Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) rechnet nach der Machtübernahme der Taliban damit, dass 300.000 bis fünf Millionen weitere Afghanen sich auf die Flucht begeben.Das sagte der CSU-Politiker nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Montag bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs. Einen Zeitraum nannte er demnach nicht, wie auch die Zielländer der Flüchtlinge. Auch der „Spiegel“-Journalist Matthias Gebauer berichtete auf Twitter über die Äußerung Seehofers unter Verweis auf ein Briefing für Fraktionschefs im Bundestag. In der Vergangenheit haben insbesondere der Iran, Pakistan und die Türkei Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen. In Deutschland lebten zum Ende des Vorjahres 271.805 Afghanen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zählte zum Stichtag 31. Dezember 2020 gut 216.000 schutzsuchende Afghaninnen und Afghanen.
Innenminister Horst Seehofer befürchtet nach der Machtübernahme der #Taliban bis zu fünf Millionen Flüchtlinge, die dem Emirat entkommen wollen. Die Schätzung nannte er in einem Briefing für Fraktionschefs im Bundestag, das Kanzlerin Merkel heute anberaumt hatte. #Afghanistan
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet laut Berichten nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan eine wachsende Zahl von Flüchtlingen. „Viele Menschen werden versuchen, das Land zu verlassen“, sagte Merkel laut der Nachrichtenagentur AFP in der Sitzung der CDU-Parteigremien in Berlin. Die Bundesregierung werde eng mit den Nachbarländern Afghanistans zusammenarbeiten und „sollte alles tun, um den Ländern dabei zu helfen, die Geflüchteten zu unterstützen“, wird Merkel zitiert. Unter anderem berät der Berliner Senat bereits über die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan.
Machtübernahme durch die Taliban
Die islamistischen Taliban hatten in den vergangenen Tagen in einem schnellen Tempo eine Stadt nach der anderen in Afghanistan eingenommen, waren am Sonntag auch in die Hauptstadt Kabul eingedrungen und haben bereits den Präsidentenpalast eingenommen. Die Bundesregierung hatte angesichts der dramatischen Lage am Freitag entschieden, das Botschaftspersonal auf ein Minimum zu reduzieren.
Vizekanzler Olaf Scholz hat die Machtübernahme durch die Taliban in Afghanistan als bedrückende Entwicklung bezeichnet, denn in dem Land würden nun viele Hoffnungen etwa auf mehr Schulbildung, mehr Frauenrechte, auf mehr Demokratie und Rechtsstaat zerstört. CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kündigte eine schonungslose Fehlersuche an. Es sei evident, dass das Engagement der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan kein Erfolg gewesen sei. Es sei das größte Debakel, das die Nato seit ihrer Gründung erleide, sagte Laschet am Montag nach einer Präsidiumssitzung der CDU. Er sprach von einem „Epochenwechsel“. Man sehe, dass die Handlungsfähigkeit Europas ohne Unterstützung der USA nicht gegeben sei. Laschet betonte auch, dass sich die Fehler von 2015 nicht wiederholen dürften. Die EU werde in großem Umfang ihre humanitäre Hilfe in der Region ausbauen.



