Westliche Staaten setzen laut dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ihre Politik zum Aufzwingen eigener Standards fort – trotz der Lehre aus der Situation mit Afghanistan. Als Beispiel dafür führte er Sanktionen an.„Sie sagen über Afghanistan: ,Wir sind dorthin eingestiegen, haben viele Fehler gemacht.‘ Gleichzeitig wird dasselbe gegenüber anderen Ländern getan. Was sind Sanktionen? Das ist eine Fortsetzung derselben Politik, das Aufzwingen ihrer Standards“, sagte Putin beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok (Eastern Economic Forum) am Freitag.Wenn ein Land Demokratie braucht, wird es laut Putin selbst auf diesen Weg kommen. „Man muss das nicht mit Gewalt tun“. Dabei bezeichnete er die Lage für die Afghanen, die für den kollektiven Westen arbeiteten und die Lage im Land nach dem Abzug der US-Truppen im Allgemeinen als Katastrophe. Ihm zufolge bezeichnen auch US-amerikanische Analytiker die aktuelle Situation mit diesem Wort. Washington habe für diese Kampagne mehr als eineinhalb Billionen Dollar ausgegeben. „Und was ist das Ergebnis?“
„Wenn man auf die Zahl der Menschen schaut, die in Afghanistan verlassen sind, die für den kollektiven Westen, für die USA und ihre Verbündeten gearbeitet haben, dann ist das auch eine humanitäre Katastrophe“, sagte der russische Präsident.
Russland ist ihm zufolge nicht an einer Desintegration Afghanistans interessiert, weil es dann gar keinen Gesprächspartner geben wird. „Je schneller die Taliban* in die Familie der zivilisierten Völker einsteigen, desto leichter wird es zu kommunizieren, zu beeinflussen, wenn nicht zu fordern, dann Fragen aufzuwerfen, dass in zivilisierten Beziehungen zivilisierte Regeln beibehalten werden müssen“.Man müsse die Realität in Kauf nehmen, in der die Taliban fast das ganze Territorium des Landes kontrollieren. Dabei betonte Putin, dass diese radikal-islamistische Organisation nicht heterogen ist, obwohl sie hauptsächlich aus paschtunischen Stämmen besteht. Auf dem Territorium Afghanistans gebe es heute viele Vertreter anderer Organisationen, einschließlich extremer Organisationen wie der IS*. Viele Menschen seien aus Gefängnissen entlassen worden, darunter solche mit radikalen Aussichten.Darüber hinaus sei es notwendig, die Bemühungen zu vereinen, um gemeinsam effektiv gegen Terrorismus, Drogenhandel und Kriminalität zu kämpfen. Putin unterstrich, dass gerade zu diesem Zweck die USA ihre Truppen nach Afghanistan nach dem Terroranschlag in New York geschickt hatten.„Es gibt allgemeine Gefahren, gegen die nur gemeinsam gekämpft werden kann“, so Putin abschließend.
* Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Weißrussland) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.



