Bei den Bildern zu der Demonstration am Montag in Chemnitz dominieren die Ausschreitungen von Rechtsextremen. Ist das geschilderte Bild korrekt und darf man sich als Bürger an solchen Demonstrationen beteiligen? Nachgefragt bei dem Dresdner Politologen Werner Patzelt.
In den Massenmedien sei im Grunde nur davon die Rede gewesen, dass ein rechtsextremistischer Mob in Chemnitz auf den Straßen wüte und jeden jage, der nach Ausländer aussehe, so der Politikwissenschaftler Patzelt. Er schildert das von ihm wahrgenommen Bild von Chemnitz im Sputnik-Interview folgendermaßen:
„Nach dem, was man sieht und hört, sind es überwiegend Chemnitzer gewesen, zu denen aber viele gestoßen sind, die auch über rechte und rechtsradikale Netzwerke mobilisiert, aus umliegenden Städten und sogar aus anderen Bundesländern, wie Bayern, gekommen sind. So hat sich wohl eine erkleckliche Anzahl von Rechtsradikalen unter die demonstrierenden Chemnitzer gemischt und das Gesamtbild so heftig mitbestimmt.“
Um einen umfangreicheren Überblick zu den Geschehnissen zu bekommen, hat der Professor an der Technischen Universität Dresden Patzelt einen Aufruf auf seiner Facebook-Seite gestartet:
„Ich bin noch nicht dazu gekommen alle diese Videoclips, die mir zugeschickt worden sind, zu sichten, aber nach einer oberflächlichen Wahrnehmung scheint mir schon, dass die Medien ein wenig übertrieben haben und wir im Grunde das gleiche Muster einer nicht vollständig durch die Tatsachen gedeckten Berichterstattung haben, das in Dresden bei den Pegida-Demonstrationen so ganz unübersehbar war und inzwischen von den Medien ja auch eingestanden wurde.“
Vor allem Vertreter der Chemnitzer Mittelschicht sehen sich nun mit dem Vorwurf in den Medien konfrontiert, gewaltbereite Nazis und Hooligans durch ihre Anwesenheit auf der Demo zu legitimieren. Zu dieser These stellt Patzelt eine Anschlussfrage:
„Sollen Demonstranten, sobald Rechtsradikale auftauchen, kehrt machen und wieder nach Hause gehen? Oder soll man die Straße eben nicht den Rechtsradikalen alleine überlassen, sondern eben demonstrieren, dass andere Leute, die keine Rechtsradikalen sind auch dabei sind? Mir will scheinen, dass es einer starken Zivilgesellschaft nicht angemessen ist einfach wegzulaufen, wenn irgendwo Rechtsradikale auftauchen.“



