StartPolitikEuropaBefragung: deutliche Tendenz zu mehr Anfeindungen und Hass gegen Journalisten in Deutschland

Befragung: deutliche Tendenz zu mehr Anfeindungen und Hass gegen Journalisten in Deutschland

Wissenschaftler der Universität Bielefeld haben in einer Befragung eine steigende Tendenz für Anfeindungen und Hass gegen Journalisten in Deutschland festgestellt. Die Ergebnisse beruhen auf einer am Mittwoch veröffentlichten Online-Stichprobe, an der 322 Medienschaffende teilgenommen haben.

Demnach gaben rund 60 Prozent der Befragten an, binnen zwölf Monaten mindestens einmal angegriffen worden zu sein. Zu den Angriffen zählt die Studie etwa hasserfüllte Reaktionen wie Beleidigungen, Anfeindungen oder auch Aufrufe zu Straftaten. In der Zahl soll auch körperliche Gewalt enthalten sein. Die Befragung sei aber nicht repräsentativ.

Gut 16 Prozent betonten, im Laufe ihrer Berufskarriere bereits körperlich angegriffen worden zu sein. Den Verfassern der Studie beschrieben Befragte die Situationen: So seien als Orte Demos oder etwa eine Ausschreitung vor einer Unterkunft von Flüchtlingen genannt worden. Fast 16 Prozent hätten darüber hinaus angegeben, schon einmal eine Morddrohung erhalten zu haben.

In der Befragung ging es darum, welche Erfahrungen Medienschaffende mit Hass und Angriffen machen. Der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in der Uni Bielefeld, Andreas Zick, erläuterte, dass 82 Prozent der Befragten beschrieben hätten, dass sie die erlebten Angriffe und Hass dem rechten Spektrum zuordnen würden. So hätten die Befragten Pegida, die Identitäre Bewegung oder auch die AfD genannt.

In einer ähnlichen Stichprobe aus dem Jahr 2017 der Uni lag der Anteil der Befragten, die Erfahrungen mit Angriffen gemacht haben, noch bei 42,2 Prozent.

Die Sprecherin für Medienpolitik der Grünen-Fraktion im Bundestag, Margit Stumpp, betonte zu den Ergebnissen der Befragung, dass es neben kurzfristigem Schutz und dem Kampf gegen Extremismus mehr Bemühungen im Bereich Medienkompetenz brauche. „Wer nicht erkennt, welchen Wert die freie Berichterstattung heute für unsere Gesellschaft hat, ist blind für die Gefährdung unserer freiheitlichen Demokratie.“

mka/gs/dpa

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