Schwalbach/Main-Taunus-Kreis – „Bürger reagieren gelassen auf die erneuten Randale am Limeszentrum Schwalbach. Nicht jedem gefällt die Strategie der Polizei,“ schreibt die FR nachdem eine Jugendbande Polizei und Feuerwehr Mitte der Woche die ganze Nacht auf Trab gehalten hat und sogar das Haus eines Polizisten attackierte, nachdem sie tags zuvor das Dienstauto der Bürgermeisterin schwer beschädigt hatten (jouwatchberichtete). Heraus kam ein Nachbericht, der die Ereignisse herunterspielt und suggeriert: Frankfurts Banlieue hat sich an die Gewalt von Jugendbanden gewöhnt, kein Grund zur Panik. Mehr noch: Es gibt sogar Bewohner mit mutmaßlichem Stockholmsyndrom, die offenbar Verständnis für die Tätergruppen zeigen und die Polizeimaßnahmen für überzogen halten.
Nur eine Interviewpartnerin hatte wohl den Mut, der FR-Reporterin reinen Wein einzuschenken. Sie lebt seit 55 Jahren im Nachbarort von Eschborn und beschreibt, dass die Stadt mit dem kleinen Altstadtkern und ausufernden Neubausiedlungen sich sehr verändert hat. Weil im Ortsteil „Limesstadt“ häufig Randalierer unterwegs sind, geht sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße. Da habe sie ein ungutes Gefühl.
Eine andere Frau hat die Randale schlicht weg verschlafen und erst in der Zeitung davon erfahren. Ein älterer Mann hat sich mit der Gewalt „arrangiert“, und bei ihm blitzt beinahe ein wenig Verständnis auf. Man müsste herausfinden, woran es liegt, dass junge Erwachsene immer wieder rund um das Limeszentrum randalieren. Vielleicht einfach, um Macht zu demonstrieren, könnte man antworten.
Verständnisvoll klingt auch das Statement einer Mittvierzigerin, die in der Limesstadt wohnt. „Bisher hat mir noch keiner was getan“, behauptete sie gegenüber der FR-Reporterin und gibt indirekt den schwarzen Peter an die Verantwortlichen im Rathaus weiter: „Man muss die jungen Leute fragen, warum sie das tun, was sie in Schwalbach vermissen.“ Sympathie mit dem Aggressor also. Dann setzt sie noch einen drauf und hat nach den bürgerkriegsähnlichen Vorfällen kein Verständnis dafür, dass Polizeikontrollen mit Beamten in Schutzwesten und mit Maschinenpistolen im Anschlag durchgeführt werden. „Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was passiert ist.“
Ähnliche Töne hört man von einer Verkäuferin eines Geschäftes, dass in der Vergangenheit sogar mit Steinen attackiert wurde. Sie meint, „Jugendliche, die mit den Vorfällen nichts zu tun hätten, fühlten sich durch die Personenkontrollen, die jetzt wieder verstärkt in Schwalbach durchgeführt werden, provoziert“.
Dass die Polizeikontrollen Sinn machen, steht außer Zweifel. Sie kommen allerdings zu spät. Die Bande prägt bereits wie in einer Pariser Vorstadt das öffentliche Leben. In einigen Geschäften gibt es durch die Randale weniger Kundschaft in den Abendstunden. Zum Beispiel in einer Apotheke. „Ältere Menschen würden nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zum Einkaufen kommen, weil sie Randale fürchteten, sagt ein Mitarbeiter. Jüngere wichen ins Main-Taunus-Zentrum aus“. Auch eine Pizzeria verzeichnet weniger Gäste.
Besonders krass wird die Hilflosigkeit über die mutmaßlich importierte gefährliche Sicherheitslage bei den Behörden deutlich. Die Stadt hat für stolze 430.000 Euro eine Videoschutzanlage installiert, die Anfang des Jahres in Betrieb gegangen ist. Damit hofft man den „Kriminalitätsschwerpunkt“ Schwalbach entschärfen zu können. Dass man dennoch von den Tätern regelrecht überrumpelt wurde, mach die Verantwortlichen ratlos.
„Wir müssen die Ermittlungen abwarten“, sagte Bürgermeisterin Christiane Augsburger der FR. Und natürlich ist sie froh, „dass die meisten Schwalbacher sehr besonnen und unaufgeregt reagierten“. Klar, an das eigentliche Verursacherproblem traut sich niemand heran. Nicht einmal der Täterkreis wird näher definiert. Schwalbach ist das Parabeispiel eines sich im ganzen Land ausbreitenden Stockholmsyndroms. Je mehr Gewalt, je inniger werden die Täter geliebt. Wer sie ernsthaft bekämpfen will, ist ein Rassist. Wer Geld hat, zieht aus Schwalbach weg und kauft sich eine Eigentumswohnung im benachbarten Villenviertel von Kronberg und gibt seine Kinder auf die grüne Gutmensch-Waldorfschule, damit der schwächliche Nachwuchs wenigstens die Grundschule überlebt. (KL)
@jouwatch



