Saarbrücken – Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Aus einer Anfrage der AfD, welchen kulturellen Hintergrund die meisten Messerstecher im Saarland haben, bauten die Medien ein merkwürdiges Konstrukt zusammen, dass dem Leser suggerieren soll: Die meisten Messerstecher sind Deutsche und heißen Michael. Der Zynismus beginnt bei der Saarbrücker Zeitung, die höhnisch als Ursprungsquelle textet: „Saar-AfD bekommt Antwort: Viele Messer-Kriminelle heißen Michael Daniel und Andreas“. Der Spiegel setzt nach und schreibt in der Headline: „Die meisten Messerangreifer heißen Michael“ und schwadronieren dabei im Vorspann: „Kriminalstatistiken sind ein beliebtes Thema der AfD. Im Saarland wollten die Rechtspopulisten es genau wissen und stellten eine Parlamentsanfrage zu Gewalttaten. Die Antwort dürfte sie ernüchtern.“
Wer sich die Mühe macht, weiter zu lesen – was heute nur noch wenige machen – dürfte eher über die manipulative Milchmädchenrechnung des Spiegels ernüchtert sein. Denn von den fast 1500 Messerattacken in den letzten Monaten wurden 842 also 56 Prozent von „Deutschen“ verübt. Nun hat das Saarland jedoch fast 1 Million Einwohner, aber nur 120 000 Ausländer (Saarbrücker Zeitung). Also etwa 12 Prozent. Nach dieser Statistik ist also eine kleine Minderheit von 12 Prozent der Bevölkerung für 44 Prozent aller Messerangriffe verantwortlich. Genau diese erschreckende Nachricht wird in den Medien komplett umgedreht. In der Zeitung DerWesten ist bei den deutschen Messerstechern sogar von einer „deutlichen Mehrheit“ die Rede. Der wirkliche Hammer ist jedoch, dass 122 Messerstecher Syrer sind, obwohl geschätzt nur etwa 15 000 Syrer im Saarland leben. Weiterhin konnten 36 Afghanen als Täter ermittelt werden mit ebenso geringem Bevölkerungsanteil. Doch zurück zu den 852 „Deutschen“.
Da wollte die AfD wissen, ob das wirklich Deutsche sind oder Ausländer mit deutscher Staatsbürgerschaft oder mit doppelter Staatsbürgerschaft. Auf diese Frage konnte die Landesregierung nur eine wage Antwort geben. Bei 14 wären eine doppelte Staatsbürgerschaft ermittelt worden. Bleiben also 838 übrig. Aber auch diese Zahl ist nicht ganz genau, denn die saarländische Regierung muss laut Spiegel zugeben. Zitat:
„Die Landesregierung weist allerdings auch darauf hin, dass es durchaus weitere Tatverdächtige mit doppelter Staatsangehörigkeit gibt. Um das allerdings im Detail herauszufinden, bräuchte es eine erneute händische und nicht nur eine automatisierte Auswertung. Darauf verzichtete die Landesregierung aufgrund des zu hohen Aufwands.“
Unterm Strich bleiben demnach vielleicht 800 deutsche Messerstecher übrig. 800 Personen von 1 Millionen Saarländern, während sich aus der kleinen Bevölkerungsgruppe der Asylzuwanderer und sonstiger Ausländer ziemlich genau die Hälfte aller Messerstecher rekrutiert. Und weil die AfD etwas ungeschickt nach den Vornamen der verbliebenen deutschen Messerstecher fragt, – um deren Migrationshintergrund zu erkunden, wird daraus die höhnische Schlagzeile „Die meisten Messerangreifer heißen Michael“, eine neue Art von „Mackie Messer“, eine mediale Art der Dreigroschenoper. Die Wiedergeburt des deutschen Messerstechers aus dem Stockholmsyndrom kranken Hirn der Moderne beruhend auf der rechnerischen Tatsache, dass es unter einer Million Deutschen eben eine Menge Michaels und Daniels gibt. Eine plumpe Masche der Manipulation, um mit sophistischen Klimmzügen einen Tatbestand ins Gegenteil zu drehen.
Demgegenüber gibt es Meldungen die ganz anders klingen. Zum Beispiel schrieb im April 2018 n-tv:
„Laut Berliner Kriminalstatistik gab es bei Auseinandersetzungen und Taten, bei denen Messer eingesetzt wurden, einen Anstieg um 13 Prozent, in Hessen stieg die Zahl sogar um 29 Prozent. Nur vier Bundesländer lieferten laut dem Bericht Zahlen zur Nationalität der Beteiligten. Dort waren häufiger Nicht-Deutsche oder Flüchtlinge unter den Tatverdächtigen.“
Die Unbequeme Wahrheit sieht so aus: Weil das BKA, trotz eines sehr leicht zu händelnden Tatbestandes und hinreichender Erfahrung nicht in der Lage ist gutes Zahlenmaterial über Messerangriffe mit Herkunft des Täters zu liefern und dies bis 2022 hinauszögert – (Quelle RP-online), werden nun alle, die den Finger in diese buchstäblich Bluttriefende Wunde legen, von einer gleichgeschalteten Staats und Propagandapresse vorgeführt und verhöhnt, während man gleichzeitig draußen im Lande immer wieder von der gleichen Presse liest. „Afghane, Syrer, … sticht zu.“
Was diese perfide Zahlengaukelei jedoch am meisten entlarvt, sind nicht die Zahlen der Täter deutscher Herkunft, sondern die Wirkung der Messerstiche. Viel interessanter wäre die Frage: Wer hat wem die Kehle durchgeschnitten, die Gedärme zerfetzt, die Lunge durchlöchert und sogar den Kopf abgetrennt? Und in diesem Zusammenhang werden mutmaßlich die Namen Mohamed und Ali viel öfter fallen als Michael und Daniel. Unbeantwortet bleibt bei der verzerrten Statik auch die Frage, ob sich Michael und Daniel mit ihren Messern gegen einen syrischen Angreifer wehren mussten. Ein Tipp an die Medien: Wenn schon alle Zeitungen wie in einer Diktatur gleichgeschaltet sind, solltet man wenigstens so viel Kreativität beweisen und peinliche Dubletten bei den Überschriften vermeiden. So haben Bildzeitung und Berliner Zeitung die gleiche Überschrift benutzt. Peinlicher geht’s nicht mehr, um allen zu beweisen, dass deutsche Redakteure nur noch von einander abschreiben und nicht mehr selbstständig denken können, dürfen oder wollen. Noch peinlicher, wenn sich zur Dummheit noch die Häme gesellt und dann als Qualitätsjournalismus verkauft wird. (KL)
@jouwatch



