StartPolitikEuropaNach Protest bei Pressekonferenz: Erdogan-kritischem Journalist droht Abschiebung

Nach Protest bei Pressekonferenz: Erdogan-kritischem Journalist droht Abschiebung

Der linke Journalist Adil Yiğit, bekannt geworden nach seinem T-Shirt Protest am 28. September bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Merkel und Erdogan, bekam nun ein  Schreiben von der Hamburger Ausländerbehörde. Er soll bis spätestens Januar 2019 Deutschland verlassen – andernfalls werde er in die Türke abgeschoben.

Adil Yiğit, der als freier Journalist für die taz, Die Zeit und mehrere türkische Oppositionsblätter arbeitet, wurde einer breiteren Öffentlichkeit während des unrühmlichen Staatsbesuchs des türkischen Präsidenten Recep Erdoğan bekannt. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Angela Merkel am 28. September 2018 in Berlin trug Yiğit ein T-Shirt, auf dem in türkischer und deutscher Sprache „Pressefreiheit für Journalisten in der Türkei“ geschrieben stand. Er wurde von Sicherheitsleuten rüde abgeführt, was von Kritikern als Kniefall vor dem türkischen Islamisten kritisiert wurde. Keiner der anwesenden Pressekollegen protestierte.

Am 28. Oktober 2018 teilte Yiğit der dpa mit, Deutschland habe die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt. Ihm drohe die Abschiebung, wenn er nicht bis zum 22. Januar 2019 Deutschland verlassen habe. Gegenüber der Bildbestätigte der 60-Jährige Journalist, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt, dass er überzeugt davon sei, dass seine geplante Abschiebung politisch motiviert ist. Es hat natürlich mit seiner T-Shirt-Aktion in Berlin zu tun, so Yiğit. Von der Hamburger Ausländerbehörde sei ihm nahegelegt worden, einen Asylantrag zu stellen. Er kämpfe jedoch darum, dass sein regulärer Aufenthaltsstatus verlängert wird.

Von den Linken, die im Fall Tommy Robinson natürlich ihre Klappe gehalten haben, erfährt Yigit nun Unterstützung:

Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sevim Dagdelen, hat die geplante Ausweisung des türkischen Regierungskritikers und Journalisten Adil Yigit scharf kritisiert. „Ich finde die Ausweisungsverfügung gegen diesen prominenten Erdogan-Kritiker ungeheuerlich“, sagte sie dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Montagsausgaben). „Sie tritt Demokratie und Rechtsstaat mit Füßen.“

Dagdelen fügte hinzu: „Da Frau Merkel bei der Pressekonferenz zugegen war, erwarte ich von ihr, dass sie sich persönlich für Yigit einsetzt – wenn sie sich nicht den Vorwurf gefallen lassen will, er würde für seinen legitimen Protest verfolgt und bestraft.“ Die Linken-Politikerin kündigte an, ihre Partei werde die Ausweisungsverfügung der Hamburger Ausländerbehörde „so nicht hinnehmen“. Der grüne Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“: „Spätestens seit den Bildern auf der gemeinsamen Pressekonferenz der Bundeskanzlerin mit Erdogan während des Staatsbesuches in Berlin dürfte jedem klar sein, was ihm in der Türkei blüht.“

Der 60-Jährige, der seit mehr als 35 Jahren in Hamburg lebt, hat den Ausweisungsbescheid am Freitag bekommen. Yigit führt ihn auf seine Protestaktion während der Pressekonferenz des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit Kanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt Ende September zurück, so die Zeitung. Yigit hatte ein weißes T-Shirt übergezogen, auf dem stand: „Freiheit für Journalisten in der Türkei“.

Daraufhin brachten ihn deutsche Sicherheitskräfte aus dem Pressesaal im Bundeskanzleramt. Nun sei die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt worden, sagte Yigit. Er müsse das Land bis zum 22. Januar 2019 verlassen oder werde abgeschoben.

Noch vor wenigen Wochen habe ihm die Ausländerbehörde Hamburg mitgeteilt, das Verfahren so lange ruhen lassen zu wollen, bis er die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen habe, sagte Yigit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Nun aber sei der Brief mit dem Ausreisetermin gekommen. Yigit, einst Mitglied bei der marxistischen Organisation Devrimci Sol, war Anfang der 1980er Jahre als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er betreibt die Website „Avrupa Postasi“.(SB, dts)

@jouwatch

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