Paris/Straßburg – Antisemitische Angriffe gegen den französisch jüdischen Philosophen Finkielkraut bei einer Pariser Gelbwestendemo, geschändete Gräber im Elsass und ein deutlicher Anstieg judenfeindlicher Straftaten: Drei Dinge, die ursächlich nicht unbedingt zusammengehören, aber wenn man sie, wie der Nachrichtendienst N-TV, zusammen nennt, auch zusammen passen. Jedenfalls kommen sie vor allem dem angeschlagenen Präsidenten Emmanuel Macron gelegen, der nun wie Cerberus, eine Demokratie verteidigen kann, die er durch seine Politik selbst destabilisiert hat.
Steckt am Ende also etwa der französische Geheimdienst selbst hinter solchen Aktionen? Spätestens seit der Versenkung des Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior weiß man, dass die Handlanger des Elysee Palastes auch über Leichen gehen. Die Reaktionen auf die antisemitischen Aktionen sind beachtlich. Alles läuft wie nach Plan: In Paris und anderen Städten sind Großkundgebungen gegen den Antisemitismus geplant und Israel fordert französische Juden zur Ausreise auf.
So schreibt n-tv: „Nach den jüngsten antisemitischen Vorfällen in Frankreich hat die israelische Regierung die französischen Juden aufgerufen, Frankreich den Rücken zu kehren und nach Israel auszuwandern. Die Schändung eines jüdischen Friedhofs wecke „Erinnerungen an die dunklen Zeiten in der Geschichte der Juden“, sagte Einwanderungsminister Joav Gallant in Jerusalem.“
Passt die Grabschändung ins politische Konzept?
Im elsässischen Quatzenheim, unweit von Straßburg, sind fast 100 Gräber auf dem jüdischen Friedhof geschändet und Grabsteine mit blauen oder gelben Hakenkreuzen beschmiert worden. Die Präfektur verurteilt die „abscheuliche antisemitische Tat“. Die Staatsanwaltschaft in Straßburg ermittelt und droht mit harten Strafen. Wie jedes Mal. Denn die Schändungen jüdischer Friedhöfe sind im Elsass leider keine Seltenheit und haben bereits vor Erscheinen der Gelbwesten traurige Dimensionen angenommen. Neu ist und einmalig, dass ein Präsident von Paris aus in das Elsass eilt, um demonstrativ den Tatort zu besuchen. Zusammen mit dem französischen Großrabbiner Haim Korsia.
Ein Rückblick: Am 30. April 2004 – Hitlers Todestag – wurde laut der jüdischen Online-Plattform hagalil im Herrlishausen bei Colmar ein jüdischer Friedhof verwüstet. 127 Grabsteine wurden umgeworfen oder beschmiert, teilweise mit SS-Runen. Es war das vierte Mal, dass dieser Friedhof Ziel von Neonazis wurde. Doch bereits im Jahr 2004 stellt hagalil fest: „Insgesamt wurden in Frankreich im ersten Vierteljahr 2004 bereits 67 antisemitische Straftaten und 160 Drohungen registriert. Dabei gehen allerdings beileibe nicht alle solche Taten auf rechtsextreme Kreise zurück; denn auch sozial marginalisierte Randgruppen der arabischstämmigen Einwandererjugend verüben seit dem Jahr 2000 vermehrt Übergriffe auf französische Juden.“ Einen besonders heftigen Angriff auf einen jüdischen Friedhof im benachbarten Lothringen gab es 2015. Laut einem Bericht der Stuttgarter Nachrichten sind hunderte jüdische Gräber auf einem Friedhof im ostfranzösischen Sarre-Union geschändet worden. Auch hier nicht das erste Mal. „Der jüdische Friedhof von Sarre-Union ist bereits zum dritten Mal geschändet worden. Im Jahr 1988 wurden etwa 60 jüdische Stelen dort umgeworfen und im Jahr 2001 mehr als 50 Gräber verwüstet.“
All diese schändlichen antisemitischen Angriffe haben außer Betroffenheit und Empörung wenig hervorgerufen. Nun gehen Massen auf die Straße. Gesteuert und forciert von einer Regierung, die gegen andere Massen, den Gelbwesten, Gummigeschosse und Rauchgasgraten einsetzt. Die Großkundgebung in Paris soll unter dem Motto „Es reicht“ („Ça suffit!“) stehen. Getragen und unterstützt wird sie von allen größeren Parteien außer dem France national. „Als höchster Regierungsvertreter nimmt Premierminister Edouard Philippe an dem Marsch teil. Zugesagt haben auch die Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande sowie Ex-Premierminister Bernard Cazeneuve.“ schreibt n-tv weiter. Laut einem Artikel der WELT ist in Frankreich die Zahl antisemitischer Straftaten drastisch angestiegen. Allein 2018 wurden 541 Übergriffe registriert. Das ist ein Anstieg von 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner ist entsetzt: „Der Antisemitismus breitet sich aus wie ein Gift“. Doch um die eigentliche Gretchenfrage – woher der Hauptteilteil stammt – drücken sich Frankreichs Eliten seit Jahren herum.
