StartMedienInternetHaben Killer-Roboter eine Zukunft? – KI-Forscher: „Ein Roboter hat keine Ahnung“

Haben Killer-Roboter eine Zukunft? – KI-Forscher: „Ein Roboter hat keine Ahnung“

Killer-Roboter: Sie treffen Fehlentscheidungen beim Töten, verfügen über keine ethischen Grundsätze und lassen sich leicht irreführen. Dennoch gab es letzten Freitag keine Einigung bei Gesprächen über ein mögliches Verbot dieser Tötungsmaschinen.

Sputnik hat über das Thema mit KI-Forscher Raul Rojas gesprochen.

Vom 13. bis zum 17. November hatten sich Regierungsvertreter zum ersten Mal formell in Genf getroffen, um über ein mögliches Verbot sogenannter Killer-Roboter zu diskutieren. Das Resultat: Eine Entscheidung zu dem Thema wird auf nächstes Jahr vertagt. Zu unklar war den Beteiligten, was an Technologien unter den Begriff „tödliche autonome Systeme“ fallen soll.

Ein autonomes System soll in erster Linie eigene Entscheidungen treffen können, erklärt Raul Rojas, Professor für Künstliche Intelligenz an der Freien Universität Berlin. Eine Drohne müsste zum Beispiel einen Panzer nicht nur erkennen, sondern auch verfolgen können, wenn er sich bewegt. Doch auch für den Experten steht im Fall von Killer-Robotern fest:

„Eigentlich gibt es keine scharfe Grenze zu anderen Systemen wie zum Beispiel einer Rakete, die per GPS ihr Ziel ansteuert.“ Es gebe „einen großen Graubereich“, und das Verbot würde am Ende „viele andere Waffen treffen“, führt Rojas aus. Deswegen also das Stocken in Genf.

Die Möglichkeiten der neuen Militärtechnologie haben für Rojas in erster Linie zum Ziel, „Menschen fernzuhalten in verschiedenen Kampfszenarien“. Diese räumliche Distanz schaffe aber auch einen „psychischen Abstand“, sodass die Frage nach der Verantwortung weniger gestellt werde. Das sei im Fall direkter Involviertheit in Kampfhandlungen anders.

Roboter treffen Fehlentscheidungen
Doch die Hauptgefahr sieht der Forscher in Fehlentscheidungen, die auch im Fall von Drohnen schon oft vorgefallen sind. Ein Mensch könne immer seine Intuition und Kenntnis von Situationen einsetzen, beispielsweise beim Aufspüren von Terroristenverstecken.

„Ein Roboter hat dagegen wirklich keine Ahnung“, sagt der KI-Forscher trocken. „Ein Roboter ist nur dafür programmiert, den Normalfall zu erkennen, alle Abweichungen sind nicht programmierbar.“

Darüber hinaus könne man Roboter schlicht und ergreifend leicht austricksen. So verfolgten Hitzeraketen Flugzeuge anhand der Wärme ihrer Triebwerke. Doch moderne Flugzeuge könnten im Gegenzug heiße Metalle abwerfen, die die Raketen dann in die Irre führten.

Lichtsensoren könnten mit Licht geblendet, GPS-Systeme mit Störsendern außer Gefecht gesetzt und die gesamte Elektronik durch gezielten Einsatz von Neutronenbomben beschädigt werden. Es sei ein Wettrennen zwischen den Entwicklern der Waffen und der Abwehrsysteme. Daraus schließt Rojas: „Diese Systeme sind unreif für solche Entscheidungen“. Deswegen könne man ihren Einsatz auch nicht verantworten.

Das ist der aktuelle Stand, doch wird sich das nicht mit der Zeit ändern? Rojas sieht der Zukunft mit Skepsis entgegen. Aus seiner Sicht werde „Unmögliches“ verlangt, wenn Drohnen und Kampfroboter zwischen Feind und Nicht-Feind unterscheiden sollen. Besonders sei es schwer, wenn die Kampfbeteiligten keine Uniformen trügen, denn woran soll die Maschine sie erkennen? „Was verlangt wird, ist, dass diese Waffen praktisch eine menschliche Intelligenz mit sich herumschleppen. Und das, denke ich, ist unmöglich“, so Rojas.

Roboter werden über keine Moral verfügen

Auch das Thema Ethik wird immer wieder gestreift: Wie verhält sich ein Killer-Roboter, wenn er auf eine Gruppe von Terroristen stößt, die sich unter Zivilisten aufhalten? Wie, wenn nur ein Zivilist zugegen ist, dieser aber beim Gefecht sterben könnte? Dafür braucht es menschlich rationales Abwägen, gepaart mit Empathie – Eigenschaften, von denen die Maschinen noch weit entfernt sind. Aber vielleicht kommt das ja noch?

„Ich denke, dass Ethik in Maschinen nicht wirklich realisiert werden kann“, bemerkt der KI-Wissenschaftler dazu. Man könnte Regeln und Ausnahmen von Regeln in einem Algorithmus festlegen, aber für ethische Entscheidungen „bräuchte der Roboter eine komplette menschliche Kognition. Das werden Maschinen nie haben, und deswegen werden Maschinen sich nie ethisch verhalten können“, schließt Rojas.

Deswegen gilt für den Forscher: Maschinen sollen überhaupt keine tödlichen Entscheidungen ohne eine vorherige Bewilligung durch einen Menschen treffen können. „Es muss sich am Ende jemand dafür verantwortlich fühlen und nicht einfach die Verantwortung auf die Maschinen abwälzen“, fordert Rojas.

Autor:  Valentin Raskatov   Quelle!

Empfohlene Artikel
- Advertisment - Beschreibung des Bildes