Die bayerische Landesausstellung 2020 steht unter dem Motto „Stadtluft macht frei – Wittelsbacher Stadtgründer“. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, ist entsetzt. Sie sieht eine Nähe zur menschenverachtenden Toraufschrift an nationalsozialistischen Konzentrationslagern – „Arbeit macht frei“. Entsetzlich ist etwas ganz anderes: Menschen, die ihre Neurosen pflegen.
Frau Knobloch fordert die sofortige Umbenennung der Landesausstellung, schreibt br24. „Stadtluft macht frei“ geht gar nicht. Das ist natürlich betrüblich. Ausgerechnet die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern zu empören, das möchte natürlich niemand. „Ohne großes Aufhebens sollte das ganz schnell geändert werden„, meint Frau Knobloch. Weil Stadtluft, die frei macht, Menschen vergifte, sogar junge Menschen – und einen sehr schlechten Beigeschmack habe, sagte die israelitische Kultuspräsidentin dem Bayerischen Rundfunk. Der Ausstellungstitel wecke Assoziationen mit den Vernichtungslagern: „Das ist ein ganz klarer Ausdruck, der jedem wehtut, der damit zu tun hatte„, so die Bedenkenträgerin weiter.
Vielleicht könnte man das Motto der Landesausstellung abändern in „Frei macht die Stadtluft“? Man sollte freilich vorher mit Frau Knobloch höflichst abklären, ob sie sich durch die Wortfolge „Frei macht …“ an „Wer macht …“ erinnert fühlt. Jedenfalls sollte man verhindern, daß Frau Knobloch jemals an der Universität von Freiburg im Breisgau vorbeifährt. Dort macht die Wahrheit die Studenten frei. Jedenfalls ist die These, daß Wahrheit frei mache, das Motto der Universität seit 1457.
So verständlich es auch ist, daß Frau Knobloch bis zum heutigen Tage ihre Assoziationen nicht loswurde, so bedauerlich ist es auch, daß sie sich bis heute nicht angewöhnen konnte, sie als ihre eigenen zu begreifen und daß sie die Öffentlichkeit mit ihrer assoziativen Neurose besser unbehelligt lassen sollte. Die geschichtliche Reihenfolge war nämlich so: Der Spruch „Stadtluft macht frei“ stammt aus dem 13. Jahrhundert, als sich die Städte allmählich entwickelten. Freie Reichsstädte – nicht Dritte Reichsstädte – waren nur dem Kaiser Rechenschaft schuldig. In die Stadt umzuziehen, befreite den Leibeigenen von seiner Dienstpflicht dem Dienstherrn gegenüber. Er wurde nach etwa einem Jahr in der Stadt freier Bürger. Hier gälte es, eine geschichtliche Reihenfolge zu beachten.
In Deutschland hat bereits alles mögliche „frei gemacht“, bevor den Nazis die Arbeit auch noch als „befreiend“ aufgefallen ist. Wahrheit, Wissen, Lauterkeit, Schulden zurückzahlen und etliches mehr standen bereits im Ruf, frei zu machen, ehe die Arbeit angeblich auch noch frei machte.
Es tut mir wirklich leid für Frau Knobloch, daß sie von den Nazis derartig traumatisiert worden ist. Von den Nachkriegsgeborenen kann da aber niemand etwas dafür. Und so leid mir das tut: Es gibt auch heute noch Gasflaschen, Güterzüge, Rampen, Autobahnen, Parteitage, den Führerschein, den Obersalzberg, die Vernichtung, das Lager und die Konzentration. Und die deutsche Sprache ist im wesentlichen auch immer noch diesselbe wie anno dunnemals.
Meinereiner wird den Verdacht nicht los, daß Frau Knobloch gern ein wenig übers Ziel hinausschießt. Meinereiner braucht das nicht, um sich der Gräuel der Nazizeit bewußt zu sein. Wer angesichts eines linksextremistischen, gewaltaffinen Straßenpöbels und der Tatsache, daß Konservative hierzulande in der Kneipe mitunter kein Bier bekommen, keine Hotelzimmer buchen können, tätlich angegriffen und schwer verletzt werden, Morddrohungen erhalten – und daß ein Musikprofessor vor sechs Jahren bereits die Todesstrafe für „Kondomablehner und Klimaleugner“ gefordert hat, ausgerechnet die AfD mit den furchtbaren Nazis gleichsetzt, beweist eigentlich, daß es nicht die Anderen sind, die aus der Geschichte nichts gelernt haben, sondern daß er selbst der Ignorant ist.
Im übrigen wäre Frau Knobloch sehr gut beraten, einmal diejenigen ins Visier zu nehmen, die heutzutage die ärgsten Judenfeinde der Welt in Massen ins Land holen. Im gleichen Atemzug sollte sie diejenigen loben, die dieses Riesenproblem am eindringlichsten thematisieren. „Stadtluft macht frei“ als Motto der Landesausstellung zur Entwicklung der Stadt im Mittelalter, ist in keiner Weise zu beanstanden. Das permanente Kidnapping der gesamten deutschen Geschichte, um in maximal egozentrischer Borniertheit immer und immer wieder „auf den wunden Punkt“ zu kommen, darf man wohl spätestens im Jahr 2019 als höchst unanständig bezeichnen. Ich bin nicht die moralische Geisel von Frau Knobloch und sie hat es deshalb zu unterlassen, sich zu benehmen, als sei sie meine Geiselnehmerin. Shalom, Frau Knobloch!
@jouwatch



