Beim jüngsten Treffen mit Trump hat der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz laut Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts in Wien, eine Symbolfunktion für ganz Europa übernommen und den US-Präsidenten äußerst beeindruckt. Somit stellte er auch eine direkte Konkurrenz zur geschwächten Merkel dar.
Auffällig fand der Sozialforscher, dass Präsident Trump im Unterschied zu anderen Treffen den Kanzler Österreichs auf Augenhöhe wahrgenommen hat. Witzeling vermutet, dass Sebastian Kurz ein gutes Bild für Europa erzeugen konnte, das sonst in den Augen Trumps durch Merkel nicht so positiv besetzt ist. „Der amerikanische Präsident hat einen jungen dynamischen und ehrgeizigen, leistungsorientierten Menschen getroffen. Das hat einen Kapitalisten wie Trump natürlich beeindruckt. Und da war jetzt nicht die Überheblichkeit vorhanden, sondern fast väterliche Freundschaft.“
Kurz habe es geschafft, sagte Witzeling im Sputnik-Gespräch, im Vergleich zu Merkel ein junges und anderes Bild von Europa zu transportieren. „Man konnte sehen, wie Trump bewusst oder unbewusst bei der Verabschiedung beim Auto Kurz zuwinkt hat. Das heißt, Kurz hat es geschafft, als neuer konservativer Kreisky eine ganz andere Bewegung für Europa wieder in Gang zu setzen.“
Der Wiener Psychologe ist überzeugt, „dass das auch bei Trump eine Art Reflexionsprozess ausgelöst hat. Außerdem hat Kurz auch Ivanka Trump und Jared Kushner in seiner Altersgeneration getroffen, was strategisch sehr wichtig ist. Da ist die Beziehung zwischen Kurz und der Präsidentenfamilie noch einmal vertieft worden, da bin ich mir sicher.“
Witzeling glaubt, dass mit dem Treffen, „und das hat auch Trump in dem Interview und in der Pressekonferenz klar gesagt, eine ganz neue Zukunft im Spiel der freien Kräfte der Weltmächte USA, Russland und China angebrochen ist. Die Zeit der Oligopole, wo nur eine Macht, so wie die USA, eine Weltmacht war, ist vorbei. Kurz hat es sensibel geschafft, sich nicht nur Amerika anzubiedern, sondern auch seine Beziehung zu Russland stark zu betonen, auch in puncto der Gaspipeline, die entwickelt wird.“
Das Treffen Trump und Kurz habe gezeigt, fährt der Experte fort, „dass die neue Weltmacht der Zukunft jene sein wird, die auch mit kleineren und mittelgroßen Ländern die besten Kooperationen eingeht. Da hat Russland in den letzten zehn Jahren eine Vorreiterrolle gespielt, weil es sehr stark an seinem Image gearbeitet hat. Da müssen jetzt Amerika und Trump nachziehen, weil sie nicht mehr der einzige Kooperationspartner für Europa sind.“



