Mainz – „Nach Nahles’ Rücktrittsankündigung berät die engere SPD-Parteiführung über das weitere Vorgehen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin wird schon länger als mögliche Vorsitzende gehandelt. Nun richten sich die Blicke abermals auf sie“ schreibt die FAZ. Malu Dreyer soll laut Bild als „Übergangsvorsitzende“ der SPD im Gespräch sein. Diese Bezeichnung hätten wohl eher ihre Vorgänger verdient. Malu Dreyer ist ein Machtmensch. Die bemühen sich nicht um ein Amt. Sie werden wie in einem Shakespeare-Drama dorthin getragen.
Malu Dreyer wohnt in der alten Römerstadt Trier im exklusiven Trierer Wohngebiet Schammatdorf, einem Vorzeige-Sozialprojekt, zusammen mit ihrem Mann, dem ehemaligen SPD-Bürgermeister von Trier Klaus Jensen. Dass passt gut zu ihr, denn in Trier residierte einst die Kaiserin Helena, die Mutter von Konstantin dem Großen. Eine mächtige Frau. Malu Dreyer hat zwar keine eigenen Kinder, aber mächtig ist sie trotzdem. Genau genommen die mächtigste Frau der SPD.
Echte Machtmenschen zeichnet aus, dass sie sich nie um ein Amt bemühen. Sie lehnen es sogar ab. So wie Richard III im gleichnamigen Drama von Shakespeare, der auf Bitten des Bürgermeisters König von England werden soll, zunächst ablehnt und behauptet, er sei ja so „demütig“, bis er schließlich „seufzend“ einwilligt. (WIKIDEDIA)
Ein weiteres Indiz für einen Machtmenschen ist das Folgen einer gewissen Staatsraison, die solche Personen unangreifbar macht. Das macht sie auch unempfindlich für Kritik und vor allem Anfeindungen. Der größte Feind der Ministerpräsidentin war und ist krankheitsbedingt stets der eigene Körper. Dass wurde medial an die große Glocke gehängt, als Vorbild für eine sich aufopfernde Politikerin jenseits aller Parteigrenzen. Auch das verleiht Macht und Unangreifbarkeit. Wer sollte Malu Dreyer jetzt noch besiegen? Sie macht ja alles nur aus Liebe zum Land und zur Partei.
In der Situation, in der sich die SPD gerade befindet, leuchtet Malu Dreyer fast wie eine überirdische Lichtgestalt. Gemäß dem Hölderlinsatz, „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, tritt sie gewissermaßen in die archetypischen Fußstapfen einer Cäsarin, die das Imperium vor dem Untergang bewahren soll. Man könnte Malu Dreyer auch als skrupellosen Gutmenschen bezeichnen, der für seine Überzeugung buchstäblich über Leichen geht. Eine Kostprobe dieser Eigenschaft lieferte sie bei der Rodalben-Affäre ab, die einer Erzieherin eines Jugendheimes das Leben kostete. (jouwatch berichtete) Die damalige Sozialministerin von Rheinland-Pfalz überstand alle Rücktrittsforderungen. Beleidigt oder zerknirscht das Handtuch werfen, gehört nicht zu ihrem Masterplan.
Dreyer hat die Aura der römischen Plebejer. Diese Vorläufer der Salonkommunisten verbanden stets Macht und Härte mit Volksnähe. So ist das kein Widerspruch, wenn Dreyer nach der Ermordung von Mia auf der Gegendemo in Kandel einerseits die Schlägertruppen der Antifa begrüßt, und anderseits auf irgendeiner Sitzung einem hohen Boss der BASF die Hand schüttelt. Auf beiden Schauplätzen macht sie eine gute Figur. Bei K-Gruppen wie bei knallharten Kapitalisten. Malu ist die Merkel der SPD. Sie hat ihren Machiavelli gelesen. Sollte sie wirklich Parteivorsitzende werden, wird sie die Partei auch als Kanzlerkandidatin küren. Wen denn sonst? Oder besser gefragt, wer ist eigentlich noch übrig?



