Frankfurt/Main – Es darf in Frankfurt nur eine Meinung geben. Die Meinung des gleichgeschalteten Mainstreams. Und damit diese nach DDR-Vorbild beschlossene Einheitsmeinung in der Mainmetropole medial auch gut rüberkommt, haben alle nennenswerten 56 Kulturinstitutionen der Stadt am Freitag laut einem Bericht der hessenschau die „Frankfurter Erklärung der Vielen“ vorgestellt. „Damit zeigen Theater, Museen, Kunst und Künstler klare Kante gegen rechts und reihen sich in eine bundesweite Aktion ein.“ verkündet der hessische Staatssender voller Stolz.
Zum Pressetermin hat sich die versammelte Riege der „Kulturschaffenden“ zum bunten Gruppenbild mit Damen auf den Treppenstufen der wiederaufgebauten Altstadt vor dem Historischen Museum eingefunden, um die „Erklärung der vielen“ auch optisch zu unterstreichen.
„Wir wenden uns gegen eine Verschiebung nach rechts und auch jedes andere menschenverachtende Verhalten“, sagte Sophie Osburg vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften der Universität Frankfurt, als Sprecherin der 56 Erstunterzeichner der Erklärung der hessenschau. Solchen Positionen wolle man keinen Raum geben. Jede Form von Rassismus, Homo- oder Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Islamophobie werde geächtet.
Kulturbetrieb im Endzeitmodus
Ein Rundumschlag also gegen alle Migrationskritiker, Islamkritiker, und erst gegen die Aktivisten der Gegenöffentlichkeit, die der geballten Staats- und Medienmacht nur ihre Sozialen Netzwerke, Blogs und alternative Nachrichtenplattformen entgegenstellen können. Nicht anderes gab es im DDR-Kulturbetrieb. Da bleibt man doch als Kulturfreund und Verfechter der Meinungsfreiheit lieber zu Hause. Zumal einige Institutionen wie das Schauspiel ihren künstlerischen Zenit längst überschritten haben und nur noch mit abgenutzten Klischees in der Mottenkiste linker Provokationskünstler herumsudeln, wie bei der Premiere von Beckets „Warten auf Godot“, das als dekadentes „Kunstparty im Klimawandel“ (Nachtkritik) von Kritikerplattformen als auch von der bürgerlichen FAZ tüchtig zerrissen wurde. So schrieb Hubert Spiegel ironisch: „Beckett wird hier mit kleiner Bürste und großen Gesten gegen seinen lakonischen Strich gebürstet. Lange kann das eigentlich nicht gutgehen. Dann müssten sich Becketts Borsten wiederaufrichten.“
Ergo: Wer nicht mehr zu bietet hat, der muss auf Andersdenkende eindreschen. Auf Menschen mit anderem Kultur- und Gesellschaftsverständnis. Auch Kritik von außen wird daher als Gefahr gesehen. So heißt es in der Erklärung, dass sich die Unterzeichner, die Kulturinstitutionen und Kulturschaffende vor völkisch-nationalistischen, fundamentalistischen, populistischen oder autoritären Ein- oder Übergriffen schützen müssten. Schützen? Haben Identitäre oder AfD schon mal eine Bühne gestürmt, die Schauspieler verprügelt oder in einem Museum Bilder von den Wänden gerissen?
Dazu SPD Kulturdezernentin Ina Hartwig: „Für die rechtsnationalen und identitären Bewegungen sind wir keine politischen Gegner, sondern Feinde.“ Die Kulturpolitik der offenen, pluralen Gesellschaft werde offen verabscheut.
Nach den oben genannten vernichtenden Theaterkritiken scheint es noch andere Menschen zu geben, denen der gleichgeschaltete Kulturbetrieb auf den Senkel geht. Angesichts der kleinen Plakataktion der Identitäten Bewegung gegen die Frankfurter Rundschau (Journalistenwatch berichtete) von Angriffen oder gar Übergriffen zu reden, zeugt von einer doppelten Moral, die nicht mehr zu toppen ist. Da haben die linken Krawalle bei der Einweihung der EZB-Bank mehr „Feindschaft“ in die Stadt gebracht, als die kaum nennenswerten friedlichen Aktionen der IB. Für das Protestcamp der EZB-Gegner hat übrigens der letzte Intendant Reese, die sanitären Anlagen des Theaters offengehalten. Die Ergüsse der staatlichen, gleichgeschalteten Endzeitkulturschaffenden kann man hier noch mal oder auf der entsprechenden Webseite nachlesen: (KL)
Und hier ist die peinliche Frankfurter Erklärung:
Nach dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, dem Zivilisationsbruch durch den Nationalsozialismus, und der Unterdrückung des freien Denkens durch menschenfeindliche Ideologie leben wir heute in Deutschland in einer demokratischen Gesellschaft im offenen Austausch miteinander und der Welt. Diesen offenen Geist unserer Gesellschaft gilt es zu bewahren und weiter zu entwickeln. Orte von Kunst und Kultur, Bildung und Wissenschaft, Museen und Ateliers, Bühnen und Clubs, Räume für Darstellung und Diskussion sind offene Räume, die vielen gehören. Kunst und Kultur sind Ausdrucksformen von Vielen und von Vielem – aber unter einer Voraussetzung: dass wir in einer pluralen Gesellschaft leben.