„Das ist die Rhetorik der Islamisten“
Einen eindeutigen islamistischen Charakter hatte die antisemitische Verbalattacke auf den bekannten französischen jüdischen Philosophen Alain Finkielkraut. Das als wertkonservativ- bis rechts geltende Mitglied der Akademie Francaise war nach Medienberichten (WELT) am Wochenende am Rande einer „Gelbwesten“-Demonstration beleidigt worden. Zwar warnt auch der 69-Jährige vor einer neuen Form von Antisemitismus und ist besorgt „um alle Juden Frankreichs“. Aber er weiß zu differenzieren. Zu eindeutig waren die Beschimpfungen und das Aussehen der Täter, die den Philosophen im Viertel Montparnasse umringten. Zwar sei er nicht direkt als „Jude“ beschimpft worden, dafür aber als „dreckiger Scheiß-Zionist“. „Drecksrasse“ und „Du wirst sterben“ sind ihm außerdem zugerufen worden. „Es handelt sich um einen neuen Typ von Antisemitismus, dem wir ins Auge sehen müssen.“ berichtet der Intellektuelle dem Figaro. „Ein Mann mit leichtem Bart rief mir zu: ‚Gott wird dich bestrafen!‘: Das hat nichts mit der Sprache des Rechtsextremismus zu tun. Das ist die Rhetorik der Islamisten“.
War die Verbalattacke auf den Philosophen Zufall? Seit Jahren schon warnt der 69-Jährige vor den Folgen der Masseneinwanderung. In dem Essay „Die unglückliche Identität“ kritisierte er die „Blindheit“ vieler Linker, die den Antisemitismus der zweiten und dritten Generation der nordafrikanischen und arabischen Einwanderer „nicht sehen wollen“. „Die gegenwärtigen Hasser im Internet sind keine Identitären, sondern leider Leute, die von der extremen, gutmeinenden Linken kommen“, so Finkielkraut im „Figaro“.
Die Thesen des Philosophen werden durch das Video, das den Zwischenfall festhielt, mehr als bestätigt. In dem Streifen ist ein junger, bärtiger Mann zu sehen, der ein Palästinensertuch schwenkte und dem Philosophen „Frankreich gehört uns!“ zuruft. Andere Gelbwesten stimmten ein mit „Wir sind das Volk“. Bei dem Wortführer soll es sich laut Geheimdienstinfos um einen radikalen Islamisten handeln. Aber scheinbar um einen gut informierten, denn Finkielkraut trägt keine Kippa und könnte genauso gut ein waschechter Franzose sein. Sorgen bereitet auch die Frage, warum sich gleich ein antisemitischer Mob um den Rädelsführer gescharrt hat. Sind die französischen Gelbwesten am Ende islamistisch unterwandert oder werden sie von dubiosen Machtgruppen gesteuert? (KL)
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