Der Rammstein-Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz hat in einem Interview für die österreichische Zeitung „Standard“ über die deutsche Wiedervereinigung gesprochen und erklärt, warum sich seine Freude über dieses wichtige Ereignis in Grenzen hält.
Zwischen Wende und Wiedervereinigung muss man laut Lorenz unterscheiden. „Das verknöcherte alte Betonkopfgerüst des DDR-Politbüros war ja auch unser Feind. Wir wollten dieses idiotische Regime nicht mehr und haben dafür gekämpft, dass es aufgelockert wird.“
Als die Mauer gefallen sei, habe eine „irre spannende Zeit“ begonnen, in der man sich beruflich, politisch und musikalisch zu verwirklichen versuchte. Doch ab der Wiedervereinigung ging laut dem Rammstein-Keyboarder „alles schief“:
„Wir wurden als unnützes Land angegliedert, ganze Biografien für wertlos erklärt, Firmen geschlossen, damit sich die Westfirmen breitmachen konnten.“
Die Ostdeutschen seien so sehr „zurückgesetzt worden“, dass sich ein Groll und eine Enttäuschung aufgebaut hätten, die bis jetzt anhalten würden.
„Im Großen und Ganzen war die Wiedervereinigung in dieser Form eine Sauerei.“
Ostdeutsche Punks brauchten kein Geld
Als jemand, der in der Ostberliner Punk-Szene aufgewachsen war, kann Lorenz die Ostpunks mit den Westpunks vergleichen. Der wichtigste Unterschied: Die ostdeutschen Punks hätten kein Geld gebraucht, das Leben sei absurd billig gewesen.
„Also konnte man die Musik machen, die man machen wollte, und nicht bloß die, die sich gut verkauft. Absurderweise waren wir dadurch auch sehr frei.“
„AfD kann die Erwartungen nicht erfüllen”
Dass im Osten rechte Parteien großen Erfolg haben, erklärt der Musiker mit der Enttäuschung, dass sich bestimmte Versprechen nicht erfüllt haben.
Mit der politischen Linke hätten die Ostdeutschen schon viel Erfahrung, jetzt wollten sie es mit rechts probieren.
„Ich persönlich kann nicht nachvollziehen, wie man die AfD wählen kann“, so Lorenz. Die AfD-Wähler tun dies ihm zufolge hauptsächlich aus Protest gegen die etablierten Parteien.
„Dass die AfD die Erwartungen auch nicht erfüllen kann, ist klar. Wenn die AfD regieren würde, würden viele Leute sehr schnell merken, dass es nicht besser, sondern schlimmer wird.“
DDR ein Unrechtsstaat?
Dass die DDR oft als „Unrechtsstaat“ bezeichnet wird, kann er teilweise auch nachvollziehen: „Ich kann es verstehen, wenn das Leute sagen, die das so erlebt und darunter gelitten haben.“
Aber er persönlich könne nicht sagen, dass der ganze Staat schlecht gewesen sei. „Ich möchte nicht wissen, wie viele unschuldige Menschen im Westen eingesperrt und überwacht wurden bzw. werden.“ Die Pauschalisierung „Unrechtsstaat“ finde er deshalb nicht in Ordnung.
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