„Gegen das Vergessen“: KZ-Nummern werden wieder tätowiert

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Ein junger Mann hat sich die fünfstellige Nummer, mit der seine unlängst verstorbene Großmutter im KZ Auschwitz gekennzeichnet wurde, auf seinen Unterarm tätowieren lassen. Damit soll das Leiden seiner Oma durch den NS-Terror niemals vergessen werden, berichtet die „Rheinische Post“ (RP) online. Mit der Aktion ist der Mann jedoch nicht alleine.

„Das war eine großartige Geste“, sagte die Cousine des jungen Mannes, Nadine Schnoor, gegenüber RP. Sie sei den Tränen nahe gewesen, als sie am Sonntag auf Facebook gesehen habe, was sich ihr Cousin habe einfallen lassen.

​„Ich war total berührt. Er hat damit ein deutliches Zeichen gegen die Schrecken der NS-Zeit gesetzt. Deshalb habe ich das Foto dann auch bei Twitter geteilt. Doch mit dem, was dann kam, hatte ich überhaupt nicht gerechnet.“

Mein Cousin hat sich die KZ-Nummer seiner Oma stechen lassen. Gegen das Vergessen. Gänsehautmoment.
Mein allergrößter Respekt.

​Der Tweet der Hamburgerin erreichte über Nacht knapp 4000 Likes und wurde über 1100 Mal geteilt. „Ich dachte, mein Account explodiert“, so Schnoor. „Es ist schon Wahnsinn, wie sich das hier verbreitet hat.“

Der Großteil ihrer Familie, darunter auch der besagte Cousin, lebe in Israel. Die Großmutter sei im Konzentrationslager in Auschwitz interniert gewesen – den NS-Terror habe sie überlebt.

„Vor Kurzem ist sie gestorben. Und da sie im Leben ihres Enkels eine große Rolle gespielt hat, hat der sich eben zu diesem Schritt entschlossen.“

Näheres zum Schicksal der Großmutter habe die Hamburgerin nicht äußern wollen, schreibt RP.

Trendwelle?

Schon im Oktober 2012 hatte die taz in einem Beitrag mit dem Titel „Die Schreckenszahl“ über Ähnliches berichtet. Mehrere junge Israelis ließen sich demnach die KZ-Nummern ihrer Vorfahren tätowieren– als ein „Zeichen der Solidarität und Beitrag, die Geschichte ihrer Großmutter oder des Großvaters nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“

Nicht unbegründet wird jedoch auf den Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der selbst Auschwitz überlebte, verwiesen. Er habe schon den Einsatz des Gelben Sterns zur Erinnerung abgelehnt, weil damit „das Holocaust-Gedenken entweiht“ werde.

Die „Berliner Zeitung“ widmete sich dem Thema ebenso und schrieb:

„Die Träger eint, dass sie Mitte 20 sind und die Erinnerungen an ihre Großeltern nicht verlieren wollen; durch die Tätowierung können sie das auch nicht mehr.“

In einer Familie in Jerusalem würden ganze fünf Mitglieder dieselbe Nummer tragen, hieß es.

Im selben Jahr berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, dass in Israel abwaschbare Tattoo-Aufkleber mit KZ-Nummern an Schüler verteilt worden seien. Dazu habe es jeweils eine Postkarte sowie einen Code gegeben, über den man auf eine Internetseite mit den Lebensgeschichten der jeweiligen ehemaligen KZ-Häftlinge gelangt sei. Ähnliche Initiativen sollen auch in New York und Hongkong stattgefunden haben.Die Aktion, mit der gegen das Vergessen gekämpft werden sollte, rief allerdings empörte Reaktionen hervor. Einige hielten sie für geschmacklos, andere waren der Auffassung, sie würde den Holocaust herabsetzen.

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Anfang 2015 berichtete die „Zeit“, dass sich seit 2008 zahlreiche junge Menschen Auschwitz-Nummern tätowieren ließen. In einer Reportage griff die Zeitung auch die persönliche Geschichte eines damals 29-jährigen Israelis auf, der sich die KZ-Nummer seines Großvaters stechen ließ. Oft werde er gefragt, stehe diese Nummer denn nicht eigentlich für etwas, was keine Erinnerung verdient habe?

„Besonders junge Israelis können sich für die Idee begeistern: Für die dritte Generation hat die Nummer ihren Schrecken verloren“, schrieb das Blatt.

Beitragsbild: © REUTERS/ Laszlo Balogh

Quelle: Sputnik Deutschland