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75 „Bootsflüchtlinge“ sitzen in Tunesien fest: „Wir wollen kein Essen, wir wollen nach Europa“

Im tunesischen Hafen Zarzis sitzen 75 illegale Einwanderer auf einem Schlepper fest. Der hatte sie vor der libyschen Küste an Bord genommen und – in die „falsche Richtung“nach Tunesien verfrachtet. Jetzt ist ihre Wut groß: „Wir wollen kein Essen, wir wollen keine Medizin, wir wollen nach Europa“, skandieren sie lautstark in einem Video.

Seit sieben Tagen warten die Männer an Bord des Schleppers Maridive 601, nun schon auf ihre Weiterreise gen Europa. Die NGO ‚Tunisian forum for economic and social rights‘ (Ftdes) veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite nun ein offenbar inszeniertes Video, in dem die Männer auf dem Boden sitzend, lautstark ihre Forderungen stellen. „Wir wollen nach Europa, wir wollen kein Essen, wir bleiben nicht hier, wir gehen nach Europa“, verlangen sie erst wild mit den Armen rumfuchtelnd auf Arabisch (?) und dann – bitte das Ganze auf Anweisung des Videomachers nochmal – auf Englisch.

المهاجرون العالقون على ظهر الباخرة maridive 601 يطالبون بايجاد حل بعد تدهور الوضع الإنساني

Gepostet von Forum Tunisien pour les Droits Economiques et Sociaux am Donnerstag, 6. Juni 2019

Schon sind die üblichen im Menschenschmuggel involvierten „Hilfsorganisationen“ in höchster Alarmbereitschaft und schlagen tatkräftig die Mitleidstrommel: „Tunesien hat kein funktionierendes Asylsystem und kann nicht als sicherer Ort für Flüchtlinge und Migranten beschrieben werden“, behaupten die Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf Twitter. „die nächsten sicheren Häfen sind in Italien und Malta“, so die Forderung seitens der MSF.

Natürlich ist auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) nicht weit. Sie fürchten um die Gesundheit der illegalen Einwanderer und fordern die tunesische Regierung laut ansamed.info dazu auf, die Migranten endlich von Bord gehen zu lassen.

Doch die Migranten, von denen 64 aus Bangladesch, 9 aus Ägypten und jeweils einer aus Marokko und dem Sudan stammen sollen, machen sich offenbar um ihre Gesundheit am wenigsten Sorgen. Tunesischen Quellen zufolge lehnten sie die Untersuchung durch Ärzte des Roten Kreuzes und des Arab Institute for Human Rights, die an Bord geschickt worden waren, ab.

Der Gouverneur von Medenine, Habib Chaouat, ließ Nahrungsmitteln sowie Wasser an Bord der Maridive 601 bringen, die unter der Flagge von Belize fährt. Doch die Erlaubnis das Schiff anlegen und die Illegalen von Bord gehen zu lassen, will er nicht geben. Seine Region verfüge nicht über ausreichende logistische Mittel, er habe andere tunesische Bezirke um Hilfe gebeten, berichtet ansamed.info.

Im vergangenen Sommer spielte sich ein ähnliches „Drama“ in der tunesischen Küstenstadt Zarzis ab. Damals hatte die Sarost 5 im Mittelmeer 40 illegale Einwanderer aus dem Wasser gefischt und nach Tunesien gebracht. Drei Wochen – die längste Wartezeit bis dahin – mussten die „Geretteten“ trotz Empörung vom Bayrischen Rundfunk und Co warten, bis das Schiff die Erlaubnis bekam, in Hafen von Zarzis anzulegen. Am Ende durften sie aus „humanitären Gründen“ von Bord gehen.

@jouwatch

Quelle!:

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