warnen selbsternannte Experten vor einem drohenden Weltuntergang, einem Höllenfeuer, einer Apoka-lypse, der kein Lebewesen entrinnen kann. Aktuell wittert ein britischer Forscher, dass die Erde in höchster Gefahr sei. Seine Analysen hätten ergeben, dass ein Planet namens »Nibiru« im Oktober dieses Jahres die gesamte Erde auslöschen wird.

Eingetroffen ist bekanntermaßen noch keine der zahlreichen Weltuntergangsszenarien. Interessant bleibt aber die Frage, wie sich die Menschheit angesichts einer solchen Endzeit-Katastrophe verhalten würde.

Ein Team aus US-amerikanischen und koreanischen Wissen-schaftlern ging dieser Frage auf den Grund und führte mithilfe eines asiatischen Online-Rollenspiels eine Studie durch. Dafür spielten Millionen Nutzer gleichzeitig »ArcheAge«. In diesem Computerspiel können die Figuren ähnlich wie in dem bekann- ten »Sims«-Spiel Häuser bauen und Partys feiern oder sich bekriegen und töten. Ziel des Spiels ist, dass die Figuren Fort- schritte machen.

Wie verhalten sich die Spieler?

Für ihre Studie wiesen die Wissenschaftler die Spieler jedoch daraufhin, dass nach elf Wochen alle Fortschritte ihrer Figur gelöscht werden würden – dass das Spiel also wie das Leben nach dem Weltuntergang vorbei sein würde.

Ganz nach Martin Luthers Spruch: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen“ wollten die Forscher wissen: Wie verbringen die Spieler ihre Zeit, wenn sie wissen: Morgen ist nichts mehr da. Morgen ist alles vorbei.

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher insgesamt 270 Millionen anonymisierte Datensätze aus. Das Ergebnis: Das Verhalten der Spieler änderte sich – aber nicht so wie gedacht. Auch wenn es ein paar Ausreißer gab, nahm das antisoziale Verhalten in der Spielwelt trotz des bevorstehenden Endes der virtuellen Welt nicht zu, ganz im Gegenteil. „Sie haben mehr miteinander gesprochen und mehr zusammen unternommen“, sagte Jeremy Blackburn, einer der Forscher, im »New Scientist«. Schon bestehende soziale Bande wurden gestärkt, neue Beziehungen geknüpft.

Als negative Entwicklung beurteilten die Forscher, dass die Spieler aufhörten, sich Gedanken um die Zukunft zu machen. So hätten sie zum Ende deutlich weniger untereinander kommu-niziert. Laut des Wissenschaftlers Dimitri Williams von der University of Southern California ist das aber kein Wunder. „Es ist ein großer Unterschied, ob du einen Apfelbaum pflanzt, wenn du stirbst, aber weißt, dass deine Kinder noch Freude daran haben. Oder wenn du einen Apfelbaum pflanzt, obwohl du ganz genau weißt, dass er niemandem mehr nutzen wird“, zitiert ihn der New Scientist.

Unterschiede zwischen einem virtuellen Weltuntergang und dem echten Ende der Welt gibt es zweifellos. Dennoch schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen, dass ein bevorstehendes und angekündigtes Ende der Welt zur Stärkung existierender und zum Aufbau neuer sozialer Beziehungen führen wird.

Quelle: n-tv, Foto: Dmytro Ivashchenko/Wikimedia  https://terra-mystica.jimdo.com/erde-mensch-natur/studie-so-w%C3%BCrde-der-weltuntergang-verlaufen/