Hannover – In der vergangenen Woche war gegen SPD-Oberbürgermeister Stefan Schostok Anklage wegen Untreue in einem besonders schweren Fall erhoben worden. Fast eine Woche ließ sich der Sozialdemokrat Zeit, um nun am Dienstag bekannt zu geben, dass er sich frühzeitig in den Ruhestand verabschiedet.
Schostok soll aus Sicht der Staatsanwaltschaft spätestens seit April 2017 von unzulässigen Gehaltszuschlägen für zwei Spitzenbeamte gewusst haben, die dann mit seinem Einvernehmen weitergezahlt wurden. Das teilte die Staatsanwaltschaft Hannover am vergangen Mittwoch mit und erhob Anklage gegen Hannovers SPD-OB Stefan Schostok wegen Untreue in besonders schwerem Fall. Schostok selbst erteilte den Forderungen nach Rücktritt noch am Mittwochabend eine klare Absage und teilte mit, im Amt bleiben zu wollen. Nachdem jedoch selbst die Genossen aus der eigenen Partei von dem 54-Jährigen abrückten, posaunte er zwar noch herum, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein, entschied sich aber dann am Dienstag, den hoch beschädigten Posten zu räumen.
In einem knappen Pressestatement teilte er laut dem NDR mit, dass er vorzeitig in den Ruhestand gehen werde. Unabhängig von der Frage der Schuld oder Unschuld habe er nicht mehr die Unterstützung des Rates. Ohne diese „kann ein Oberbürgermeister nicht mehr uneingeschränkt zum Wohle der Stadt und ihrer Menschen arbeiten“, so der studierte Sozialpädagoge Schostok, der seit fünfeinhalb Jahren an der Spitze der Landeshauptstadt stand und ganz offensichtlich ein anderes Verständnis davon hat, was das Wohl der Stadt angeht. Hannover machte sich zum Jahresanfang komplett zur Lachnummer der Nation, als unter seiner Ägide eine „geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ eingeführt wurde und die Stadtverwaltung den gesamten städtischen Schriftverkehr, also E-Mails, Pressemitteilungen, Broschüren, Formulare, Flyer, Hausmitteilungen, Formulare, Rechtstexte und Briefe, auf Kosten des Steuerzahlers im Sinne des Gender-Mainstreaming-OBs führen muss.
Schostoks Rückzug am Dienstag wurde von den Genossen sogleich als heroische Tat gefeiert. „Er hat damit Verantwortungsbewusstsein bewiesen und die Konsequenzen aus den von der Staatsanwaltschaft gegen ihn erhobenen Vorwürfen gezogen“, lobpreiste Ministerpräsident Stephan Weil seinen Amtsnachfolger. (SB)
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