StartZARONEWS PresseAgenturWarnen, Fordern, Zeichensetzen: Spahn und Günther fordern „europäischen Islam“

Warnen, Fordern, Zeichensetzen: Spahn und Günther fordern „europäischen Islam“

Ein moderner Islam müsse die Werte Europas teilen, schreiben Jens Spahn und Daniel Günther in einem gemeinsamen Gastbeitrag für die Rheinische Post. Sie wollten damit eine Debatte anfachen, vermeldet die ZEIT. Die grundsätzliche Medienkritik. 

Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (beide CDU) haben sich für die Entwicklung eines europäischen Islams ausgesprochen. „Statt Symbole einer reaktionär-frauenfeindlichen Strömung des Islams zu tolerieren, müssen wir die Entwicklung eines europäischen Islams fördern, der unsere Werte teilt. Denn vor Ort und im Alltag entscheidet sich, ob wir unsere freie europäische Lebensart bewahren“, schreiben die beiden Konservativen in einem Gastbeitrag für die Rheinische Post.

Die „Forderung“ der beiden Politiker ist so überflüssig wie die Tatsache, daß sie einen Gastbeitrag dazu in der Rheinischen Post geschrieben haben und daß die ZEIT offensichtlich der Ansicht ist, dahinter stecke irgendeine Relevanz. Sowohl die beiden Politiker als auch die beiden Zeitungen entfachen einerseits und beteiligen sich andererseits an einer Pseudodebatte, die einem sehr grundsätzlichen Webfehler im zeigeistigen westlichen „Denken“ geschuldet ist.

Im konkreten Fall äußert er sich so: Die Herrschaften lassen außer Acht, daß es „dem Islam“ herzlich egal sein könnte, was zwei auf Zeit gewählte „Konservative“ plus zwei deutsche Zeitgeistblätter fordern und kolportieren. Es spricht auch viel dafür, daß „dem Islam“ tatsächlich herzlich egal ist, was die Herrschaften meinen & finden, respektive wollen & fordern. „Der Islam“ – um bei dieser dämlichen Formulierung im Zusammenhang mit den Substantiven „Wille“ und „Forderung“ zu bleiben – weiß selbst, was er will und fordert. Und es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, daß „der Islam“ mehrheitlich daran interessiert wäre, sich an den theoretisierenden Gedankenspielen europäischer Debattengläubiger zu beteiligen.

Wenn schon, dann müsste man nicht einen „europäischen Islam“ fordern, sondern zivilreligiös-westlich deformierte Moslems. So formuliert, wäre allerdings bereits vor der ersten gastbeiträglichen Silbe offensichtlich, daß es sich um eine völlige Nonsens-Forderung handelt. Deswegen „europäischer Islam“: Damit es etwas zum Schwätzen gibt, während die Zeit auf der einen Seite ungenutzt – und auf der anderen Seite gut genutzt verstreicht.

Auch ist es von nicht unerheblicher Arroganz westlicher Debattengläubiger, zu unterstellen, der Islam müsse an einer „modernen europäischen Erscheinungsform“ interessiert sein. Muß er nämlich nicht. Und daß es sinnvoll sei, sich seine eigene Säkularentklötung von Ungläubigen fördern zu lassen, muß „der Islam“ ebenfalls nicht glauben.

Jeder Mensch, dessen Denken von Rationalität und nicht von utopistischen Absichten geprägt ist, weiß, was letztlich zählt: Das Resultat. Wer die wohlmeinenderen Absichten hatte und die größere Debattenbereitschaft gezeigt hat, zählt nicht. Wer sich letzten Endes durchgesetzt hat, ist das einzige, was zählen wird. Unglaublich blöde in seiner ganzen abgehobenen, demokratistischen und pluralistischen Arroganz ist es, eine „Debatte entfachen“ zu wollen, ohne zu berücksichtigen, daß während jeder Debatte Zeit verstreicht, was wiederum diejenigen hinter vorgehaltener Hand grienend und verschwiegen goutieren, die während der verstreichenden Debattenzeit an der Schaffung irreversibler Tatsachen arbeiten. Von nicht zu packender Hochnäsigkeit ist es, Signale, Ankündigungen, Forderungen und Allltagswirklichkeit aus und in der islamischen Welt einfach nicht ernstzunehmen! Weil man der islamischen Welt dadurch signalisiert, daß man ihre Bewohner für rückständige Trottel hält, die nichts sehnlicher wünschen, als zu genau den westlichen Würmern der Beliebigkeit zu degenerieren, die sie eigentlich verachten und die ihnen dennoch eine „Debatte“ anbieten.

Es gibt nämlich, spiegelbildlich zum westlich-demokratistischen Missionierungseifer solcher Herren wie Spahn und Günther, die meinen, „dem Islam“ (und „uns allen“) wäre damit geholfen, etwas weniger das zu sein, was er ist, in der islamischen Welt genügend Moslems, die davon überzeugt sind, „uns allen“ wäre damit geholfen, wenn wir deutlicher so wären, wie sie selbst, anstatt unwürdig unser Leben als Ungläubige fristen zu müssen. Die denken daran, uns per Majorisierung aus dem zu befreien, was sie als „unser Unglück“ definieren. Das islamische „Haus des Friedens“ besteht bekanntlich zu 100 Prozent aus Moslems.

Es ist exakt diese völlig unberechtigte, westliche Arroganz „dem Islam“ gegenüber, die dem Westen – und damit auch den Herren Spahn und Günther – letztlich auf die eigenen (und „unser aller“) Füße fallen wird. Worin sich Spahn und Günther, resp. Rheinische Post und ZEIT momentan noch gefallen, und woraus sie dieses so überaus wohltuende Gefühl intellektueller Überlegenheit in seiner ganzen Pseudoddifferenziertheit beziehen, läßt sich in vier Wörtern zusammenfassen: Überheblichkeit aus moralistischem Realitätsverlust.

@jouwatch

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