„Nicht Angst sollte das politische Geschäft bestimmen“, meint Christian Wolff (69). Die Süddeutsche Zeitung, das Fachblatt für den politisch-korrekten Visionär, druckte ein Interview mit dem ehemaligen Leipziger Pfarrer ab. Der Mann ist SPD-Mitglied und Mit-Initiator von „Aufruf 2019“, einem Bündnis, das sich angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen gegen AfD und PEGIDA stellen soll.
Schon die Vorstellung Christian Wolffs durch die SZ ist wieder ein Klassiker. „In Sachsen wird am 1. September ein neuer Landtag gewählt. Während sich Politiker und Kommentatoren auf die Rolle der Alternative für Deutschland (AfD) konzentrieren, hofft der ehemalige Leipziger Pfarrer Christian Wolff auf eine neue Demokratiebewegung. Der 69-Jährige ist einer der Mitbegründer von „Aufruf 2019„. Zur ersten Demonstration am Montag werden 2000 Menschen erwartet.“
Was glaubt man bei der Süddeutschen eigentlich, was für eine Bewegung die AfD dazu bewegt hat, sich als Wahlalternative 2013 zu gründen? Die demokratische Stillstandsbewegung vielleicht? Die AfD ist bereits die Demokratiebewegung in einer verkrusteten, erstarrten „Demokratie“. Seit es die AfD gibt, ist die Demokratie wenigstens zum Teil wieder in Bewegung. Vorher war sie an betäubenden Merkellähmung erkrankt.
SZ: Seit dem Aufkommen von Pegida wird in Sachsen mehr über Demokratie und politische Teilhabe gestritten. Muss man der Bewegung, die mittlerweile ins rechtsradikale Milieu abgedriftet ist, dankbar sein?
Christian Wolff: Nein. Aber ich halte es mit dem Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer und glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
So ist es recht. Da bin ich ebenfalls ganz bei Bonhoeffer. Und weil das so ist, ließ Gott aus dem Bösesten heraus die gute AfD entstehen. Bernd Lucke war sein Gesandter, und seither hat sich die AfD gottgefällig weiterentwickelt, so wie Adam zu Donald Trump. Es wird mir doch wohl nicht ausgerechnet ein SPD-Pfarrer weismachen wollen, daß nicht aller Verlauf der Zeit einer des sozialgöttlichen Fortschritts ist!?
SZ: Sie sind einer der Initiatoren des Bündnisses „Aufruf 2019„. Was wollen sie damit erreichen?
Christian Wolff: Die Ostdeutschen haben sich in den vergangenen 30 Jahren viel zu selten an der Gestaltung des gesellschaftspolitischen Lebens beteiligt. Wir brauchen jetzt eine klare Positionierung für die Demokratie angesichts dessen, dass nationalistische Gruppierungen wie Pegida oder die AfD demokratische Grundwerte unserer Verfassung in Frage stellen. Es ist ein klares Bekenntnis zu kultureller Vielfalt, Pressefreiheit und unabhängiger Justiz – alles Dinge, die Rechtsnationalisten infrage stellen und abschaffen wollen.
Eh kloar. Die „Ossis“ wieder. Die einzigen Deutschen der letzten vierzig Jahre, die sich überaus aktiv an der Gestaltung des gesellschaftspolitischen Lebens beteiligt haben, wahre Mauerstürmer, wären also seit dreißig Jahren zu faul, den „Wessis“ nachzueifern, die im Gegensatz zu den „Ossis“ seit dreißig Jahren nichts anderes tun, als sich den lieben langen Tag an der Gestaltung des gesellschaftspolitischen Lebens zu beteiligen. Das achte Gebot, Herr SPD-Pfarrer: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Wo hätte der Herr Pfarrer eine deutsche Verfassung ausgemacht? Und wenn man schon mit viel Augenzudrückerei das deutsche Grundgesetz eine Verfassung nennen will: Wer genau hat die demokratischen Grundwerte in Frage gestellt? Die AfD? Oder doch eher Merkel, Maas und Konsorten?
