Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch vor einer wirtschaftlichen Abschottung während der Corona-Krise gewarnt.
Nach einer Videokonferenz mit den Vorsitzenden von fünf internationalen Wirtschafts- und Finanzorganisationen meldete sich Merkel zu Wort: „Die Antwort auf die Pandemie kann mit Sicherheit nicht sein, alle internationalen Lieferketten jetzt zu renationalisieren.“
„Dann würden alle einen sehr hohen Preis zahlen“, sagte sie weiter.
Armut und Hunger
Sie erklärte, der Chef der Welthandelsorganisation (WTO), Roberto Azevêdo, habe auf die Vielzahl aktueller einseitiger Maßnahmen hingewiesen. Besorgniserregend seien vor allem Exportbeschränkungen bei Lebensmitteln. Aus Arbeitslosigkeit werde Armut und daraus sehr schnell Hunger. Die Versorgung der Menschheit mit Lebensmitteln sei von entscheidender Bedeutung.
Der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Guy Ryder, habe darüber hinaus unterstrichen, dass es wichtig sei, Arbeitsplätze in Entwicklungsländern zu schaffen, sagte Merkel weiter. Wenn es in entwickelten Ländern weniger Konsum gebe, habe das dort dramatische Auswirkungen. Die Armutsbekämpfung werde aus diesem Grund wichtig werden in den kommenden Jahren – zumal es in wirtschaftlich schwächeren Ländern an finanziellen Möglichkeiten für große Konjunkturprogramme mangele.
„Das heißt für Deutschland: keine Entwicklungshilfe kürzen, sondern weiter investieren.“
Internationale Kooperation von großer Bedeutung
Ferner unterstrich die Bundeskanzlerin die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit von Staaten.
„Der Multilateralismus stand schon vor der Pandemie vor einer großen Herausforderung, und diese Herausforderung ist nicht kleiner geworden.“
Die Corona-Pandemie sei erst beendet, wenn es einen Impfstoff gegen das Virus oder gute Behandlungsmöglichkeiten gebe. Diese sollten deshalb als „gemeinschaftliche globale Güter“ verstanden werden, müssten also allen zur Verfügung gestellt werden.
ak/sb/dpa



