Erfurt – Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat die Kritik an seinem Vorschlag, über eine neue Nationalhymne zu diskutieren, zurückgewiesen. Das „Lied der Deutschen“ sei während der Wiedervereinigung ohne Diskussion „vom Westen übernommen“ worden, obwohl der damalige Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, einen alternativen Vorschlag gemacht habe, sagte Ramelow der „Welt“ (Montagsausgabe). De Maizière hatte angeregt, den Text der DDR-Hymne mit der Melodie von Joseph Haydn zu verbinden und sei dafür „ziemlich arrogant abgebürstet worden“, sagte Ramelow der Zeitung.
„Dabei wäre es doch klug gewesen, mit einer gemeinsamen neuen Hymne auch ein Symbol für die deutsche Einheit zu finden.“ Er bedauere, „dass wir vor 29 Jahren, als die demokratisch gewählte Volkskammer der DDR und der Bundestag sich auf den Weg zur deutschen Einheit gemacht haben, keine längere Diskussion über eine andere Nationalhymne geführt haben, in der sich alle wiedererkennen können“. Ramelow bekräftigte, dass er „kein Problem“ mit der von Hoffmann von Fallersleben gedichteten Nationalhymne habe.
Er „singe die dritte Strophe gerne mit“ und „kenne auch den Entstehungskontext der ersten beiden Strophen“. Fallersleben habe ein Befreiungslied geschrieben. Er könne aber „nicht ausblenden, was die Nazis aus der ersten Strophe gemacht haben. Und ich kann nicht ausblenden, was gemeint ist, wenn Rechtsradikale heute `Deutschland, Deutschland, über alles` singen.“ Ramelow forderte eine „ergebnisoffene“ Diskussion. „Was spräche gegen einen Hymnen-Wettbewerb? Was spräche gegen eine neue Hymne, die in Ost und West aus tiefstem Herzen mitgesungen werden kann? Das wäre doch gelebter Patriotismus.“
Er selbst fände die im Jahr 1950 von Bertolt Brecht gedichtete Kinderhymne in Kombination mit Haydns Melodie „eine bessere Variante“. Der Text von Brecht sei „ein humanistisches Bekenntnis, da steht niemand über oder unter jemand anderem. Ich kann die Empörung über meinen Vorschlag jedenfalls nicht verstehen“. Am heftigsten werde er „übrigens von denen attackiert, die am liebsten die erste Strophe singen“.
Jouwatch steigt als erstes in diesen für unser Land so wichtige Diskussion ein. Hier unser Vorschlag – von Heinz Erhardt:
Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.
Eines Morgens sprach die Made:
„Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!“
Also sprach sie und entwich. –
Made junior aber schlich
hinterdrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!
Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde …
(Quelle!: dts)



