Wien – Reichst du jemanden den kleinen Finger, so will er oft die ganze Hand. Österreichischen Muslimen reicht es nicht, dass muslimischer Religionsunterricht an Schulen angeboten wird. Sie pochen darauf, dass ihre Friedensreligion anders als bei katholischem oder evangelischem „Religionsunterricht“ üblich, im Zeugnis besonders hervorgehoben wird. Wie die Kronenzeitung berichtet hatte das Bildungsministerium beim Wahlfach „Islam“ nur die Abkürzung des Trägers „IGGÖ“ vermerkt. Dies ist die Kurzbezeichnung für „islamische Glaubensgemeinschaft Österreich“. Da steckt zwar auch Islam drin, aber nicht genug. Muslime fühlen sich nun diskriminiert und wollen vor Gericht ziehen.
Dazu schreibt die Kronenzeitung:
„Offenbar fühlt man sich dadurch nicht ausreichend wertgeschätzt und ortet einen „klaren Akt der Diskriminierung“ seitens der Bundesregierung. Nach einem Gespräch im Bildungsministerium, das nicht nach ihrem Geschmack verlief, kündigte die Glaubensgemeinschaft jetzt „juristische Schritte“ an.“
Empört meint IGGÖ-Präsident Ümit Vural, durch die Änderung sei „nicht weniger als ein ganzes Religionsbekenntnis aus Zeugnissen verschwunden“. Das Vertrauen der Muslime sei durch diesen „einseitig verkündeten und diskriminierenden Erlass des Bildungsministeriums erschüttert“. Das alles sei „eines Rechtsstaates einfach nicht mehr würdig“.
Im Bildungsministerium ist man laut Kronenzeitung an einer pragmatischen Lösung interessiert. Gleichzeitig verteidigte das Ministerium den Entscheid. Er beruhe auf einer „fundierten Rechtsposition“.
„Der Entscheid beruhe auf einem Bescheid des Kultusamts zum Islamgesetz (Teil des Bundeskanzleramts) und wurde bereits im Oktober an die Bildungsdirektionen (früher: Landesschulräte) verschickt.“ heißt es aus Kreisen des Bildungsministers Heinz Faßmann (ÖVP).
Das Vertrauen in den Islam ist erschüttert
Inwieweit umgekehrt das Vertrauen der Österreicher in die Muslime erschüttert ist, offenbart der Artikel der OÖNachrichten. Mit dem Titel „Die Ablehnung des Islams ist in Österreich am stärksten“. Laut der islamophilen Bertelsmann-Studie liegt Österreich auf dem letzten Platz bei den Freizeitkontakten zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Weiterhin hinke Österreich im Bereich der Sozialintegration hinterher, etwa beim Spracherwerb: Vielleicht hängt dies auch mit einer ausgeprägten Integrationsunwilligkeit zusammen und der Intoleranz gegenüber einer aufgeschlossenen Gesellschaft. Wenn in Wien sich bereits österreichische Frauen mit Kopftüchern gegen sexuelle Übergriffe schützen (Jouwatch berichtete) haben andere einen triftigen Grund “erschüttert“ zu sein. (KL)
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