Nicht erst in den vergangenen zwei Wochen, sondern besonders heute hat sich ein schlimmer Verdacht massiv erhärtet. Womöglich sind nicht Parteipolitiker die wahren Politiker. Die Demosanitäter melden heute, am 25. Mai aus Paris, daß ganze Straßenzüge voll mit „Gelbwesten“ unterschiedslos verhaftet worden seien. Durch das Strache-Video wurde in Österreich eine erfolgreiche und durchaus beliebte Regierung zu Fall gebracht, nicht zufällig kurz vor der EU-Wahl. In Deutschland macht ebenfalls kurz vor der EU-Wahl ein angebliches Privatvideo auf Youtube mit inzwischen 7 Mio. Aufrufen Furore und wird vom Medien-Mainstream außergewöhnlich heftig promotet. Es stellt sich heraus, wer hinter der Produktion steckt. Die Redaktionen des Mainstreams haben eine Grünpräferenz, wie man aus entsprechenden Medienuntersuchungen weiß. Wozu wählen wir eigentlich?
Es kann kein vernünftiger Zweifel daran bestehen, daß das sog. politisch-mediale Establishment genau weiß, wie es um seine Zukunft steht, sollte es sich weiter an die offiziell geltenden Gesetze und Regelungen der europäischen Demokratien halten. Es wird schnell abgewählt werden, der bisherige „Qualitätsjournalismus“ gleich mit. Das ist das eine. Dazu kommt aber, daß eben diesem politisch-medialen Komplex klar geworden ist, wie sehr er in einer Zwickmühle steckt. Der Weg aus Wolkenkuckucksheim zurück in die Realität ist versperrt, zumindest für das bisherige Personal. Es hat jede Glaubwürdigkeit verloren. Es müsste vor der Realität kapitulieren, was dem Eingeständnis der eigenen Überflüssigkeit gleichkäme. Es wäre eigentlich ein Geständnis: Wir haben euch zugunsten unserer Visionen jahrzehntelang hinters Licht geführt, Luftschlösser gebaut, gelogen und betrogen. Zugunsten unserer Träume von einer besseren Welt – und darunter wollten wir es nicht mehr machen – haben wir, die wir immer wussten, daß es eine objektive Realität gibt, euch erzählt, jeder von euch könne problemlos seine eigene konstruieren.
Ein Gedankenspiel
Es folgt hier ein Gedankenspiel, in dem nichts behauptet wird. Zwar gibt es gute Gründe dafür, beispielsweise die Existenz eines menschengemachten Klimawandels zu bestreiten, aber hier geht es einmal nicht darum, was ist, sondern darum, was wäre, wenn.
Angenommen, es gäbe den menschengemachten Klimawandel tatsächlich nicht: Könnten die Grünen weiter bestehen bleiben? Könnten Greta Thunbergs Eltern weiterhin ihre behinderte Tochter vermarkten? Würden nicht alle bisher getätigten Investitionen in die Produktion von E-Autos als völlig sinnlos dastehen? Wie würde eine Regierung dastehen, die eben wegen des angeblich menschengemachten Klimawandels eine sündteure Energiewende veranlaßt hat? – Kurz: Hätte nicht die Darstellung des Illusionären als die Realität eine eigene, eben „postfaktische Realität“ geschaffen? Und wenn sie das hätte, und wenn von der Perpetuierung der Behauptung, es gebe keine objektive Realität, die objektive Realität des Seins derjenigen abhinge, die sie perpetuieren: Was würde ihnen blühen, wenn sie diese Perpetuierung nicht schaffen sollten? Was lehrt uns die Geschichte über die Schicksale derjenigen, die ganze Völker jahrzehntelang hinters Licht geführt und ausgesaugt haben? Und wissen das diejenigen, die sich morgen wie üblich zur Wahl stellen? – Natürlich wissen sie es.
Angst
Politiker fürchten die Wahrheit inzwischen deswegen so sehr, weil sie den Zorn und die Rache derjenigen fürchten, denen allmählich in zunehmender Zahl dämmert, daß etwas fundamental faul ist im Staate Dänemark. Auch, wenn sie noch nicht wissen, was es genau ist: Wer da allmählich aus seinem materialistischen Dämmerschlaf erwacht, sind die Wähler, die jahrzehntelang damit beschäftigt gewesen sind, vertrauensvoll die Mittel zu erarbeiten, welche die Illusionisten brauchten, um bei bester Bezahlung in Vollzeit ihre Wähler in jene Scheinwelt zu schicken, von deren lediglich behaupteter Existenz sie selbst ganz real profitierten. Das Vertrauen der Wähler darein, sie würden im Gegenzug für die Mittel auch eine Vertretung ihrer politischen Interessen erhalten, ist bereits gründlich erschüttert. Steuergelder wurden nicht für die Interessen der Bürger verwendet, sondern gegen sie. Nicht ihre Interessen wurden vertreten, sondern sie wurden indoktriniert, entmündigt, gegängelt, belogen, verraten und verkauft. Politiker und Journalisten wissen genau, daß es so gewesen ist. Sie müssen mit aller Macht verhindern, daß das allen anderen ebenso klar wird. Sie wissen: Wenn wir es nicht verhindern können, geht es uns an den Kragen. Also versuchen sie alles, was die Trickkiste hergibt, die Illusion von der Existenz eines Volksvertreters und eines an der objektiven Wahrheit orientierten Journalisten aufrecht zu erhalten.
