Paris – Eigentlich wollte Präsident Macron sein Land befrieden und zugleich oberster Feuerwehrmann spielen, nun gehen wieder tausende Gelbwesten auf die Straße und Paris brennt weiter. Brände kann man löschen, Kirchen wieder reparieren auch. Einen über Jahrzehnte gewachsenen sozialen Konflikt mit leeren Versprechungen und markigen Worten lösen zu wollen, ist eine Illusion. Und so textet die WELT beinah überrascht: „Auch der verheerende Brand von Notre Dame konnte die französische Nation nicht einen. Die Polizei nahm nach Ausschreitungen mehr als 200 Menschen fest.“ Passend dazu Bilder von vielen Feuern, die am Samstag in den Straßen der französischen Metropole loderten.
Nach Angaben der Polizei gingen etwa 28 000 Menschen in ganz Frankreich am Karsamstag auf die Straße. 9000 sollen es in Paris gewesen sein. Die Gelbwesten gehen von wesentlich höheren Zahlen aus und dürften damit richtig liegen. Denn allein in der Hauptstadt führte die Polizei 20 000 „präventive Kontrollen“ durch. Bei den Auseinandersetzungen in der Innenstadt setzten die Sicherheitskräfte laut AfP Tränengas ein. Mehr als 200 Demonstranten wurden festgenommen. An dem Boulevard zwischen dem Place de la Bastille und der Place de la République soll es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen sein, berichtet die Welt weiter.
Es war die 23. Kundgebung seit Beginn der Unruhen im Oktober 2018. Damit gehen die Gelbwestendemos auch nach dem Brand der Kathedrale Notre Dame unvermindert weiter. Das Gelände um die beschädigte Kirche hatte die Polizei für Demonstranten gesperrt. Aus Angst vor über 2000 radikale Aktivisten hatte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner landesweit mehr als 60.000 Mitarbeiter von Polizei und Gendarmerie mobilisieren.
Unter anderem wurden ähnliche Ausschreitungen wie am wie am 16. März befürchtet, als bei heftigen Übergriffen die Champs Elysees heimgesucht wurde
Frankreichs Präsident Emmanuel will am Donnerstag seine Reformpläne vorstellen, die nicht zuletzt erst unter dem Druck der anhaltenden Demonstrationen zustande kamen. Im Dezember hatte Macron laut Medienberichten Zugeständnisse im Umfang von rund zehn Milliarden Euro angekündigt. Unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohnes. Zwischen Januar und März wurden die Bürger des Landes in einer „großen nationalen Debatte“ befragen, und konnten Lösungsvorschläge einbringen. Am Donnerstag werden die Franzosen dann wohl erfahren, inwieweit das Bürgerreferendum nur eines von vielen Taschenspielertricks des politischen Posers war. Mit Ostergeschenken rechnet wohl niemand mehr. (KL)
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