Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Entscheidung von Annegret Kramp-Karrenbauer bedauert, auf eine Kanzlerkandidatur zu verzichten und auch den CDU-Vorsitz abzugeben.
„Ich habe diese Entscheidung heute mit allergrößtem Respekt zur Kenntnis genommen, sage allerdings auch, dass ich sie bedauere“, erklärte die CDU-Politikerin am Montag in Berlin. „Ich kann mir vorstellen, dass das Annegret Kramp-Karrenbauer nicht einfach gefallen ist“, wurde sie von der Deutschen Presse-Agentur zitiert.
Merkel dankte Kramp-Karrenbauer dafür, dass sie den Prozess zur Klärung der Kanzlerkandidatenfrage weiter als Parteivorsitzende begleiten wolle. Sie wies auch auf die Erfolge ihrer Nachfolgerin als CDU-Vorsitzende hin. Dabei hob sie die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Schwesterpartei CSU, wo es „große Schwierigkeiten“ gegeben habe, und die Arbeit an einem neuen Grundsatzprogramm der CDU hervor.
Kramp-Karrenbauer kündigt Rücktritt an
Zuvor hatte die 57-jährige Kramp-Karrenbauer überraschend angekündigt, auf eine Kanzlerkandidatur zu verzichten und in absehbarer Zeit auch den Parteivorsitz abzugeben. Damit stürzt die CDU nur 14 Monate nach Kramp-Karrenbauers Wahl an die Parteispitze in eine tiefe Krise, die auch Auswirkungen auf die große Koalition haben dürfte.
Zugleich bleibe sie weiterhin im Amt der Verteidigungsministerin, fügte Kramp-Karrenbauer hinzu.
Merkel war Ende 2018 als CDU-Parteichefin zurückgetreten. Sie plane, das Kanzleramt bis 2021 zu führen, und werde nicht mehr kandidieren, sagte sie.
Skandal um die Wahl in Thüringen
Kramp-Karrenbauer galt als Merkels Nachfolgerin. Aber ihre Positionen wurden infolge des jüngsten Skandals stark erschüttert, nachdem der FDP-Politiker Thomas Kemmerich am vergangenen Mittwoch im Thüringer Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt worden war – auch dank den Stimmen der CDU und der AfD.
Die Wahl löste breite Empörung aus. Kramp-Karrenbauer forderte noch am Mittwoch eine schnelle Neuwahl. Merkel nannte Kemmerichs Wahl mit Hilfe der AfD während einer Afrika-Reise „unverzeihlich“ und verlangte, das Ergebnis müsse korrigiert werden.
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