StartPolitikEuropa„Ich schäme mich“: Linken-Politiker distanzieren sich von ungeimpfter „Schwurblerin“ Wagenknecht

„Ich schäme mich“: Linken-Politiker distanzieren sich von ungeimpfter „Schwurblerin“ Wagenknecht

„Keine Frage der Solidarität“ – so hat sich Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht am Sonntagabend bei „Anne Will“ zur Corona-Impfung geäußert. Nun wird die Bundestagsabgeordnete dafür vor allem in der eigenen Partei stark kritisiert.„Auch wer geimpft ist, kann andere anstecken“, sagte Wagenknecht in der ARD-Sendung. Sie wolle sich also nicht impfen lassen. Es sei eine individuelle Entscheidung, pochte sie – „Wer sich impfen lässt, der schützt in erster Linie sich selbst“. Sie verwies dazu auf die Weigerung der Impfmittelhersteller, für mögliche Langzeitnebenwirkungen ihrer Medikamente zu haften und prophezeite, es werde mit den mRNA-Impfstoffen keine Herdenimmunität geben. Außerdem sagte die Linken-Politikerin, dass ein gesunder Mittdreißiger ein geringes Risiko habe, zu erkranken. Dass es Long Covid gäbe, sei außerdem umstritten, meinte sie – zur Empörung anderer Teilnehmer der Live-Debatte, darunter des SPD-Politikers Karl Lauterbach.

Nun wollen viele Linken-Politiker Wagenknecht ans Leder

„Long Covid ist nicht umstritten, sondern bittere Realität für viel zu viele Menschen“, schrieb der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linken, Niema Movassat, auf Twitter. „Das zu bestreiten ist ein Schlag ins Gesicht tausender und abertausender Menschen.“ Er schäme sich, dass Wagenknecht „so einen Unsinn“ im Namen seiner Partei vertrete.

Niema Movassat@NiemaMovassat#Longcovid

ist nicht umstritten, sondern bittere Realität für viel zu viele Menschen. Das zu bestreiten ist ein Schlag ins Gesicht tausender und abertausender Menschen. Ich schäme mich, dass #Wagenknecht so einen Unsinn im Namen meiner Partei DIE #LINKE vertritt. #AnneWill

„Klarstellung: Wagenknecht spricht nicht für die Linke!“, äußerte sich auch der geschäftsführende Landesvorstand der Linken in Baden-Württemberg, Luigi Pantisano. Er wünschte sich, dass stattdessen die beiden Linken-Vorsitzenden Janine Wissler und Susanne Hennig in die Talkshows eingeladen würden.

Luigi Pantisano@LuigiPantisano

Klarstellung: #Wagenknecht spricht nicht für DIE LINKE! Sie vertritt ihre eigene Meinung. Wäre schön, wenn stattdessen unsere beiden Vorsitzenden @Janine_Wissler und @SusanneHennig in diese ganzen Talkshows eingeladen werden.

Auch Dietmar Bartsch, als Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag bestätigt, distanzierte sich indirekt von der Äußerung Wagenknechts. „Weiterhin werbe ich nachdrücklich dafür, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, auch aus Gründen der Solidarität“, schrieb der 63-Jährige seinerseits auf Twitter.


Dietmar Bartsch@DietmarBartsch

Weiterhin werbe ich nachdrücklich dafür, sich gegen #COVID19 impfen zu lassen, auch aus Gründen der #Solidarität@dieLinke

Auch die ehemalige Berliner Senatorin für Gesundheit und später für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher (Linke) betonte ihrerseits, dass Wagenknecht nicht in ihrem Namen und „schon gar nicht für die Linke“ spreche.

Katrin Lompscher@KLompscher#Wagenknecht

bei #AnneWill spricht nicht in meinen Namen und schon gar nicht für #DieLinke. Das gilt ausdrücklich nicht nur für das Thema dieser Sendung. #over

„Impfgegnerin“ Wagenknecht keine Bühne geben?

Die Grünen sind noch weiter gegangen und haben Wagenknecht als „Schwurblerin“ attackiert. Der Referent der grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, Dr. Dietrich Herrmann, bemängelte etwa, dass „Anna Will“ einer „Schwurblerin“ wie Wagenknecht und „einem, der auf Schwurbler-Wählerschaft schielt“ wie FDP-Politiker Marco Buschmann so viel Raum gebe.

Dietrich Herrmann@D_Herrmann

Schon wieder #falsebalance bei #AnneWill: Eine Schwurblerin (#Wagenknecht) und einer, der auf Schwurbler-Wählerschaft schielt (#Buschmann). #Covid19#Impfen Wieso gebt Ihr denen so viel Raum, Team @AnneWillTalk?

„Informationsangebot der öffentlich-rechtlichen Medien MUSS kein Desinformationsangebot beinhalten“, legte auch die Ärztin und ehemalige Homöopathin Natalie Grams-Nobmann nach, die schon öfter für die Grünen geworben hat.

Natalie Grams-Nobmann@NatalieGrams

Little reminder, weil offenbar immer noch unklar: Informationsangebot der öffentlich-rechtlichen Medien MUSS kein Desinformationsangebot beinhalten. #Wagenknecht#AnneWill

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Kai Gehring kritisierte die Moderatorin Anne Will indirekt dafür, eine Mitverantwortung für die zu geringe Impfquote in Deutschland zu tragen, wenn sie „Impfgegnerin Wagenknecht wieder mal ein Forum in ihrer Sendung bietet“.

Kai Gehring@KaiGehring

Welche Mitverantwortung trägt Talkmasterin #AnneWill an der zu geringen Impfquote in Deutschland, wenn sie Impfgegnerin #Wagenknecht wieder mal ein Forum in ihrer Sendung bietet? #Corona#ImpfenSchuetzt

Es finden sich jedoch auch einige, die Wagenknecht in Schutz nehmen – vor allem was den Umgang mit ihrer Meinung angeht. „Bei Anne Will gehen alle, einschließlich der Moderatorin, auf Wagenknecht los. Man mag ja unterschiedlicher Meinung sein, das Ganze wirkt auf mich recht arrogant“, kritisierte etwa der nach eigenen Angaben FDP-naher Unternehmer aus Köln, Mic. de Vries.

Mic. de Vries@micFD

Bei #AnneWill gehen alle, einschließlich der Moderatorin, auf #Wagenknecht los. Man mag ja unterschiedlicher Meinung sein, das Ganze wirkt auf mich recht arrogant.

„Man muss nicht mit ihr einer Meinung sein, aber sie hat Klasse“, äußerte auch der Fernseh- und Filmregisseur Tom Bohn.

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