Auf einer Pressekonferenz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) am Donnerstag in Den Haag haben die Bewohner der syrischen Stadt Duma, wo angeblich ein C-Waffen-Einsatz verübt wurde, sowie Ärzte Beweise dafür geliefert, das die Attacke eine Inszenierung war.
Vor OPCW-Experten traten insgesamt 17 Menschen auf, darunter auch der elfjährige syrische Junge Hassan Diab, der in einem Video von den „Weißhelmen“ als eines der „Opfer des Chemiewaffenangriffs“ in Duma vorgestellt worden war.
„Das war eine Lüge“
Zuerst sprach der Vater des Jungen vor Journalisten. Ihm zufolge haben Unbekannte in der Stadt Panik ausgelöst, woraufhin sie versuchten, Menschen im Krankenhaus zu versammeln.
„Sie haben meine Kinder weggenommen, auf eine Notfallstation gebracht und sie mit Wasser begossen. Sie haben uns zuerst nichts erklärt. Nur später haben wir davon erfahren, dass dies eine Lüge war. Wir haben keine Anzeichen für eine Vergiftung gesehen. Die ganze Familie hat sich gut gefühlt“, betonte der Mann.
Auch Hassan Diab selbst teilte seine Eindrücke: „Ich weiß nicht, warum ich zuerst mit Wasser begossen und dann an einen anderen Ort gebracht wurde.“
Kommentare von Ärzten
Neben der Diab-Familie saßen Ärzte des Krankenhauses der Stadt Duma, darunter auch Ahmad Hashua, der als Rezeptionist tätig und für Logistik zuständig ist.
„Gegen 19.00 Uhr (Ortszeit) habe ich am Eingang zur Notfallstation gestanden. Das Gebäude hat ein Mann mit einem Kind betreten und von C-Waffen geschrien. Als er zu schreien anfing, ist es zu einem Chaos gekommen. Die Leute sind in Panik verfallen. Ehrlich gesagt haben die Leute Probleme beim Atmen gehabt. Solche Leute wurden aber auch tagsüber ins Krankenhaus gebracht. Wir haben gesehen, dass des Geschrei von C-Waffen dafür nötig war, um Panik auszulösen“, erläuterte er.
Indes erklärte sein Kollege, warum denn die Patienten an diesem Tag Probleme beim Amten gehabt hätten.
„An jenem Tag war ich auf der Notfallstation tätig und habe für Patienten und Betroffene gesorgt. Rund 15 Menschen wurden mit Atembeschwerden gebracht. Sie haben Staub und Rauch eingeatmet. Es hat keine weiteren Anzeichen gegeben. Dies ist nach einer Bombardierung der nahe liegenden Gebäude erfolgt“, erklärte er.
Noch am selben Tag soll ein Teil der Betroffenen nach entsprechender Behandlung das Krankenhaus verlassen haben. Es habe keinen einzigen Todesfall gegeben, sagte Hassan Ayun, ein anderer Arzt.
Trotz der angeführten und mit Videos und Fotos belegten Fakten sollen einige westliche Journalisten die Syrer gefragt haben, wie viel Geld diesen für den Besuch in Den Haag „versprochen wurde“. Die Syrer sollen darauf geantwortet haben, sie seien gekommen, um die Wahrheit zu sagen.
An dem Pressegespräch nahmen laut dem ständigen Vertreter Russlands bei der OPCW, Sergej Schulgin, Dutzende Delegationen der Mitgliedsländer des Exekutivkomitees der Organisation teil.
„Ich sage es offen, westliche Partner als solche – weder Franzosen noch Amerikaner und Briten – sind beim Pressegespräch nicht vertreten gewesen. Außerdem haben sie alles Mögliche getan, um anderen ihren Verbündeten die Teilnahme an diesem Briefing auszureden“, sagte er.
Oppositionelle syrische Internetportale hatten zuvor über einen Chlorgas-Einsatz mit Dutzenden Toten in der damals noch von Rebellen kontrollierten Ortschaft Duma östlich von Damaskus berichtet, aber keine Beweise vorgelegt.
Ihre Informationen wurden schnell von westlichen Medien und Spitzenpolitikern aufgegriffen, die die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für die angebliche Attacke verantwortlich machten. Damaskus weist diese Anschuldigungen entschieden zurück.
Dabei hatte der Generalstab der russischen Streitkräfte noch am 13. März von einer durch die militanten Kämpfer in Ost-Ghuta vorbereiteten Provokation mit der Inszenierung eines C-Waffen-Einsatzes berichtet.



