Brüssel/Straßburg – Nach erheblichen Verlusten werden Christ- und Sozialdemokraten erstmals keine Mehrheit im Europaparlament mehr stellen können. Die Zugewinne für Liberale, grüne und rechte Parteien werden das verhindern, wie erste Prognosen nahelegen. Von den 751 Abgeordneten des neuen EU-Parlaments wird die EVP voraussichtlich 173 Sitze erhalten, ein Minus von 43 Sitzen. Die Sozialdemokraten verlieren voraussichtlich 38 Sitze und enden kläglich auf 147 Sesseln. Für die Liberalen schauen 102 Polstermöbel heraus, falls die Mandate für Macrons „En marche“ inkludiert werden. Ansonsten wären 33 Sitze weniger. Die Grünen gewinnen 71 Polstersesseln 19 Sitzgelegenheiten hinzu. Die Linke verliert fünf sitzt 42 Stühlen.
Rechtspopulistische und nationalistische Fraktionen gewinnen 16 Sitze hinzu und kämen damit auf zusammen 171 Sitzgelegenheiten. Es gilt aber als wahrscheinlich, daß diese Fraktionen sich erweitern und neue Parteien für ihre Allianz dazugewinnen.
Völlig offen ist, welche Konsequenzen diese unerwartete Gemengelage für den EVP-Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU) zeitigt. Ob er das Amt des Kommissionspräsidenten bekleiden wird, hängt erstmals von der Zustimmung aus anderen Lagern ab. Eine Mehrheit für Weber gilt keineswegs als sicher. Die Liberalen liebäugeln eher mit der populären Kommissarin Margrethe Vestager, die sie gegen Weber in Stellung bringen dürften. (RB)
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