Um beim oben genannten Beispiel zu bleiben: Es muß einen menschengemachten Klimawandel geben. Es darf nicht keinenmenschengemachten Klimawandel geben. Folglich muß es auch eine postfaktische Politik geben, die das Inexistente als existent behauptet. Der Rückweg in die Realität ist versperrt, Korrekturen sind unmöglich. „Das System“ kann nicht zurück in die Realität, weil es dadurch selbst offenbaren würde, wo es sich in der Vergangenheit herumgetrieben hat. Die Folgen für das System wären ein Desaster. Folglich werden die Methoden zu seiner Aufrechterhaltung in der Illusion immer grotesker, rigoroser, brutaler und totalitär. Das wiederum darf aber nicht erkannt werden. Das ist die politische Kunst heute: Sie besteht darin, sich als Politiker und Journalist in der Postfaktizität zu behaupten, um in der einen Realität zu überleben, die es aus ideologischen Gründen gar nicht geben darf. Das ließe sich fast beliebig weiterspinnen. Gibt es eine objektiv wahre Antwort auf die Frage, ob es die Unendlichkeit und die Ewigkeit gibt? Und wäre die Antwort noch das, was der Verstand als eine solche erkennen würde? Gibt es eine Welt ohne den Menschen? Wer würde die Antwort darauf liefern ohne den Menschen? Wer würde sie entgegennehmen? Kein Mensch, keine Welt – stimmt das? Ich will das hier aber nicht ausufern lassen. Es soll um die morgige EU-Wahl gehen.
Fest steht: Weder das Strache-Video noch das Rezo-Video gibt es, um etwas Reales zu beweisen. Was Strache angeht, habe ich unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Videos eine zutreffende Bemerkung dazu gelesen. „Wer als Nüchterner jemals besoffenen CSU-Politikern zugehört hat, kann über Strache nur müde lächeln„. Beide Inhalte, sowohl der des Strache-Videos als auch der des Rezo-Videos wirken nur deswegen so, wie sie wirken, weil sie geeignet sind, einen Glauben zu erschüttern, der unbedingt aufrecht erhalten werden muß. Weder erzählt das Strache-Video etwas über die besondere Verworfenheit Straches – sie ist nämlich nicht besonders – , noch erzählt das Rezo-Video etwas über den kritischen Geist eines jungen Mannes oder die besondere Qualität der Verfehlungen einer CDU. Rezo verfügt schlicht und einfach über keinen kritischen Geist, genauso wenig wie diejenigen, die ihm einen unterstellen. Die Verfehlungen der CDU sind vielleicht im Detail andere, als die anderer Parteien, aber qualitativ nimmt sich das nichts. Jederzeit könnte jedermann ein ähnlich „kritisches Video“ über jede andere Partei machen.
Der Unterschied zwischen den Altparteien und den Rechtspopulisten
Der Grund dafür, daß man morgen erstens unbedingt wählen muß, und daß man zweitens unbedingt rechtspopulistisch wählen muß, liegt nicht darin, daß Rechtspopulisten daran dächten, das System grundsätzlich zu ändern, dem sie früher oder später aufgrund der Anreize, die es setzt, selbst die Objektivität opfern werden. Der Grund ist ein anderer: Das System hat die Rechtspopulisten noch nicht in dem Ausmaß korrumpiert wie alle anderen Parteien. Das hängt mit der bisherigen Verweildauer im System zusammen. Bis sich Rechtspopulisten derartig im System festgefressen haben wie die Altparteien, wird es noch ein paar Jährchen dauern. Und auf diese paar Jährchen kommt es morgen an. Es müssen wichtige Weichenstellungen vorgenommen werden – und momentan sind es einzig und allein rechtspopulistische Parteien, die das tun werden. In zehn Jahren sieht es womöglich wieder anders aus. Das kann man natürlich heute noch nicht wissen. Wichtig ist im Moment, die Politik dem Einfluß gänzlich Ungewählter wieder zu entziehen. Durch die Wahl von Rechtspopulisten erschwert man Globalisten, Egalitaristen und kulturmarxistischen Nivellierern jedweder Art ihr Weiterkommen vermittels ihrer im System verankerten Marionetten (Macron, Merkel, Kurz et al) und verzögert die weitere Erosion des Nationalstaats als dem einzig denkbaren Rahmen für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Nicht, daß wir beides noch hätten, außer in unserer Einbildung, aber durch die Wahl von Rechtspopulisten erhöhen sich die Chancen, es wieder zurückzubekommen. Daß wir überhaupt noch Wahlen haben, hängt nur daran, daß die Altparteien unsere Illusionen zu ihrer Eigenlegitimierung brauchen.
Und vor allem: Durch die Wahl von Rechtspopulisten bekommt man wieder Verantwortliche. Gerade die „Fridays-For-Future“-Demos, der Hype um Greta Thunberg und das Rezo-Video offenbaren eine fiese Strategie – beim Rezo-Video mutmaßlich die der Grünen, und „mutmaßlich“ deswegen, weil die Produktionsfirma ihren Auftraggeber nicht nennen wird und dazu auch nicht gezwungen werden kann – die von den Altparteien eingeschlagen wird: Sie versuchen, unpopuläre Parteiziele in ihrer Funktion als Auftragnehmer supranationaler, globaler Interessenverbände (NGOs) als zivilgesellschaftliches Engagement von Privatpersonen zu verkaufen. Sie versuchen, sich auf diese Weise aus ihrer Verantwortung herauszustehlen, indem sie später zu behaupten planen, sie hätten nichts anderes getan, als die Zivilgesellschaft von ihnen verlangt hat. Das ist nichts weiter als ein folgerichtiger Schritt in der bereits etablierten Scheinrealität (Postfaktizität). Diese Vorgehensweise haben Rechtpopulisten (noch) nicht nötig. Deswegen gibt es keine Alternative zur Wahl. Man muß wählen gehen und denen seine Stimme geben, die noch nicht in dem Ausmaß gezwungen sind, die Realität zu leugnen, wie die, deren Existenz an der Perpetuierung ebendieser Leugnung hängt.
@jouwatch