Und was genau soll ein Rechtsnationalist sein? War wohl der Kommunist Thälmann einer, der von den Braunsozialisten ermordet worden ist? Thälmann-Zitat: „Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk; und meine Nation, die ich mit großem Stolz verehre, ist die deutsche Nation.“ – Was für ein gräßlicher Rechtsnationalist aber auch, dieser Thälmann. Scheint gut gewesen zu sein, der „Aufbruch 1944“ damals, oder, Herr Pfarrer?
Keiner derjenigen, die Sie als „Rechtsnationalisten“ bezeichnen, will die kulturelle Vielfalt abschaffen. Schließlich gibt es allein schon in Deutschland von den Friesen bis zu den Allgäuern recht viel Vielfalt. Und wenn man die anderen Europäer erst noch dazu nimmt, dann wird das sogar ganz ohne die Vielfalt der restlichen Welt schon extrem vielfältig. Gegen den vielfältigen Rest hat der Rechtsnationalist ebenfalls nichts, solange er der restlichen Welt erhalten bleibt. Schließlich reist der deutsche Rechtsnationalist gern, um sich alle die vielfältigen Kulturen anzuschauen, die er bei sich zuhause keinesfalls haben will. Kannibalen aus Papua Neuguinea sind in Papua Neuguinea viel interessanter als am Kölner Hauptbahnhof. Vielfältige Negerstämme sind auch die Zierde des wunderschönen Afrika. Wenn sie hier sind, fehlen sie dort – und ganz Afrika wird einfältig. Oder die vielfältigen Glaubensrichtungen im Islam erst mitsamt seiner vielfältigen Hochkultur. Wie kämen wir dazu, der arabischen Welt ihre schöne Vielfalt abspenstig zu machen? Kann es wahr sein, daß ein SPD-Pfarrer so egoistisch denkt, daß er gleich die ganze Vielfalt der Welt in seinem eigenen Land haben möchte, ohne jede Rücksicht darauf, wovon die armen Reiseveranstalter leben sollen? Die ganze kulturelle Vielfalt der Welt im eigenen Land ist der Tod sämtlicher Bildungsreisen. Mal darüber nachgedacht?
Und was die Pressefreiheit angeht: Nicht, daß wir nicht theoretisch eine hätten, das schon. Aber was machen die Presstituierten daraus? Das ist doch die Frage! Rechtsnationalisten plädieren nicht für die Abschaffung der Pressefreiheit, sondern für ihre Wiederbelebung. Damit endlich keine Kommentare mehr gelöscht oder Kommentierungsmöglichkeiten gleich ganz unterbunden werden müssen, weil die Pressefreiheitlichen von der Regierung dazu verdonnert wurden, die Verantwortung für das zu übernehmen, was ihre Leser zur freiheitlichen Presse schreiben wollen. Das ist nämlich ganz extrem presse- und meinungsunfreiheitlich, Herr Pfarrer – et voilá: Der liebe Gott hat bonhoeffermässig die AfD geschickt, damit sie den unfreiheitlichen Saustall wieder in Ordnung bringt, den die Gottlosen von der SPD angerichtet haben. Wie gut, daß ich das Interview in der SZ gelesen habe und korrigierend eingreifen kann. Der Irrtum wäre sonst Ihr Begleiter geblieben Ihr Leben lang. Höre ich vielleicht schon ein „Vergelt´s Gott, guter Mann?“
SZ: Mittlerweile haben 800 Menschen ihren Aufruf 2019 online unterschrieben, für die Demonstration am Montag erwarten Sie 2000 Menschen. Allein Leipzig hat aber mehr als 500 000 Einwohner. Enttäuscht?
