Rentner im Schlaf den Hals durchgeschnitten – 84jährige vergewaltigt – Behinderter ins Koma geprügelt – auf Spielplatz missbraucht – Frau an Seil mit dem Auto durch die Stadt geschleift – Massenschlägerei in Fußgängerzone – Kleinkind erstochen – Obdachloser angezündet…
Empörung? Gewöhnung? Resignation?
Täter? Mann – polizeibekannt – zwanzig Vorstrafen – fünfzig Festnahmen – also KLEINkriminell (!) – minderjährig – unbegleitet – psychisch auffällig.
Man muss angesichts dieser, inzwischen stündlichen Meldungen die letzten Verdrängungsmechanismen bemühen, um seine Wut im Zaum zu halten. Klar, das alles war unerwartbar, kam plötzlich, niemand hätte das ahnen können. Was nun? Nur die Ruhe – schon wird geforscht! An den Ursachen eines „Phänomens“. Und siehe da – man ist fündig geworden.
1. Das gab es schon immer.
2. Die Kriminalität geht zurück.
3. Straftaten begehen mehrheitlich Rechte.
Man könnte auch feststellen – die Bürger sind die wahrnehmungsgestörten Irren, nicht die Täter. Nicht nur unsere Warnungen waren falsch sondern auch die nun eintretenden Tatsachen sind halluziniert. Überraschung! Wir leben scheinbar von vorn bis hinten im falschen Film. Aber gut…schließlich haben wir die Versicherung in Form der knallharten Ansage der Kanzlerin noch im Ohr…Straftaten sind verboten!
Grotesk!
Kein Regisseur kann sich eine solche Dystopie ausdenken. Hundertausendfach werden Staftaten gemeldet. Und zwar so etwa wie…….das Wetter…..Bundesligaergebnisse oder besser noch die Lottozahlen. Ein Überlebensbingo. Es gibt keine gesellschaftliche, keine politische Reaktion. Nicht mal eine juristische. Justitia scheint paralysiert.
Wenn nach einem riesigen Ermittlungsaufwand nach Monaten mal ein Täter feststeht, gesichert ist, dass einer Strafverfolgung nichts mehr im Wege steht, die Akten in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen, die überall lauernden Fettnäpfe umgangen sind, der Ermittlungsrichter nach etlichen Anläufen überzeugt wird, einen Haftbefehl auszustellen, ein Verhandlungstermin gefunden, psychische Auffälligkeiten ausgeschlossen, die Täterschaft und die Schuld im Verfahren festgestellt sind und der Täter dann – oft nach mehreren Instanzen – rechtskräftig verurteilt ist, also endlich aus dem Verkehr gezogen werden kann, dann vielleicht atmen die Opfer – sofern sie überhaupt noch atmen – auf und könnten sich zurück ins Leben kämpfen.
Irrtum!
Wo der naive Durchschnittsbürger glaubt, ein rechtskräftiges Urteil sei nun endlich ein letztes, ein geltendes, praktisch zu vollziehendes Urteil, schlägt er dumpf auf dem Boden der Realität auf. Da werden Haftstrafen durch Hinterzimmerdeals „außer Vollzug“ gesetzt, Haftantritte auf den Sanktnimmerleinstag verschoben, sind Täter plötzlich irgendwie…nanu…nicht mehr anzutreffen, bestimmen Amtsrichter aus dem Bauch heraus, dass die U-Haft irgendwie schon Strafe genug war und das Absitzen der restlichen Strafe „unzumutbar“ sei, da werden Haftzeiten einfach erlassen, auf Antrag oder auch ohne einen solchen. Kaum losgelassen gehts voller Tatendrang draußen dem nächsten an den Hals. Schließlich ist die Freiheit des Pitbulls heilig. Alltag 2019. Wohlwollende Gutachter und Sachverständige, die dies ermöglichen – sofern überhaupt bemüht – finden sich offenbar zu jederzeit und überall zuhauf. Was legitimiert diese teils über Jahrzehnte immer wieder beauftragten Experten eigentlich?
Irgendwie logisch – schließlich ändert sich für alle Beteiligten kaum etwas. Mit Drogen dealen, sich prügeln und jemanden abstechen kann man ja drinnen wie draußen. Und drinnen wie draußen zahlt immer der Steuerzahler die kriminellen Trainingseinheiten. Sollte den Tätern nach dem pädagogischen Zeigefinger, den Gefährderansprachen oder gar einer (Gott bewahre!) Haft sogar noch eine Abschiebung drohen, dann ist die Zeit der selbsternannten Menschenrechtsaktivisten gekommen. Sie finden sich spätestens am Flughafen ein, in Begleitung spezialisierter Anwälte und einschlägig tätigen Presseorgane, transparentbewehrt und schreiend. Um jeden einzelnen Mörder wird heute in Deutschland gerungen bis der Arzt kommt. Oder die einstweilige Verfügung.
Wieviele Terroropfer wie viele Messeropfer, Vergewaltigte hätten jetzt noch ihr ursprüngliches Leben, wieviele lebenslang traumatisierte Verwandte würden nachts nicht wach liegen, wenn ihr, verehrte Richter, einfach Euren Job machen würdet. Jaaa, den verantwortungsvollen Job, für den ihr erheblich besser bezahlt werdet als Mustermann und Musterfrau. So gut, dass die Entlohnung gern mal als Referenzwert für die Regierungsspitze herangezogen wird. Was ich meine? Hallo? Den Rechtsstaat durchsetzen? Die Gesellschaft vor Intensivstraftätern zu schützen! Und nicht etwa die Intensivstraftäter, Vergewaltiger und Schwerkriminellen vor der Gesellschaft!
Liebe Work-Life-Balance-Richter…habt ihr mal selbsreferentiell drüber nachgedacht, ob vielleicht nicht die Kriminellen per se psychisch gestört sind (das sind sie aus meiner Perspektive immer) sondern ihr selbst Gegenstand eines bilanzierenden Gutachtens sein solltet? Ob da was auf die ganz schiefe Bahn geraten ist? Ich frage mal ganz im Ernst – seid ihr wahnsinnig geworden? Dass es mal einen Justizirrtum gibt, dass mal ungerechte, unangemessene Urteile gefällt werden, dass es Überlastung gibt, persönliche Bedrohungen durch Clans…bekannt. Geschenkt. Aber dass sich Richter, sehr oft heute auch Richterinnen, auf Kosten von öffentlicher Sicherheit in zigtausenden Fällen, einen schlanken Fuß machen, das – gut bezahlte Freunde des Rechts – das kostet draußen in den Städten, unseren Städten Menschenleben.
Ach so…beinahe hätte ich es vergessen…entspanntes Wochenende!
@jouwatch



