Holotropes Atmen ist eine intensive, oft hochwirksame Selbsterfahrungs- und Psychotherapiemethode, die mit Zuständen veränderten Bewusstseins arbeitet. Holotrop bedeutet auf das Ganze ausgerichtet sein.
Im Holotropen Atmen werden Erkenntnisse der modernen Bewusstseinsforschung mit alten spirituellen Techniken verbunden.
Durch Tiefenatmung und eine auf den Prozess speziell ausgerichtete Musik wird ein außergewöhnlicher
Bewusstseinszustand ermöglicht, in dem intensive Selbsterfahrung geschieht und der uns zur eigenen inneren Weisheit führen kann. Körperarbeit, Mandala-Malen und Gruppengespräche unterstützen den ganz individuellen Erfahrungsprozess.
Eine Integration emotional unverarbeiteter Erfahrungen und Prägungen, die tieferer Heilung bedürfen, ist möglich. Lösende Körper- und Energieerfahrungen können erlebt werden. Die Offenheit für transpersonale (über das Persönliche hinausreichende) und spirituelle Bereiche des Seins wird gefördert.
Vorgehensweise
Die Technik der holotropen Atemarbeit besteht aus mehreren Elementen:
- beschleunigtes und vertieftes Atmen (gewollte Hyperventilation)
- evozierende Musik (z. B. Instrumental- oder spezielle Filmmusiken)
- Körperarbeit (z. B. Druckmassage)
im Anschluss:
- nonverbale Reflexion des Erlebten, beispielsweise durch kreativen Ausdruck, z. B. über Malen oder Zeichnen
- sog. Sharing (Selbsterfahrung, Erfahrungsaustausch in der Gruppe)
Der Prozess, der zwischen 1,5 und 3 Stunden dauert, wird durch passend ausgewählte Musik unterstützt. Er hat Phasen, erreicht einen Höhepunkt und klingt dann wieder ab. Die Klienten liegen dabei mit geschlossenen Augen (ggf. unterstützt durch eine Augenbinde) auf einer Matratze und werden von einem Therapeuten begleitet. Im Laufe des Prozesses kann es zu starken emotionalen Ausbrüchen kommen (Katharsis), die der Therapeut unterstützend (z. B. durch Körperarbeit) begleitet.
Holotropes Atmen wird oft in Gruppenform durchgeführt. Dabei bilden die Klienten Zweiergruppen und unterstützen sich dabei unter Anleitung des Therapeuten untereinander – einer „arbeitet“ und ein weiterer begleitet.
Ähnlichkeiten bestehen zu den Methoden Bioenergetik von Alexander Lowen und Rebirthing.
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Wirkung
Holotropes Atmen habe eine stark „öffnende“ und kathartische Wirkung. Es wird deshalb auch als Ergänzung klassischer Psychotherapie-Verfahren zur Überwindung von „Blockaden“ verwendet. Von seinen Anwendern wird es auch als forcierter Einstieg in die spirituelle Dimension in der Psychotherapie und generell in der transpersonalen Therapie genutzt.
Die erhöhte Durchlüftung der Lunge bei der Hyperventilation führt zu vermehrter Abatmung des im Körper entstandenen Kohlendioxids. Daraus folgt eine Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Kohlensäure (der gelösten Form von Kohlendioxid) und Calcium im Blut. Der so entstehende relative Calcium(ionen)-Mangel kann zu Kribbeln, besonders um den Mund herum, und zu Krämpfen z. B. in den Händen (typische “Pfötchenstellung”) führen. Zudem verschiebt sich der Säure-Basen-Haushalt des Betroffenen in Richtung basisch (respiratorische Alkalose), der pH-Wert des Blutes steigt. Zu einer Mehraufnahme von Sauerstoff im Körper kommt es allerdings kaum, da die Aufnahmefähigkeit des Blutes für Sauerstoff schon bei normaler Atmung meist voll gedeckt wird.
