Berlin – Beim Palästinensertag auf dem Neuköllner Hermannplatz kam es am Sonnabend vor einer Woche zu einem Angriff auf einen Israeli. Der junge Musiker geriet in die Anti-Israel Demo und war da nicht so ganz einer Meinung mit den Protestlern. Schon beim ersten Wort das er äußerte, habe sich eine Gruppe von mehreren hasserfüllten Männer auf ihn gestürzt und auf ihn eingeprügelt. Er habe total unter Schock gestanden, so der junge Klarinettist aus Israel.
„Ich bin über den Hermannplatz gegangen und sah, dass dort eine Demonstration gegen Israel stattfand. Ich bin Bürger des Staates Israel. Die Attacke begann augenblicklich, als ich anfing mein Land mit nur einem einzigen Wort zu verteidigen. Ich wurde auch auf den Kopf geschlagen und habe heute noch Schmerzen. Ich stand total unter Schock“, erzählt der Musiker Daniel Garfunkel in der Jerusalem Post. Der 27-jährige erhebt schwere Vorwürfe gegen die Berliner Polizei.
„Die Polizei behandelte den Vorfall mit großer Gleichgültigkeit und verhaftete die Angreifer nicht sofort“, so Gurfinkel. „Wie man im Video sehen kann, hat die Polizei mich nicht sofort beschützt und es dauerte mehr als fünf Minuten, bis ich die Situation beendet war. Ich lebe seit vier Jahren in Berlin und hätte nicht gedacht, dass mir das passieren würde. In jedem Fall werde ich mein Land weiterhin unterstützen. Die Polizei muss in solchen Situationen wachsamer sein“, fordert der Daniel, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder Alexander an der Hanns Eisler Hochschule Musik studiert.
Die Polizei sieht die Lage laut der Berliner Morgenpost offenbar anders: Laut Anzeigen sei es zu „wechselseitigen Körperverletzungen“ gekommen. Der 26-jährige Israeli sei „deutlich alkoholisiert“ gewesen. Ein freiwilliger Test habe einen Wert von 1,25 Promille ergeben, berichtet das Blatt. Insgesamt habe die Polizei fünf Anzeigen wegen Körperverletzung, versuchter Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen. Die Ermittlungen liefen, der Staatsschutz sei eingeschaltet.
Amerika an Berlin: „Kanzlerin Merkel – ist das jetzt normal?“
Der Vorfall hat weite Kreise gezogen. Abraham Cooper, US-amerikanischer Rabbiner und stellvertretender Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Los Angeles habe sich mit einer e-mail an die Jerusalem Post gewandt:“Ein israelischer Musiker wird in Berlin von Palästinensern verprügelt und die Polizei reagiert gleichgültig. Kanzlerin Merkel, Bürgermeister Müller – ist das normal für Juden in Deutschland?“, fragt der 69-Jährige fassungslos in Richtung Politik.
Auf der Veranstaltung bedrohen Israel-Feinde offenbar auch einen Kameramann. Auf einem YouTube Video ist zu sehen, wie ein Mann immer wieder die Hand vor die Linse hält und behauptet“Du darfst nicht fotografieren“. Der Journalist läßt sich nicht beeindrucken, er dürfe das, er habe einen Presseausweis, erwidert er. Im Hintergrund hört man einen Mann rufen „Israel, Israel“, offenbar handelt es sich um Daniel Garfunkel und den Moment, in dem er angegriffen wird. „Nieder mit Israel“ schreit eine Frau. Der Mann habe wohl zu viel getrunken, so ein Sprecher auf der Bühne: „Ich bitte darum, dass diese Person entfernt wird“, so seine Forderung.
Bereits seit Jahren findet anläßlich des sogenannten Nakba-Tages Palästinenserdemonstrationen statt, die für ihre antisemitischen Entgleisungen bekannt sind. Trotzdem konnte auch in diesem Jahr erneut eine Privatperson die Veranstaltung unter dem Motto „Folklore-Tag“ anmelden. Gerne immer wieder mit dabei – das Bündnis Boykott Divestment and Sanctions (BDS) und die Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD).
Auf einem BDS-Plakat sei u.a. gegen den Eurovision Songcontest Stimmung gemacht worden, der vom 14. bis 18.Mai in Tel Aviv stattfinden wird. Auf einem weiteren Plakat sei zum Boykott des Sportartikel-Herstellers Puma aufgerufen worden, weil der Sponsor des israelischen Fußballverbandes ist.
„Beobachter dokumentierten bei Veranstaltung aus den Vorjahren auch Forderungen wie „Palestine from the river to the sea“ („Freies Palästina vom Fluss bis zum Meer“), also die Schaffung eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967. In diesem Jahr werden Flugblätter verteilt, auf denen der Grünen-Politiker Volker Beck „jüdischer Torquemada“, der Publizist Henryk M. Broder als „Hofjude“ und der Journalist Benjamin Weinthal als „zionistischer Kampagnenjournalist“ bezeichnet werden“, berichtet die Berliner Morgenpost. (MS)
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