Geschichten aus dem Land der unbegrenzten Armut: Der renommierte US-Vermögensverwalter Peter Schiff befürchtet, dass die US-Notenbank Strafzinsen einführen wird, obwohl sie sowohl in der Euro-Zone als auch in Japan völlig fehlschlagen. Der Finanzprofi ist der Überzeugung, dass die
Fed die USA immer tiefer in die Krise stürzen wird.
„Die US-Wirtschaft ist offensichtlich bereits in der Rezession. Wenn die Wirtschaft das noch nicht sein sollte, ist sie sicherlich am Rande der Rezession“, sagte Peter Schiff zuletzt. Eine Rezession bedeutet einen Rückgang der Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge gegenüber dem Vorquartal.
Der US-Finanzprofi und Chef von Euro Pacific Capital hat in den vergangenen Jahren wie kaum ein anderer Experte vor den Folgen des Gelddruckens in den USA und den massiven Auswirkungen einer selbst noch so kleinen Zinserhöhung gewarnt. „Die Wirtschaftsleistung könnte bereits im ersten Quartal geschrumpft sein und wenn das erste Quartal schlecht war, wird das zweite noch schlechter werden.
In den vergangenen Jahren hatten wird immer eine Belebung im zweiten Quartal, weil es einen sehr kalten Winter gegeben hatte. Dieser Winter war aber der wärmste seit 120 Jahren, deswegen wird es diesmal keinen Nachholeffekt geben.“
Strafzinsen können die Wirtschaft nicht ankurbeln
„Das Problem für die US-Notenbank ist, wie kann sie eine neue Stimulus-Runde starten und immer noch vortäuschen, dass die Wirtschaft in gutem Zustand ist“, sagte Schiff. „Strafzinsen sind ein Desaster. Sie funktionieren nicht in Japan, nicht in Europa und sie werden auch in den USA nicht funktionieren. Bloß weil es nicht funktioniert heißt es aber nicht, dass wir es nicht tun werden, denn alles was wir tun funktioniert nicht. Wir tun es aber dennoch.
Es zeigt die Verzweiflung, sämtliche Notenbanker haben die Zinsen gesenkt und erwartet, so die Konjunktur zu beleben. Wenn die Zinsen dann aber bei null sind, anstatt zuzugeben, dass es nicht funktioniert hat, drücken die Notenbanker die Zinsen in den negativen Bereich. Wenn man die Zinsen bis auf null gesenkt hat, sein Ziel aber nicht erreicht hat, funktionieren die Nullzinsen möglicherweise nicht.“
Amerika hat mehr Schulden als alle Schuldnernationen zusammen
„Egal wie hoch die Inflation steigen wird, wir werden unser Bestes tun um vorzutäuschen, dass sie nicht existiert, oder sie wegrationalisieren, weil wir viel mehr Schulden haben. Amerika ist pleite. Wenn man sich Europa und Japan anschaut, wenngleich es dort etliche Schulden gibt, sind diese Länder immer noch Gläubigernationen.
Die USA hat aber mehr Schulden, als sämtliche Schuldenländer zusammen. (Der US-Präsidentschaftskandidat Donald) Trump hat Recht: Wir sind pleite, wir sind völlig pleite. Wir leben von der Schuldenblase und können sie nicht zum Platzen bringen.“
Nachdem die USA bis Anfang der 1980er Jahre noch der weltweit größte Gläubiger waren, sind die Nettoauslandsschulden der Amerikaner gegenüber September 2007 von 1,2 Billionen Dollar zuletzt auf horrende 7,3 Billionen Dollar explodiert. Die Nettoschulden werden berechnet, wenn man vom Vermögen die Schulden abzieht.
Warnung vor Crash am Aktienmarkt
„Investoren kapieren nicht was los ist. In den vergangenen Jahren hatten sich alle Investoren so positioniert, als ob es eine echte Konjunkturerholung gegeben hätte, dass sie nachhaltig gewesen wäre, dass die Fed die Zinsen hätte normalisieren können und alles wäre in Ordnung gewesen“, betonte der Finanzprofi.
