Rom – Für Martin Luther war Rom bereits zur Zeit der Reformation der Amtssitz des Antichristen. Dieses hartnäckige Gerücht hält sich nicht nur in evangelikalen Kreisen bis heute, sondern flammt auch immer nach diversen Aussagen des Papstes – zum Beispiel nach dem Massaker an Charly Hebdo – in den Kommentarspalten auf. Nun sorgt der Vatikan ausgerechnet an Ostern für ein pikante Aussage, die fast symbolische Bedeutung hat: „Der Vatikan spendet keinen Cent für Notre Dame“, textet der österreichische Sender oe24. Mit dem Zusatz: „Einen finanziellen Beitrag schloss der Kultursprecher des Vatikans aus, da Frankreich finanziell ’selbstständig‘ sei.“
Wie der vatikanische Kulturminister, Kardinal Gianfranco Ravasi, bereits am Dienstag mitteilte, ist Rom bereit, einen „technischen Beitrag“ für den Wiederbau der stark beschädigten Kathedrale zu leisten. Dabei könnten Experten der vatikanischen Museen helfen. „Wir können einen Beitrag bei bestimmten Aspekten des Wiederaufbaus leisten. Wir verfügen über weltweit anerkannte Experten“, meinte Ravasi. Einen finanziellen Beitrag schloss Ravasi aus, da Frankreich finanziell „selbstständig“ sei.
Kurz nach dem Brand hatte der Vatikan getwittert, Papst Franziskus bete „für Frankreichs Katholiken und für die Bevölkerung von Paris.“ Dabei fielen wie immer die aufgeblasenen Phrasen vom „Gedächtnis von Paris“ und vor allem „Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt“ verwundert schreibt oe24 „Spenden will man allerdings keinen Cent“.
Ein fatales Signal
Angesichts der kostspieligen Auslandsreisen des Papstes zu islamischen Machthabern und der großzügigen Spende an die „Seenotretter“, bekommt dieses demonstrative „Wir geben nichts“ ein besonderes Geschmäckle. Nach katholischer Lehrmeinung sind Kirchen nämlich nicht nur Bauten, sondern Gotteshäuser, also Heiligtümer. Sie werden „geweiht“ oder nach Aufgabe auch „profanisiert“. Dies geschieht durch Löschen des „ewigen Lichtes“, dass den Bau explizit als geheiligten, gesegneten Raum ausweist. Im Volksglauben jedoch, sind Kathedralen noch viel mehr. Gott selbst hat bei den Bauten mitgewirkt. Ein herausragendes Beispiel für ein bis heute kaum zu erklärendes Bauwunder, bietet der Wiederaufbau der Kathedhrale von Chartres, die 1194 nach einem verheerenden Brand bis auf die Grundmauern zerstört war. Wie durch ein Wunder war der „Schleier Mariens“, der in der Krypta in der Nähe eines Brunnens und eines uralten Druidenheiligtums untergebracht war, verschont geblieben. Als die Bürger der knapp 10.000 Einwohner großen Stadt das Stück Stoff und die Marienfigur sahen, brach ein Jubel aus, der sofort in den Wiederaufbau mündete. Alle halfen mit. Und dann geschah das Unglaubliche. Diese kleine Stadt schaffte es unter Anleitung von Handwerken, Steinmetzen und den Franc Macon in 25 Jahren eine 130 Meter lange und 36 Meter hohe Kirche zu erreichten, eine der größten gotischen Kathedralen der Welt und Vorbild für die noch größeren Kirchen in Reims und Amiens…
Zum Vergleich: Heute 2019 braucht man Hunderte Millionen Euro und eine Bauzeit von fünf Jahren, um mit modernsten Geräten ein paar eingestürzte Gewölbe wieder zu reparieren und einen Vierungsturm wiederaufzubauen.
Denn nicht nur Gott, auch der Teufel hat manchmal beim Bau von Kathedralen seine Hand im Spiel. Immer wieder taucht seine diabolische Fratze als Wasserspeier am Dach der Döme auf, zum Beispiel in Köln. Aber auch als Baumeister selbst wird er erwähnt, zum Beispiel in Trier, wo er glaubte, er hätte ein Tanzhaus errichtet. Als er merkte, dass er betrogen worden war, schleuderte er eine Säule gegen das fertige Gotteshaus, die an einer Außenwand abprallte und liegen blieb. Ergo: der Teufel hat wenigstens noch seine Arbeitskraft gespendet. Der Papst spendet gar nichts. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. (KL)
@jouwatch



