US-Geheimdienste räumen einen ihrer größten Fehler ein

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© AP Photo/ Ahn Young-joon

Vertreter von US-Geheimdiensten haben eingeräumt, dass sie Nordkoreas Möglichkeiten bei der Entwicklung seines Atomprogramms stark unterschätzt haben. Das ist laut der Zeitung „The New York Times“ (NYT) einer der größten Fehler der US-amerikanischen Aufklärung.

Kurz nach Donald Trumps Amtsantritt im Januar 2017 hatten die US-Geheimdienste laut NYT der neuen Administration versichert, dass es noch reichlich Zeit – bis zu vier Jahre – gebe, um Pjöngjang am Bau einer ballistischen Rakete zu hindern, die eine amerikanische Stadt treffen könnte.

Doch innerhalb weniger Monate wurden die US-Geheimdienste demnach eines Besseren belehrt. Im Mai habe Pjöngjang eine Mittelstrecken-Rakete erfolgreich getestet, welche die US-amerikanische Pazifikinsel Guam erreichen könne. Etwas später im Juli habe das Land die Welt in Staunen versetzt, als es eine Interkontinental-Rakete gestartet habe – auch diesmal mit Erfolg. Im November 2017 habe Nordkorea dann eine verbesserte Version der Interkontinental-Rakete, die Hwasong-15, getestet, mit einer Reichweite von etwa 8100 Meilen (etwa 13.000 Kilometer) – weit genug, um das ganze US-Territorium zu gefährden. Darüber hinaus habe Nordkorea im September eine Wasserstoffbombe getestet, deren Explosionskraft 15 Mal größer als die der Hiroshima-Bombe gewesen sei.

Nun sollen einige ehemalige und jetzige Geheimdienst-Vertreter in den jüngsten Gesprächen mit der Zeitung eingeräumt haben, dass sie den Ernst der Lage tatsächlich verkannt hätten. Das Blatt führt das auf ihre falschen Überzeugungen zurück: Die Behörden seien davon ausgegangen, dass Nordkorea etwa genauso viel Zeit für den Raketenbau brauchen würde, wie es bei anderen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges der Fall gewesen sei. Sie hätten Nordkoreas Zugang zu fortgeschrittener Computermodellierung und ausländischer Erfahrung nicht berücksichtigt. Auch Staatschef Kim Jong-un sei unterschätzt worden, der das Waffenprogramm in den Vordergrund stelle, und zwar mehr, als sein Vater oder Großvater das jemals getan hätten.

Laut Trumps Sicherheitsberater Herbert McMaster war der US-Präsident über die Fehleinschätzung der nordkoreanischen Möglichkeiten nicht sonderlich besorgt. „Er erwartet keine perfekte Aufklärung über etwas. Er kann mit Unklarheit umgehen“, zitiert NYT den General.

Der jetzige US-Präsident sei mit dem selben Problem wie seine Vorgänger konfrontiert. Ihm bleibe für eine Lösung jedoch wesentlich weniger Zeit, so das Blatt.

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