StartPolitikEuropaÜberflüssige Wörter: In der SPD wird man jetzt über alles reden

Überflüssige Wörter: In der SPD wird man jetzt über alles reden

In der Basler Zeitung sieht man Furchtbares. Über einem Bild von Andrea Nahles in Mao-Klamotten steht als Schlagzeile: „Wir werden über alles reden. Über alles.“ Das muß nichts Besonderes heißen. Im Irrenhaus reden sie auch über alles. Über alles.

Schon die Ankündigung des raffinierten Plans, über alles reden zu wollen, verheißt nichts Gutes. Man merkt sofort, daß es immer auch darauf ankommt, wer genau über alles reden will.

SPD-Chefin Andrea Nahles hat nach dem Wahldebakel in Bayern ihre Partei zur Geschlossenheit aufgerufen.

Sensationeller Aufruf. Den ganzen altersschwachen Haufen erst einmal engstmöglich um den Kern der Partei herum zusammenschnüren – und dann über alles reden, worüber man so noch reden kann. Ein absoluter Spitzenplan.

„Wir müssen jetzt nach vorne schauen“, hob sie besonders mit Blick auf die in knapp zwei Wochen anstehende Landtagswahl in Hessen hervor.

Für diese notorische Nachvorneschauerei in ihrer ganzen Breite sind Politiker aller Parteien anfällig, hat man den Eindruck. Der CSU-Generalsekretär Blume will auch nach vorne schauen. Bereits in der Vergangenheit haben Politiker gern nach vorne geschaut. Wenn man sich umdreht und nach hinten schaut, kann man sie in der Vergangenheit noch dabei beobachten, wie sie nach vorne schauen, genau auf den Punkt, an dem man gerade steht. Scheint nicht viel zu nützen, dieses Nachvornegeschaue.

Nahles räumte erneut eine Mitverantwortung der Bundesebene für das SPD-Ergebnis in Bayern ein.

Gipfel der Kombinationsgabe. Nahles scheint die Sherlocka Holmeska der Partei zu sein.

Das schlechte Bild der Bundesregierung hat auch dazu beigetragen, dass wir nicht durchgedrungen sind mit unseren Themen.

Da rekapitulieren wir doch kurz einmal, was es auf den Wahlplakaten der blonden Sozialdemokratskaja Kohnenska in Bayern zu lesen gab. „Anstand“, „Zeichen setzen“, „Gerechtigkeit“ und „Gerecht ist, was Wohnraum schafft“. Es stimmt: Irgendwie sind die Doofsozen nicht bis zum Wähler durchgedrungen mit ihrem Thema Gerechtigkeit = Wohnraumschaffung. In Bayern weiß jedes Kind, daß Gerechtigkeit und Wohnraumschaffung zwei verschiedene Angelegenheiten sind.

Vorerst gehe es für die SPD darum, in den Wahlkampf in Hessen «alle Power reinzustecken», sagte Nahles weiter.

Der Sozenbrut hilft auf die Dauer nur geballte Frauenpower. Wie man sieht. Den gewöhnlichen Bürger erinnert das eher an einen Trabi, der mit hochdrehendem Motörchen powervoll am Start des Pikes Peak-Rennens steht, um gleich die Kupplung fliegen zu lassen. Rä-nänn-nännän …

Inhaltlich setze sie dabei weiterhin auf Themen wie Wohnen oder gerechte Arbeit. «Wir sehen uns durch Umfragen darin bestätigt, dass das die richtigen Themen sind», sagte die SPD-Chefin.

Neulich in der SPD-Parteizentrale: Die Spitzengenossen sitzen einträchtig da. Die Augen andächtig auf die Zimmerdecke gerichtet, bohren die einen dabei in der Nase, andere starren auf die Tischplatte und putzen sich mit angestrengter Miene die Fingernägel aus, während sie solidarisch darüber grübeln, was wohl richtige Themen sein könnten. Nach zwei still verstrichenen Stunden gähnt einer und sagt: „Ich hab´s. Wir machen eine Umfrage“.

Die SPD müsse jetzt «kämpfen» und daneben «Tempo machen mit unserer Neuaufstellung».

Ganz wichtig: Über dem ganzen pfiffigen Plan die Phrasendrescherei nicht vergessen!

«Wir haben so geschlossen gekämpft wie noch nie», sagte Kohnen zur Bayern-Wahl. «In dieser Geschlossenheit, aber auch mit aller Offenheit werden wir in unseren Gremien in die Analyse gehen», kündigte sie an. Dabei «werden wir über alles reden, und alles heisst: über alles».

Was wollen wir Martin Schulz zum Geburtstag schenken? Einen neuen Geldbeutel vielleicht? Braucht Andrea Nahles eine andere Frisur? Ist eine geschlossene Abteilung in der Klapse, wenn sie offen gelassen wurde, noch eine geschlossene Abteilung? Über alles zu reden heißt: Über alles.

Kritischer als Nahles äusserte sich Kohnen zur Grossen Koalition. «Wir haben gespürt, dass die Grünen deutlich freier waren», sagte sie zu deren Wahlerfolg, während zugleich die SPD abstürzte.

Dabei war die SPD schon abgestürzt, bevor die Kohnenska etwas zum Wahlerfolg der Grünen gesagt hat. Aber gut: Woran war sie denn aus Berlin gehindert worden bei ihrem Bayernwahlkampf? Hat man ihr untersagt, neben den Wörtern „Anstand“, Gerechtigkeit“ und „Gerecht ist, was Wohnraum schafft“ auch noch „Butterkeks“, „Flaschenbier“ und „Dick ist, wer zehn Schnitzel schafft“ kleben zu lassen? Oder was?

Die Menschen seien den Sozialdemokraten «mit einer unglaublichen Skepsis» begegnet, sagte Kohnen.

Völlig normal. Wenn die Klapse auf Betriebsausflug ist, schauen seit jeher alle skeptisch, denen sie dabei entgegenkommt.

Zur politischen Zukunft von CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte Kohnen, schon seit dessen Äusserung, Migration sei die Mutter aller Probleme, sei für sie klar: «Ein solcher Mann ist für mich nicht mehr tragbar, der das Land spaltet statt zusammenzuführen.

Zusammenführung, Offenheit, dazu geschlossene Weiberleut, sind zusammen doofer, als ein Horst Seehofer. Und der ist schon schlimm.

Aber keine Panik, SPD. Jetzt redet ihr erst einmal über alles. Und das heißt: Über alles. Danach sehen wir weiter. Nach vorne. Und dann geht es mit Tempo auf in den Kampf um die Zukunft der Phrasendrescherei. Wird schon wieder werden.

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