VIDEO: Erdrutsch ohne Erde – Wie bei „Anne Will“ die Bayernwahl (v)erklärt wird

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© AP Photo / Herbert Knosowski

Nach der Landtagswahl in Bayern überschlagen sich die Interpretationen. Die ausgiebige Befassung mit den großen Verlusten von SPD und CSU sowie den großen Gewinnen von AfD und Grünen verdeckt, dass sich im Kern nicht wirklich etwas verändert hat. Das zeigte auch die ARD-Sendung „Anne Will“, die sich Andreas Peter angesehen hat.

Wenn der ARD daran gelegen ist, auch noch den letzten Rest von Zuschauerinteresse an Sendeformaten wie „Anne Will“ abzutöten, dann sollten sie noch mehr Gäste aufs Podium laden. Allerdings war das übliche Durcheinander in der Runde günstig, um den Zuschauern den Blick dafür zu verkleistern, dass sich zwar respektable Wählerwanderungen vollzogen haben, die dem einen nicht nur weh tun, sondern ihn in seiner Existenz bedrohen, während sie andere zu temporären Größenwahn verleiten. Aber an den grundlegenden Machtverhältnissen in Bayern und selbst denen im Bund hat sich nicht wirklich etwas verändert, auch wenn dies immer wieder beschworen wurde und wird.

Erfolgreicher Königsmacher Freie Wähler fehlten in der Runde

Das merkte man der Sendung auch an, in der wie immer alle über alle lästerten, sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen ergingen oder Wahlergebnisse zu historischen Siegen erklärten, die aber nicht historisch genug waren, um einen Machtwechsel zu bewirken. Bezeichnenderweise spielte der eigentliche Wahlsieger praktisch keine Rolle. Warum kein Vertreter der Freien Wähler im Studio war oder wenigstens aus einem Studio in Bayern zugeschaltet wurde, erklärte Anne Will nicht einmal. Obwohl doch das gute Abschneiden der Freien Wähler mindestens genauso vorhersehbar war wie das der AfD.

Die Zahlen mögen peinlich, demütigend und auch desaströs für die CSU und SPD sein. Aber erstens kann die CSU weiter in Bayern regieren, mit nur einem Koalitionspartner. Sie hat im Prinzip sogar ihr letztes Bundestagswahlergebnis verteidigt, bleibt bundespolitisch also weiterhin eine Größe. Und zweitens hat die SPD in Bayern noch nie eine Rolle gespielt, vor allem aber ist die SPD nicht wegen Bayern oder der Großen Koalition nur noch ein Schatten ihrer selbst, sondern, weil sie eben nicht mehr als sozialdemokratisch angesehen wird.

Grünen werden für das Erbe von Rot-Grün nicht verantwortlich gemacht

Die Grünen wiederum bilden sich ein, auf einem Höhenflug zu sein, wie das nassforsche Auftreten von Parteichefin Annalena Baerbock einmal mehr zeigte, die es nicht versteht, wie ihr Amtskollege, Robert Harbeck, rechtzeitig einen Gang zurückzuschalten. Die Grünen profitieren von einer eigenartigen Amnesie von Wählern und Medien. Denn die zweifelhaften Segnungen von Hartz4 sind ja nicht von der SPD alleine beschlossen worden, für die sie bis heute bei Wahlen abgestraft wird. Die Grünen tun heute so, als hätten sie den Kampf für soziale Gerechtigkeit in diesem Land als Patent angemeldet und werden dabei aber auch nicht gestört.

Welchem tieferen Zweck diese Sendung gedient haben soll, bleibt ein Rätsel. Zumal Anne Will mit einer interessanten Bemerkung aufwartete, als sich der AfD-Politiker, Jörg Meuthen, leider zu Recht über die Gesprächsführung beschwerte und sie entgegnete:

„Ich erteile gelegentlich das Wort auch zu, ich verfolge auch immer sehr gespannt, dann habe ich im Grunde genommen meinen Job gemacht, eine Debatte, die aus sich selbst heraus funktioniert.“

Mit Verlaub, liebe Frau Will und liebe ARD, für eine Debatte, die aus sich selbst heraus funktioniert, brauche ich den Aufwand einer Fernsehsendung nicht, da genügt eine Eckkneipe.

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