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Aufruhr in Politik und Medien: Der Oppositionsführer schreibt einen Gastbeitrag in der „FAZ“

Die Medienwelt ist empört. In der Rubrik „Fremde Federn“, die die „FAZ“ Gastautoren zur Verfügung stellt, kam doch tatsächlich Alexander Gauland zu Wort. Den aufgebrachten Journalisten, die jetzt die Zeitung an den Pranger stellen, geht es nicht um das, was der Oppositionsführer geschrieben hat, sondern darum, dass er überhaupt schreiben durfte.

Dezidiert äußerte sich die SPD und schrieb damit der journalistischen Zunft aus der Seele: „Gauland einen Gastbeitrag schreiben zu lassen, ist keine Frage der Meinungsfreiheit. Seine Meinung ist bekannt. Es ist eine Frage der Vernunft – als freie Presse –, einen Hetzer nicht für eine Zukunft, in der es keine freie Presse mehr gibt“, werben zu lassen, twitterte Robin Mesarosch – und sammelte zahlreiche „Likes“, auch von Medienschaffenden.

Unter der Überschrift “Warum muss es Populismus sein?” hatte Gauland ein Gastbeitrag geschrieben. Doch dass er darin dezidiert auseinandersetzte, warum Populismus entstehe und warum er so populär sei, interessierte niemanden der Kritiker. Der AfD-Chef macht eine “neue urbane Elite” dafür verantwortlich, dass sich Mittelstand und “einfache Leute” abgehängt fühlten. Diese Elite kontrolliere Informationen und gebe politisch wie kulturell “den Takt” vor. Mit ihrem Drang zur Globalisierung sorge sie dafür, dass die Bindung zur Heimat verloren gehe. Hinzu komme noch die unkontrollierte Einwanderung. Populistisch zu sein, so lautet Gaulands Hauptbotschaft, heiße nichts Anderes, als sich gegen das “Establishment” zu positionieren.

Und genau dieses Establishment macht nun Front und bestätigt Gaulands Urteil über die „urbane Elite“ – sie will tatsächlich die Informationen kontrollieren. Dabei trifft der Zorn nicht Gauland, sondern die „FAZ“. Dass in dieser Rubrik kürzlich sogar der türkische Despot Recep Tayyip Erdogan schreiben durfte, hatte niemanden erregt. Gauland aber – das geht natürlich gar nicht. Der ewige Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der backenbärtige Ulrich Schneider, war so erregt, dass er ankündigte, sein „FAZ“-Abo zu kündigen – und zwar schon „morgen“. Meinungsvielfalt: Ja – aber nur von Merkel bis Linke. Wo kommen wir hin, wenn der Oppositionsführer einen Zeitungsartikel schreiben kann?

Kritisiert wird das Blatt auch dafür, den Beitrag nicht in der Einleitung oder in einem Gegenbeitrag konterkariert zu haben. Und auch, dass Gaulands Text nur in der Druckausgabe und online hinter der Bezahlschranke erschien, machen nun viele der „Frankfurter Allgemeinen“ zum Vorwurf. Der Produktchef von „Spiegel Online“, Stefan Ottlitz, hetzt bereits seit Tagen gegen die „FAZ“: Gestern Abend schrieb er, Gauland „ohne Widerspruch“ zu veröffentlichen, sei „kein Journalismus, sondern Brandbeschleuniger“.

Der frühere ZDF-Redaktionsleiter und heutige Journalistenlehrer, Christian Jakubetz, meint zur Möglichkeit, dass Gauland in der FAZ schreibt: „Mir fällt kein einziger Kommentar ein, wie ich straffrei ausdrücken kann, was ich darüber denke“.

Die Wut kocht hoch in der Branche. Tatsächlich durfte ein AfD-Politiker ungefiltert und unverzerrt schreiben, was er denkt. Der Hass ist so groß, dass eine Selbstverständlichkeit zur Ungeheuerlichkeit aufgeblasen wird. Wahrscheinlich ist es das in unserer gelenkten Demokratie sogar bereits. (WS)

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