Berlin – Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir ist betrübt über die Einordnung seiner Partei als linke Kraft. Die Grünen seien die Partei der Schöpfungsbewahrung, der Ökologie und der Nachhaltigkeit, meinte er. Tiefe Nachdenklichkeit simulierend, fragte er: „Ist das links? Ist das rechts?“ Das alles sei doch nur noch Gesäßgeografie, beantwortete er seine rhetorische Frage gleich selbst. Die Grünen kämpften schießlich ohne Wenn und Aber für den Erhalt der liberalen Demokratie, so Özdemir in der „Welt am Sonntag“.
Bei der Landtagswahl in Bayern hätten die Grünen „Menschen“ von der SPD und von der CSU bekommen. Man sieht also mit Verwunderung, daß auch der CSU-Wähler vom Rechten zum Menschen werden kann, sowie er die Grünen wählt. Cem Özdemir weiter: „Dauert eine solche Entwicklung an, verändert das auch den Charakter der Partei und den Blick, den wir auf die Gesellschaft haben.“ Und das ist das nächste, was man sehen kann: Der Charakter der Grünen – eigentlich ein grotesker Begriff im grünen Zusammenhang – liegt nicht in politischen Überzeugungen begründet, sondern in der Zahl ihrer Wähler und woher sie kommen. Eine solche Haltung wird gerade von Grünen gerne als „Populismus“ diffamiert. Wenn sie andere Parteien an den Tag legen. Und nur dann.
Der ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen bezweifelte zudem, daß Volksparteien noch eine Zukunft haben und sprach von einer regelrechten tektonischen Plattenverschiebung in der Parteienlandschaft. Dem Konzept „Volkspartei“ steht er kritisch gegenüber, was aber nichts Neues ist, weil gerade bei den Grünen jedwedes Volk schon längst zu den „die Menschen“ geworden ist. Die „Volkspartei“ist daher gerade für Grüne ebenso lange schon „Menschenpartei“. Özdemir schimpfte dann auf Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), weil der die Grünen partout nicht als bürgerliche Kraft begreifen will.
Der Ex-Parteichef krokodilstränig: „Wo bleibt die Demut, von der Söder sprach, wenn er dann auch den 190.000 Wählern die Bürgerlichkeit abspricht, die diesmal die Grünen statt der CSU gewählt haben?“. Das war wirklich überraschend. Bis dato hätte kein Bürger für möglich gehalten, daß das Wort „Demut“ im grünen Wortschatz überhaupt vorkommt. Für Bayern sei es keine gute Nachricht, so der geläuterte Linksextremist, wenn dort ein „Weiter so!“ gelte. Mit den Freien Wählern an der Seite der CSU sei das aber wahrscheinlich. Lediglich mit den Grünen hätte es jene Modernisierungen gegeben, ohne die auch und gerade Bayern dem Untergang geweiht sei.
Den Einwand, daß es in der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft Erleichterung darüber gegeben habe, dass die CSU ohne die Grünen regieren will, wischte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag folgendermaßen vom Tisch: „Mancher Verbandsfunktionär ist immer noch mehr Parteipolitiker als Unternehmervertreter. Ansonsten würde er aus rein wirtschaftlichem Interesse eine berechenbare Politik bevorzugen. So verstehen wir grüne Wirtschaftspolitik.“ Ausgeschlossen werden kann, daß Özdemir mit „grüner Wirtschaftspolitik“, die berechenbar ist, so verstanden werden wollte, daß sich Automobil-Bosse ausrechnen können sollen, bis wann sie ihre Fabriken komplett auf die Produktion von Fahrrädern umstellen müssen.
Für die Landtagswahl in Hessen hat Özdemir keine Koalition ausgeschlossen. So steht es in der „Welt am Sontag“. Womöglich muß die AfD jetzt mit einem unsittlichen Angebot hessischer Grüner rechnen. Der Spitzenkandidat der hessischen Grünen, Tarek Al-Wazir, habe sich aus guten Gründen gegen die `Ausschließeritis` gewandt, so Özdemir, und davor gewarnt, vorab zu erklären, mit wem die Grünen auf keinen Fall koalieren würden. (Quelle: dts)
Kommentar:
Özdemirs bauernschlaue Wandlung vom Saulus zum Paulus ist reine Berechnung. Nach wie vor sind die Grünen die Partei von Gender-Mainstreaming, totalem Egalitarismus und allgemein grenzenloser Volksbevormundung, kurz: Sie sind die paternalistische Verbots- und Entmündigungspartei par excellence.
Der Wind dreht sich aber allerorten, auch wenn die Grünen zur Zeit zulegen. Das aber liegt einzig und allein daran, daß es für den apolitischen, uninformierten und „irgendwie Linksfühlenden“ in Deutschland keine akzeptable andere Alternative mehr gibt. Sowie die Diskurshoheit der bundesdeutschen Salonbolschewisten in Politik und Medien jedoch gebrochen ist und die AfD ihr ungerechtfertigtes Stigma als „irgendwie Nazi“ los geworden ist, wird das grüne Strohfeuer verlöschen.
Was Özdemir erkannt hat, das ist, daß die infantile, revolutionäre Attitüde, welche die Grünen nach wie vor pflegen, auf Dauer zum Untergang seiner Partei führen wird. Der langfristige Trend läuft auf das Ende des doktrinären Linksliberalismus hinaus – und den will er einfach nicht verschlafen, sondern er will „dabei sein“. Deswegen seine Aussagen zu dem, was „eine Partei verändern könne“.
Seine Warnung vor Festlegungen hinsichtich unmöglicher Koalitionen könnte ein Hinweis darauf sein , daß in Hessen womöglich die Gründung einer „Windigen Baumfäller- und Vogelkiller-Partei“ unmittelbar bevorsteht .
Wer sehenden Auges durch die Welt geht, kommentiert eine derart bauernschlaue Taktik lediglich mit einem „Nachtigall, ick hör´dir trapsen“. (ME)