Diese unsere demokratische und künstlerische Freiheit ist nicht ohne Widersprüche und ist niemals einfach. Aber wir verteidigen sie gegen alles, was sie bedroht: völkisch-nationalistische, fundamentalistische, populistische oder autoritäre Weltbilder. Wir verteidigen sie gegen Stimmungsmache, Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen, wie z.B. jede Form von Rassismus, Homo- und Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Islamophobie, und geben solchen Positionen keinen Raum.
Wir grenzen uns ab gegen alle Versuche, Pluralismus und Vielfalt einzuschränken. Im Interesse des Gemeinwesens verpflichten wir uns zur Solidarität mit Menschen, die an den Rand gedrängt werden, wie auch dazu, anderen den Raum zu geben, sich an unseren Diskussionen und Entscheidungen zu beteiligen. Demokratie heißt, Zusammenleben immer wieder neu zu verhandeln.
Wir sind viele, jede*r Einzelne von uns. Es geht sowohl um den Zusammenhalt von allen als auch um jede*n Einzelne*n in einer Gesellschaft der vielen Möglichkeiten. In unserer Stadt kreuzen sich viele Lebenswege, unterschiedliche Interessen und Überzeugungen, soziale Lagen und Alltagserfahrungen. Frankfurt ist für uns auch die Stadt demokratischer Tradition und Toleranz, der künstlerischen Avantgarde und kritischen Theorie, des Buch- und Verlagswesens und einer diversen Stadtgesellschaft, die unser aller Zuhause ist. Zu dieser Geschichte gehören aber auch Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten bis hin zu den Verbrechen des Nationalsozialismus, begangen nicht zuletzt an jenen jüdischen Bürger*innen, welchen die Stadt viele ihrer Institutionen in Kultur und Bildung maßgeblich verdankt. Wir stellen uns allen Versuchen entgegen, diese historische Verantwortung zu relativieren.
Die Freiheit von Kunst, Kultur und Wissenschaft duldet keine Eingriffe. Sie schaffen einen Raum zur Veränderung der Welt. Zu dieser Veränderung wollen wir auch dadurch einen Beitrag leisten, dass unsere Angebote und Strukturen allen Menschen in unserer Stadt gleichermaßen offenstehen und gleiche Chancen und Teilhabe ermöglichen.
Diese Frankfurter Erklärung versteht sich als Teil der bundesweiten Aktion „Die Vielen“. Sie hat jeweils lokalen Charakter und wird über regionale Zusammenschlüsse in jeweils eigenen Erklärungen bundesweit verbreitet. Alle Unterzeichnenden sind Einrichtungen von Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft aus Frankfurt und Umgebung sowie freie Kunst- und Kulturschaffende, ihre Interessenvertretungen oder Verbände. Die Liste ist offen, ihre Unterzeichnung hat den Charakter einer Selbstverpflichtung.
Die Unterzeichnenden wenden sich mit dieser gemeinsamen Haltung an die Öffentlichkeit und orientieren sich in ihrer Arbeit an den erklärten Prinzipien. In einem regelmäßigen Austausch stellen sie sich und ihre Arbeit der gegenseitigen Kritik und Diskussion. Sie verpflichten sich zu gegenseitiger Solidarität mit Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden, mit Wissenschaftsinstitutionen und Wissenschaftler*innen, die durch Hetze und Eingriffe in die Freiheit der Kunst, Kultur und Wissenschaft unter Druck geraten. Sie machen den Text sowohl innerhalb der eigenen Organisation wie auch öffentlich bekannt, z.B. auf Internetseiten, in Programmheften, als Aushang in Foyers oder in einer anderen geeigneten Form.
Als Teil der bundesweiten Aktion können die Unterzeichnenden sowie ihre Veranstaltungen und Aktivitäten auf der Homepage www.dievielen.de sichtbar gemacht werden. Umgekehrt können sich die Unterzeichnenden an bundesweiten Aktivitäten und Kampagnen beteiligen.
@jouwatch