Christian Wolff: Ohne konkreten Anlass Menschen zusammenzurufen und eine Demo zu organisieren, ist gar nicht so einfach. Zu unserem ersten Treffen im Oktober vergangenes Jahr kamen 200 Menschen und zu einem weiteren mitten in der Adventszeit immerhin 100 Menschen. Das ist beachtlich. Wir sind ein breites bürgerschaftliches Bündnis aus Gewerkschaftern, Schülern, einfachen Bürgern – auch CDU-Mitglieder sind dabei. Jetzt können wir darüber diskutieren, was der Einzelne vermag. Ich meine: sehr viel. Früher habe ich den Konfirmanden gesagt: Grundsätzlich ist jeder genauso mächtig wie eine Angela Merkel.
Jetzt aber vorsichtig, SZ & Wolff: Wenn ihr nicht aufpasst, dann bringt ihr in vier Zeilen mehr „die Menschen“ unter, als ganz Deutschland Einwohner hat. Mir war vorher klar, daß sich ein „Aufruf 2019“ nicht mit Regenwürmern machen läßt. Und natürlich seid ihr wieder ein „breites“ Bündnis, um nicht zu sagen „völlig breit“. Ob jeder „grundsätzlich“ so mächtig ist wie die Heimsuchung im Kanzleramt, ist realiter so interessant wie der Sack Reis, der in China umfällt. Nicht, ob jemand „grundsätzlich“ mächtig ist, hat Relevanz, sondern relevant ist, wie mächtig er tatsächlich ist. Und da gibt es ein enormes Gefälle zwischen der Heimsuchung und den Heimgesuchten.
SZ: Sie beziehen sich mit dem Bündnis auch auf die friedliche Revolution, die 2019 30-jähriges Jubiläum feiert. Wollen Sie damit dem Missbrauch durch Rechtspopulisten vorbeugen?
Christian Wolff: Der Missbrauch ist schon im vollen Gange, wenn voller Hass „Wir sind das Volk“ gebrüllt wird oder Pegida mit der Bewegung von 1989 verglichen wird. Wir wollen daran erinnern, wofür die friedliche Revolution stand. „Für ein offenes Land mit freien Menschen“, so lautete damals die Aufschrift auf einem Plakat. Das hat doch nichts mit den Hass-Rednern von heute zu tun, die am liebsten eine Mauer um Deutschland bauen wollen.
Ja, es ist scheußlich. Ich habe selbst schon erlebt, wie jemand „voller Hass“ gebrüllt hat, daß er kleine Kätzchen süß findet. Und wissen Sie, was die friedlichen Revolutionäre damals mit „offenes Land“ und „freie Menschen“ gemeint haben? Ich erkläre es Ihnen kurz. „Offenes Land“ hieß, daß sie gerne raus wollten aus der DDR, anstatt eingesperrt zu sein. Sie wollten die ganze Vielfalt der Welt als „freie Menschen“ auf Reisen erkunden können. Was sie nicht wollten, das war ein offenes Land, in das alle Welt hereinströmt, um hier zu bleiben. Die 1989er Bewegung richtete sich prinzipiell gegen dasselbe, wogegen sich auch AfD und PEGIDA heute stellen: Gegen eine Regierung, welche das Volk ideologisch knechtet und sein völkerrechtlich garantiertes Selbstbestimmungsrecht malträtiert. AfD und PEGIDA haben nicht nichts, sondern im Gegenteil sehr viel mit der 1989er Bewegung zu tun. Und es sind erneut die Ostdeutschen, die heute als demokratische Vorreiter agieren. Vielleicht reitet ihnen Westdeutschland endlich mal hinterher.
Ehrlich, diese Linkspresse heutzutage und die breiten Vögel, die sie interviewt, – das wird alles von Tag zu Tag immer dämlicher. Da kommen Leute zu Wort, die bei „offen“ vor lauter Glückseligkeit derartig den Verstand verlieren, daß sie einfach nicht mehr zwischen „rein“ und „raus“ unterscheiden – und ihren Seich auch noch für überlegenswert halten. Da macht meinereiner nicht mit.
@jouwatch
Quelle!: #zaronews



