Während der Westen Russland unermüdlich mit ernsthaften Konsequenzen für den Fall eines Angriffs auf die Ukraine droht, werden die Sorgen wegen eines möglichen Stopps der russischen Gaslieferungen groß. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, hat die EU laut der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einige Vorkehrungen getroffen.Demnach hat die EU-Kommission in den vergangenen Monaten mit wichtigen Flüssiggasexporteuren in puncto Aufstockung ihrer Lieferungen gesprochen – etwa den Vereinigten Staaten, Katar und Ägypten, um das Risiko von Engpässen abzuschwächen. Dies teilte von der Leyen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) und anderen europäischen Nachrichtenagenturen mit.Außerdem habe man sich mit wichtigen Flüssiggas-Importeuren wie Japan und Südkorea darauf geeinigt, dass diese der Europäischen Union (EU) eigene Bestellungen zur Verfügung stellen würden. So könnten beispielsweise Schiffe mit Flüssiggas aus Katar statt nach Japan nach Europa geschickt werden.
„Unsere Modelle zeigen jetzt, dass wir bei einer gedrosselten Versorgung oder weiter sinkenden Gaslieferungen durch (den russischen Gaskonzern – Anm. d. Red.) Gazprom eher auf der sicheren Seite sind“, sagte von der Leyen.Bei einem totalen Lieferstopp müssten aber noch Notfallmaßnahmen ergriffen werden.
„Frühling ist nicht mehr fern“
Russland ist der größte Gaslieferant der EU. Ein russischer Lieferstopp könnte den Staatenverbund daher empfindlich treffen. Derzeit decke die EU knapp ein Viertel (24 Prozent) ihres Energiebedarfs mit Gas, wovon wiederum 90 Prozent importiert würden, sagte von der Leyen. 40 Prozent der Importe stammten von Gazprom.
In den Spannungen um die Ukraine bestehe ein „deutliches Risiko“ für Einschnitte bei den russischen Gaslieferungen in die EU, sagte von der Leyen. Allerdings sei der Frühling auch nicht mehr fern: Dann werde mit steigenden Temperaturen der Energiebedarf fürs Heizen sinken.Für den Fall einer „militärischen Aggression Russlands in der Ukraine“ drohte sie erneut mit schneller Vergeltung in Form von Sanktionen:„Wir haben hart gearbeitet, um mit unseren Partnern innerhalb weniger Tage eine gemeinsame Antwort geben zu können“.
Westliche Staaten werfen Russland vor, Streitkräfte an der ukrainischen Grenze zusammengezogen zu haben und einen Angriff zu planen. Russland hat dies mehrmals als „Panikmache“ zurückgewiesen und seinerseits von den USA und der Nato verbindliche Sicherheitsgarantien gefordert. So sollte das Militärbündnis etwa auf eine Aufnahme der Ukraine verzichten und sich auf seine Positionen von 1997 zurückziehen. Die Nato beruft sich hingegen darauf, dass jedes Land das Recht auf eine freie Bündniswahl habe.