Genau dazu werde es aber offensichtlich nicht kommen. „Die Fed hat unsere Probleme nicht gelöst, sondern sie verschlimmert.“ „Es gibt große Banken, wie Goldman Sachs, die ihren Kunden raten, Gold zu verkaufen. Unglücklicherweise hören eine Menge Leute auf Goldman, weswegen sie das Falsche tun. Häufig gibt es Fehlbewertungen am Markt, weil so viele Investoren nicht kapieren was los ist. Damals haben die Leute Subprime-Immobilienanleihen gekauft, just bevor der Markt zusammengebrochen ist. Oder die Leute haben jahrelang Dot.com-Aktien gekauft, bevor sie kollabiert sind. Genau dasselbe wird nun wieder passieren.“ (A(r)merika: 21 Fakten über die explosive Zunahme der Armut in Amerika)
Renten-Krise: US-Pensionsfonds muss Auszahlungen kürzen
Ein großer amerikanischer Rentenfonds hat um die Erlaubnis gebeten, die Auszahlungen an seine Kunden zu kürzen. Zudem gab der Fonds bekannt, dass man unter den gegebenen Umständen im Jahr 2025 bankrott wäre. Hilfe vom staatlichen Sicherungssystem ist nicht zu erwarten: auch dieses gab inzwischen an, dem Bankrott entgegen zu gehen.
In den USA hat der Rentenfonds Central States Pension Fund (CSPF) um die Erlaubnis gebeten, die Auszahlungen an seine Kunden beschneiden zu dürfen, wie der Finanzblog Zerohedge berichtet. Die Regelung könnte bei positivem Bescheid zum 1. Juli des laufenden Jahres in Kraft treten. Bei einer Beibehaltung der derzeitigen Auszahlungsverpflichtungen wäre man im Jahr 2025 bankrott, so der Fonds.
Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Fonds eine durchschnittliche negative Rendite von 0,81 Prozent – er verlor also Gelder, die ihm anvertraut wurden. Über 250.000 Rentner sind gegenwärtig auf die Auszahlungen des CSPF angewiesen. Eine Beschneidung der Auszahlungen von Rentenfonds ist erst seit Dezember 2014 möglich. Damals wurde ein Gesetz erlassen, dass den Fonds entsprechende Maßnahmen gestattet, wenn ihnen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren das Geld auszugehen droht.
Zerohedge zufolge zahlt der CSPF gegenwärtig für jeden eingezahlten Dollar etwa 3,46 Dollar aus. Dadurch übersteigen die gesamten Auszahlungen die Einzahlungen um rund 2 Milliarden Dollar jährlich – der Hauptgrund für die prognostizierte Insolvenz im Jahre 2025.
Zwar existiert in den USA ein staatlicher Sicherungsfonds (Pension Benefit Guaranty Corporation – PBGC), der die Ausfälle bankrotter Pensionsfonds ausgleichen soll, doch diesem fehlen alleine schon die nötigen Mittel, um einen Ausfall des CSPF auszugleichen. Am Ende des Fiskaljahres 2015 verfügte der PBGC über Finanzmittel von 1,9 Milliarden Dollar. Zu allem Überfluss gab auch der PBGC mit Blick auf die derzeitige finanzielle Situation an, im Jahr 2025 ebenfalls bankrott zu sein.
Dem PBGC zufolge erfüllen derzeit etwa 10 Prozent der 1400 Rentenpläne die notwendigen Voraussetzungen, um Auszahlungskürzungen zu beantragen. „Dies wird zu einer nationalen Krise für hunderttausende – oder sogar Millionen – Rentnern und deren Familien führen. Und es wird die Schleusen für weitere Kürzungen öffnen“, wird die Präsidentin des Pension Rights Centers von Zerohedge zitiert.
Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Finanzierungslücke im amerikanischen Rentensystem rund drei Mal so groß ist wie bislang angenommen.
Literatur:
Ohne Gnade: Polizeigewalt und Justizwillkür in den USA von Bryan Stevenson
Amerikas ungeschriebene Geschichte: Die Schattenseiten der Weltmacht von Oliver Stone
Amerikas Schattenkrieger: Wie uns die USA seit Jahrzehnten ausspionieren und manipulierenvon Eva C. Schweitzer
Quellen: PublicDomain/WSJ/Deutsche-Wirtschafts-Nachrichten am 22.04.2016