Der Kohlendioxidspiegel im Blut ist allerdings auch für die Regulation der Durchblutung von Körperregionen verantwortlich, weniger Kohlendioxid vermindert die Durchblutung, auch im Gehirn. Nach Thorsten Passie reduziert sich (bei durch sexueller Erregung bedingter Hyperventilation) die Durchblutung im Großhirn, während das limbische System weniger betroffen ist, wodurch dessen Einfluss auf die Erfahrung zunimmt. Dies gilt sicherlich auch für bewusst herbeigeführte Hyperventilation. Ein Erklärungsmodell für derartige veränderte Bewusstseinszustände (wie z. B. durch holotropes Atmen hervorgerufen) besteht in der Veränderung der sogenannten Cortico-Striato-Thalamicocorticalen Regelschleife (F.X. Vollenweider; zahlreiche Publikationen dazu). Im Zusammenhang mit verminderter Großhirnaktivität könnte das heißen, dass sich der durch das Großhirn gesteuerte „thalamische Filter“, das „Tor zum Bewusstsein“ weiter öffnet.
Daneben wurde von Callaway die interessante (ungeprüfte?) Hypothese geäußert, dass durch Hyperventilation der Spiegel des körpereigenen Stoffes Dimethyltryptamin (DMT, ein potentes Halluzinogen) erhöht werden könnte. Dies stützt sich auf die Tatsache, dass sich in den Lungen von Säugetieren große Mengen des Enzyms N-Methyl-Transferase befinden, die, sollten sie freigesetzt werden, aus körpereigenem Tryptamin eben dieses Dimethyltryptamin herstellen können.
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Ursprung
1975-1976 entwickelten Stanislav Grof und Christina Grof das Holotrope Atmen (Holotropic Breathwork ® ). Holotropes Atmen ist eine Methode der Transpersonalen Psychologie.
Stanislav Grof ist Tscheche und arbeitete in Prag als Psychotherapeut, Psychiater und Bewusstseinsforscher und entdeckte, dass die psychische Entwicklung nicht nur durch die biographischen Erfahrungen geprägt ist, sondern dass die Persönlichkeitsentwicklung auch sehr durch perinatale (das embryonale Leben und den Geburtsverlauf betreffende) und transpersonale Bereiche der Psyche bestimmt ist.
Er erforschte das kraftvolle therapeutische Potential veränderter Bewusstseinszustände und entdeckte Bereiche der Seele und des Geistes wieder, die in alten mystischen und spirituellen Traditionen seit Jahrtausenden erfahren und beschrieben werden.
Mit der Beschreibung und der therapeutischen Nutzung der perinatalen und transpersonalen Bereiche erweiterte Stan Grof das traditionelle Modell der Psyche, welches sich vor allem auf das individuelle, nachgeburtliche Unbewusste und Bewusste konzentriert, ganz erheblich. Seit 1967 lebt und forscht er in den USA. Seine Frau Christina Grof ist eine amerikanische Yogalehrerin und Künstlerin.
Weltweit sind mehr als 500 Certified Holotropic Breathwork Practitioner ausgebildet. Im deutschsprachigen Raum hat sich besonders Sylvester Walch an der Verbreitung des holotropen Atmens beteiligt. Mittlerweile gibt es in Deutschland einzelne psychosomatische Kliniken, die das holotrope Atmen auch im Rahmen der stationären Psychotherapie neben anderen Verfahren einsetzen.
Literatur:
Holotropes Atmen: Eine neue Methode der Selbsterforschung und Therapie von Stanislav Grof
Dimensionen der menschlichen Seele: Transpersonale Psychologie und holotropes Atmenvon Sylvester Walch
Holotropes Atmen – Psychotherapie und Spiritualität (Leben Lernen 129) von Ingo B. Jahrsetz
Eine Reise nach Innen, DVD von Juri Schmidt
Heilung unserer tiefsten Wunden, 1 DVD von Stanislav Grof
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Quellen: PRAVDA TV/Wikipedia/grof-holotropesatmen.de vom 10.04.2015




