Unkrautvernichter in Muttermilch gefunden

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In Deutschland haben Wissenschaftler in Proben von Muttermilch und Urin Rückstände des Pflanzenschutzmittels Glyphosat nachgewiesen. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Grünen, die NDR Info vorliegt. Insgesamt wurden demnach in den vergangenen Tagen 16 Proben von stillenden Frauen untersucht – unter anderem aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Weit höhere Konzentration als zulässig

In allen Muttermilch-Proben lag die Konzentration vonError, group does not exist! Check your syntax! (ID: 3) Glyphosat über dem für Trinkwasser zulässigen Höchstwert. Dieser liegt bei 0,1 Nanogramm pro Milliliter. In den Stichproben wurden Glyphosat-Mengen zwischen 0,210 und 0,432 Nanogramm pro Milliliter Milch festgestellt. Die Frauen waren zuvor nicht direkt mit dem Pflanzenschutzmittel in Kontakt gekommen.

Übers Essen in die Muttermilch?

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte

Pflanzenschutzmittel. Die Rückstände könnten daher über die Nahrung in den menschlichen Organismus gelangt sein. Umstritten ist, ob Glyphosat die Gesundheit schädigt. Die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO stufte den Wirkstoff im März dieses Jahres als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Die Toxikologin Irene Witte von der Uni Oldenburg hält die aktuellen Studienergebnisse für „untragbar“. Deswegen müsse die Untersuchung dringend ausgeweitet werden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte in einem Bericht von Dezember 2013 keine Gefahren für die Gesundheit von Mensch und Tier gesehen.

Bauernverband: „Das ist Panikmache“

Die Grünen forderten Konsequenzen. „Die Bundesregierung muss Glyphosat aus dem Verkehr ziehen, bis die Frage der krebsauslösenden Wirkung geklärt ist“, sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn. Der Grünen-Obmann im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, Harald Ebner, sagte: „Jetzt muss wirklich Schluss sein mit der Glyphosat-Verharmlosung.“ Die Regierung müsse die Belastung „dringend untersuchen und entsprechende Schutzmaßnahmen für Schwangere, Stillende und Säuglinge auf den Weg bringen“.

Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommerns warf den Grünen Fahrlässigkeit und Panikmache vor. Bauernpräsident Rainer Tietböhl sagte am Freitag: „Diese Untersuchung ist nicht repräsentativ und damit auch nicht wissenschaftlich relevant.“ Er forderte eine faire und wissensbasierte Diskussion.

Kein Glyphosat-Einsatz kurz vor der Ernte

Umwelt und Gesundheit dürften nicht gefährdet werden, um „billige Lebensmittel“ zu produzieren, so Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Der ökologische Landbau beweise seit Jahren, dass eine Nahrungsmittelproduktion auch ohne den Einsatz von Pestiziden möglich sei. Den Einsatz von Glyphosat will Meyer weiter einschränken. So müsse der als besonders schädlich geltende Einsatz des Mittels kurz vor der Ernte etwa von Getreide unterbunden werden. Ein Verbot will Meyer auch in der Nähe von Gewässern erwirken. Die Verbraucherzentrale geht noch einen Schritt weiter und plädiert für ein sofortiges vollständiges Glyphosat-Verbot in der Landwirtschaft. Auch aus privaten Gärten und öffentlichen Grünflächen müsse das Unkrautvernichtungsmittel verschwinden, Baumärkte dürften es nicht mehr verkaufen, so die Forderung.

Noch in diesem Jahr läuft die aktuelle Zulassung für Glyphosat aus – die EU muss über eine Verlängerung um zehn Jahre entscheiden. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat den Wirkstoff als nicht krebserzeugend bewertet. Meyer bezeichnete es als „dreistes Vorgehen“, dass die Bundesregierung nach der WHO-Bewertung keine neue Einschätzung für Glyphosat vornimmt.

Literatur:

Entgiften statt vergiften von Uwe Karstädt

Sepp Holzers Permakultur: Praktische Anwendung für Garten, Obst- und LandwirtschaftvonSepp Holzer

Lass dich nicht vergiften!: Warum uns Schadstoffe chronisch krank machen und wie wir ihnen entkommen von Joachim Mutter

Quelle: ndr.de vom 26.06.2015